"Oliver darf Österreich besuchen"

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Vor einem Jahr wurde der Bub nach Dänemark gebracht. Sein Vater muss wieder vor Gericht.

Seit fast einem Jahr ist das Schicksal des kleinen Oliver in den Medien: Kurz vor Ostern 2012 wurde der damals Fünfjährige von seinem dänischen Vater geschnappt, als ihn seine Mutter in den Kindergarten in Graz bringen wollte. Seither lebt der Bub in Dänemark, seine Eltern kämpfen um das Sorgerecht.

Die Behörden sind wenig hilfreich in dem verzwickten Fall: Das dänische Höchstgericht sprach die Obsorge alleinig Thomas S. zu, dem Vater, der österreichische OGH jedoch Marion W., Olivers Mutter.

Zusätzlich zum Obsorgestreit wird auch noch an einer anderen Front juristisch gekämpft: Thomas S. muss sich am 4. April erneut wegen des Verdachts der Kindesentziehung im Grazer Straflandesgericht verantworten. Der erste Prozess im September endete mit einem Jahr bedingter Haft, doch das Urteil wurde vom Obersten Gerichtshof wegen Formalfehlern aufgehoben.

Der KURIER erreichte Thomas S. in Dänemark.

KURIER: Wie geht es Oliver?

Thomas S.: Er ist ein sehr glückliches Kind, das kann jeder bestätigen, der mit ihm Kontakt hat. Und das ist auch offiziell in den Verhandlungen vor dänischen Gerichten bestätigt worden. Das Gericht hat außerdem ein offizielles Statement von Olivers Kindergarten verlangt, die Behörden haben uns mit Kinderpsychologen besucht. Er spielt im lokalen Fußballteam und hat einmal wöchentlich Schwimmunterricht.

Spricht er noch Deutsch?

Seit er nach Dänemark zurückgekommen ist, spricht er Dänisch. Mein Deutsch ist nicht perfekt, also sprechen wir es nicht aktiv im Moment. Ich bin eigentlich nicht sicher, wie gut sein Deutsch derzeit noch ist.

Fragt er nach seiner Mutter? Vermisst er sie?

Marion und Oliver haben wöchentlich Telefonkontakt, aber meiner Meinung nach funktionieren diese Gespräche nicht sehr gut. Diese Telefonate sind keine erfreulichen Erfahrungen für Oliver, also will er gewöhnlich nicht sehr viel mit ihr sprechen. Ich sage Oliver oft, dass er seine Mutter jederzeit anrufen kann, aber er hat bisher noch keinerlei Wunsch in diese Richtung geäußert.

Oliver ist erst sechs Jahre alt. Wie wollen Sie zukünftig sicherstellen, dass er gleichwertigen Kontakt zu beiden Elternteilen hat?

Ich habe Marion im vergangenen Jahr viele Vorschläge gemacht, damit Oliver guten Kontakt zu uns beiden hat. Das ist immer mein Ziel gewesen und das ist es noch. Ich habe Marion während der Gerichtsverhandlung in Dänemark auch vorgeschlagen, dass Oliver etwa die Hälfte der Zeit bei mir und die andere Hälfte bei ihr sein könnte, so etwas wird immer mehr Standard hier in Dänemark. Aber ich weiß, dass das in Österreich immer noch sehr schwierig ist.

Würden Sie einer geteilten Obsorge zustimmen?

Wenn Marion zu kämpfen aufhört und das Faktum akzeptiert, dass Oliver in Dänemark lebt und auch weiterhin in Dänemark leben wird dann würde ich für geteiltes Sorgerecht offen sein.

Würden Sie Oliver erlauben, seine Mutter und seine Großeltern in Graz zu besuchen?

Ja, natürlich. Aber: Solange die dänische Entscheidung über die Obsorge nicht von Marion und den österreichischen Behörden akzeptiert werden, ist das nicht möglich. Wenn ich Oliver jetzt zu seiner Mutter bringen würde, Oliver und ich würden uns nie wieder sehen. Aber in dem Moment, in dem ich darauf vertrauen kann, dass Oliver sicher nach Dänemark zurückkehrt, darf er Österreich besuchen.

Das Datum für den neuen Prozess gegen Sie steht fest, 4. April. Kommen Sie nach Graz?

Ich habe die offiziellen Papiere dazu noch nicht erhalten, ich muss noch mit meiner Anwältin reden. Aber mein erster Gedanke dazu ist, ich habe eine umfassende Aussage dazu schon beim ersten Mal gemacht. Ich kann nicht erkennen, welchen Neuigkeitswert es hätte, wenn ich die selbe Erklärung noch einmal mache.

Erstellt am 02.03.2013