Die Erdmännchen in Schmiding warten im Zoo auf Besucher.

© Zoo Schmiding

Geschlossen
03/31/2020

Österreichs virtuelle Streichelzoos

Tierparks halten ihre Fans mit Online-Angeboten auf dem Laufenden. Vor allem privat geführte Institutionen kämpfen ums Überleben

von Elisabeth Holzer, Petra Stacher

20 Kilogramm schwer ist jeder der drei Rabauken schon. Die Löwendrillinge Spartacus, Tiberius und Maximus waren in der Zeitrechnung vor Corona die Lieblinge der Tierwelt Herberstein. „Es wäre ein Bombenjahr geworden“, rechnet Zoo-Sprecherin Karin Winkler vor: 35.000 Besucher kamen im Jänner und Februar nach Herberstein. Ohne solch eine Zusatzattraktion sind in diesem Zeitraum 15.000 Gäste üblich.

Doch wie alle Zoos in Österreich hat Herberstein seit zwei Wochen zu. Um die Besucher zu Hause mit Neuigkeiten rund um 700 Tiere aus 85 Arten erfreuen zu können, wird gerade an virtuellen Touren gearbeitet. „Das hatten wir schon länger auf unserer Liste, jetzt setzen wir es so rasch wie möglich um“, betont Winkler.

Bereits seit ihrer Geburt online ist das Löwentagebuch der drei Königskinder, das unter ihrer Homepage nun noch mehr Zugriffe erzielt.

Fast keine Einnahmen

Herberstein ist ein Landeszoo, finanzielle Verluste sind hier leichter aufzufangen. Der Zoo und Aquazoo Schmiding in Oberösterreich muss sich hingegen als privat geführte gemeinnützige GmbH ausschließlich aus Eintrittseinnahmen, Patenschaften, Sponsoring und Spenden finanzieren. Laufende Unterstützungen von der öffentlichen Hand bekommt Schmiding keine.

Umso mehr hat der Zoo nun mit enormen Verlusten zu kämpfen: Etwa 97 Prozent der Einnahmen resultieren aus den Eintrittskarten. Die fallen durch die Covid-19-Maßnahmen weg. „Wir bemühen uns, Besucher und Tierfreunde zu motivieren Patenschaften anzunehmen oder einfach so zu spenden“, sagt Daniela Artmann, Zoologin im Zoo Schmiding. Die Rückmeldungen seien gut – da der Zoo jedoch in den kommenden Wochen nicht öffnen werde, brauchen sie weiterhin jeden Cent.

Die Besucher fragen

Gleichzeitig erreichen den Zoo täglich Besucheranfragen, wie es „ihren“ Tieren gehe. Zu den tagesaktuellen Berichten die Schmiding über Instagram, Facebook, Youtube und ihre eigene Homepage verbreiteten, bietet der Zoo deshalb nun auch die virtuelle Tour „Unterwegs im Zoo mit Beatrice“ an. Mit ihrem Handy filmt die junge Zoomitarbeiterin Beatrice Tiere und erzählt dazu Hintergrundinformationen, in der ersten Folge etwa über die Pelikane.

Sicherlich wird aber auch ein Beitrag über die drei Nashornjungen nicht lange auf sich warten lassen: Die drei Halbgeschwister Nio, Taio und Malu, die innerhalb von vier Monaten zur Welt kamen, stolpern nämlich schon durch das etwa ein Hektar große Nashorn-Freigehege.

Schönbrunn
Mit 17 Hektar Fläche und mehr als 700 Tierarten ist der Tierpark Schönbrunn nicht nur einer der  größten, sondern auch er älteste Zoo Österreichs: Er wurde 1752 von Kaiser Franz L, dem Mann Maria Theresias, gegründet.  

Alpenzoo Innsbruck
Der Alpenzoo Innsbruck liegt auf 750 Meter Höhe am Fuß der Nordkette und ist somit einer der höchstgelegenen Tierparks Europas. Dort leben rund 1.000 Alpentiere aus 150 Arten auf 4,1 Hektar Fläche.

Zoo Hellbrunn
Auf dem Gelände des einstigen erzbischöflichen Wildparks aus dem  17. Jahrhundert wurde 1961 der Zoo Hellbrunn. In dem Salzburger Zoo sind rund 1.500 Tiere aus 150  Arten untergebracht, die Fläche ist rund 14 Hektar groß.

Eine Herausforderung ist aber für öffentliche wie privat geführte Zoos gleich: Es gilt striktes Betretungsverbot für betriebsfremde Menschen, auch für Lieferanten. So soll die Ansteckungsgefahr für die Tierpfleger so klein wie möglich gehalten werden.

15 Tierpfleger und ein Zoologe kümmern sich um die Tiere in Herberstein. „Wenn uns da jemand ausfallen würde, könnten wir die Leute nicht so schnell ersetzen“, schildert Sprecherin Winkler. „Ein Tierpfleger ist ein hoch spezialisierter Beruf, das ist ja nicht nur Tiere streicheln.“