Chronik | Österreich
07.12.2013

Orkan Xaver "fällte" Salzburger Weihnachtsbaum

"Xaver" machte der Fichte am Salzburger Christkindlmarkt den Garaus und bremste den Verkehr in OÖ.

Orkan "Xaver" hat sich über Österreich ausgetobt: Freitagabend knickte eine Böe am Salzburger Residenzplatz den dort aufgestellten, eindrucksvollen Christbaum von 21 Metern Höhe. Am Samstag gab es noch Verkehrsbehinderungen in Oberösterreich. Mehrere LKW-Unfälle wurden in der Steiermark registriert, im Burgenland rückten die Feuerwehr verstärkt aus.

Die Gäste des traditionellen Salzburger Christkindlmarktes mussten jedenfalls am Wochenende ohne großen Christbaum auskommen. Eine Sturmböe hatte die 21 Meter hohe Fichte auf dem Residenzplatz am Freitag gegen 22.40 Uhr dermaßen geknickt, dass sie einen rund vier Meter langen Riss bekam und daher zur Sicherheit von der Berufsfeuerwehr noch in der Nacht abgetragen werden musste.

"Der Baum hat sich gebogen wie eine Gummiwurst."

Wolfgang Haider, Obmann des Vereins Salzburger Christkindlmarkt, war Zeuge des Zwischenfalls. "Ich bin mit meinem Sohn zufällig vor dem Baum gestanden. Es war eigentlich gar kein Sturm, aber plötzlich war eine Riesenböe da, sodass das obere Drittel des Baumes waagrecht gebogen wurde und die Äste senkrecht gestanden sind. Das Ganze hat vielleicht drei, vier Sekunden gedauert. Der Baum hat sich gebogen wie eine Gummiwurst, so etwas habe ich noch nie erlebt. Dann hat es einen lauten Kracher gemacht und der Baum war in einer leichten Schrägstellung." Ein Umfallen des großen Baumes sei nicht zu befürchten gewesen, man habe sich aber aus Sicherheitsgründen zum Abtragen entschlossen. Jetzt wird nach Ersatz gesucht.

Massenkarambolage auf A1

In Oberösterreich bremste "Xaver" den Verkehr gehörig ein. Der folgenschwerste Zwischenfall waren Freitagnachmittag Serienunfälle auf der Westautobahn (A1), die insgesamt zwölf Verletzte forderten. Die Autobahn und mehrere Straßen waren gesperrt. Auch eine Bahnlinie war unterbrochen.

Massenkarambolage mit Verletzten

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OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

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OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

OBERÖSTERREICH: KARAMBOLAGE AUF DER WESTAUTOBAHN (

Laut einer Bilanz der Polizei waren an den Serienunfällen in einem Schneesturm auf der Richtungsfahrbahn Wien und kurz danach wegen Schaulustiger auch auf der Gegenfahrbahn im Gemeindegebiet von Straß im Attergau im Bezirk Vöcklabruck insgesamt 35 Pkw und sechs Lkw beteiligt. Zwölf Personen wurden verletzt, davon zwei schwer. Der Notarzthubschrauber "Christophorus 10" flog einen 30-jährigen Lkw-Fahrer aus Niederösterreich zur Behandlung in das Krankenhaus Wels. Die anderen lieferte die Rettung in die Landeskrankenhäuser Gmunden und Vöcklabruck ein. Das Rote Kreuz war mit mehr als 60 Helfern im Einsatz.

Auch aus anderen Landeteilen wurden zahlreiche witterungsbedingte Unfälle gemeldet. Unter anderem geriet in Vöcklabruck eine 25-Jährige aus Ottnang am Hausruck im selben Bezirk mit ihrem Pkw ins Schleudern und schlitterte über eine die Böschung hinunter. Die Frau wurde ins Landeskrankenhaus Vöcklabruck eingeliefert. Im Bezirk Schärding wurde ein 47-jähriger Autolenker aus Engelhartszell in seinem Heimatort leicht verletzt, als er an einer Kreuzung mit dem Pkw eines 19-Jährigen aus dem selben Ort zusammenstieß.

Behinderungen im Bahnverkehr

In allen Landesteilen waren Straßen wegen umgestürzter Bäume, Schneeglätte oder hängen gebliebener Schwerfahrzeuge entweder ganz gesperrt oder für Lkw nur mit Ketten befahrbar. Die Salzkammergutbahn war nach einem Schaden an der Oberleitung zwischen Obertraun und Bad Aussee unterbrochen. Die ÖBB richteten einen Schienenersatzverkehr ein.

Aktuelle ÖBB-Streckeninformation

Winterliche Fahrverhältnisse auf obersteirischen Straßen hatten in der Nacht auf Samstag auch in der Steiermark für Blechschäden und Verletzungen gesorgt. Unter den Unfalllenkern war auch ein betrunkener 56-jähriger Lkw-Fahrer: Er kam mit seinem Sattelzug von der A9, der Pyhrnautobahn, ab. Beide Dieseltanks rissen dabei auf, und Treibstoff gelangte ins Erdreich.

Auffahrunfälle im Burgenland

Sturm und Schneeschauer haben Freitag und Samstag auch im Burgenland zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. In Apetlon (Bezirk Neusiedl am See) mussten die Einsatzkräfte Freitagfrüh einen umgestürzten Baum von der Fahrbahn entfernen. Im Mittelburgenland ist es Samstagvormittag wegen starken Schneefalls zu Behinderungen auf den Straßen gekommen. Mehrere Autos rutschten von der Fahrbahn, und es kam vereinzelt zu Auffahrunfällen.

Hier geht es zum aktuellen KURIER-Wetter.

Orkan "Xaver": Bereits zehn Todesopfer

Der Orkan "Xaver" ist mit Ausdauer über das nördliche Europa hinweggefegt, Sturmfluten peitschten auf die Nordseeküste, Flug- und Zugverkehr waren vielerorts gestört, Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt. Hunderttausende waren ohne Strom. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.

In Österreich war die Westautobahn (A1) am Freitagnachmittag im Seegebiet im Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich gesperrt worden, nachdem sich mehrere Karambolagen im dichten Schneetreiben ereignet hatten (mehr dazu hier).

In Polen starben drei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto fiel. Für zwei Seemänner, die am Donnerstagmorgen vor der schwedischen Küste über Bord gegangen waren, gab es keine Hoffnung mehr. Die Suche wurde aufgegeben. In Südschweden wurde ein Jäger von einem umstürzenden Baum erschlagen, und in Mora in Mittelschweden wurde eine ältere Frau tot im Schnee gefunden.

Land unter: Erinnerungen an 1962

Hamburg unter Wasser: Erinnerungen an 1962

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People in a rowboat pass the flooded landmark fish

A pedestrian takes a photo of the flooded landmark

GERMANY WEATHER

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A souvenir shop is pictured near the flooded landm

GERMANY WEATHER

In Großbritannien und Skandinavien hatte es bereits am Donnerstag drei Tote gegeben. In Nord- und Mitteleuropa waren zeitweise Hunderttausende Haushalte ohne Strom, die meisten in Polen.

Hamburg erlebte am Freitagmorgen die zweithöchste Flut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825. Der Scheitel der Sturmflut erreichte Hamburg gegen 6.15 Uhr mit einem Wasserstand von 3,98 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Bei der verheerenden Flut 1962 hatte der Wasserstand in Hamburg einen ähnlichen Wert. Damals waren die Deiche aber noch deutlich niedriger und weniger stabil. Nur die Flut von 1976 war noch höher ausgefallen.

"Xaver" hinterliess auch auf der deutschen Nordseeinsel Sylt größere Schäden, wo Windgeschwindigkeiten von bis zu 148 Kilometern pro Stunde registriert worden waren. Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland vorübergehend nicht mehr zu erreichen. In Großbritanniens Küstenregionen verbrachten Hunderte die Nacht zum Freitag in Schulen und anderen Notunterkünften.

Flighttrader

Millionen Menschen in Deutschland erlebten einen Wintereinbruch. Es gab Schnee und Tausende Unfälle. Am Freitagmittag war laut Deutschem Wettedienst "das Schlimmste überstanden". Die Auswirkungen blieben geringer als bei Orkan "Christian" vor etwa sechs Wochen. Für das Wochenende gab es zudem Entwarnung: Es soll ruhiger und wärmer werden.

Genaue Schätzungen zu Schäden waren zunächst unmöglich. Dafür sei es noch viel zu früh, sagte ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Munich Re in München.

Bahnverkehr brach zusammen

Der Orkan traf auch den Bahnverkehr hart. Der Fernverkehr nördlich von Hamburg wurde am Freitag eingestellt und der Regionalverkehr war stark eingeschränkt. Am Morgen waren auch die IC- und ICE-Strecken Hamburg-Hannover und Berlin-Hamburg mehrere Stunden gesperrt, weil Bäume umgeknickt auf Schienen lagen.

In Dänemark rollten am Freitagmorgen die ersten Züge wieder aus den Bahnhöfen. Am Donnerstag war der Zugverkehr eingestellt worden.