Psychiater über Lotto-Jackpot. „Von allein macht so ein Gewinn nicht glücklich“
Am Sonntag könnte der historische Achtfachjackpot in Österreich geknackt werden – und eine Person schlagartig um rund zwölf Millionen Euro reicher sein. Für viele ist das der Stoff, aus dem Träume sind: nie mehr arbeiten müssen, alle Schulden begleichen, die Welt bereisen. Doch macht ein hoher Geldgewinn tatsächlich nachhaltig glücklich?
Der Psychiater und Autor Hans-Otto Thomashoff („Das gelungene Ich“) bremst überzogene Erwartungen. Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung stellten das klassische Wertesystem auf den Kopf, sagt er. Nicht Geld, Leistung oder Dauerspaß seien die wichtigsten Voraussetzungen für ein zufriedenes Leben.
Hans-Otto Thomashoff weiß, was zufrieden macht.
Viel entscheidender seien gute Beziehungen, das Gefühl, das eigene Leben gestalten zu können, und ein ausgewogener Umgang mit Stress. Geld könne vieles erleichtern, ein erfülltes Leben garantiere es aber nicht.
Gewinn ab 6.000 Euro bewirkt kaum mehr Zufriedenheit
„Studien belegen eindrucksvoll, dass der Zugewinn an Lebensglück durch mehr Geld begrenzt ist“, erklärt Thomashoff. „Bei uns in Europa sind etwa 6.000 bis 7.000 Euro im Monat der Betrag, ab dem ein weiterer Zuwachs die subjektiv empfundene Zufriedenheit kaum noch verbessert.“
Dass die Euphorie nach einem Millionengewinn meist nicht von Dauer ist, erklärt auch ein Phänomen aus der Psychologie: die hedonische Adaption. Nach dem ersten Dopaminrausch gewöhnt sich das Gehirn schnell an neue Lebensumstände – selbst eine Luxusvilla wird mit der Zeit zur neuen Normalität.
Mehr Geld macht nicht unbedingt einsam
Immer wieder wird davor gewarnt, dass ein hoher Gewinn einsam machen könne. Dafür gibt es bisher keine belastbaren Belege. Im Gegenteil: Eine britische Langzeitstudie zeigt, dass Lottogewinner ihre Freunde sogar häufiger treffen als zuvor. Allerdings hinterfragen sie auch oft, ob neue Bekanntschaften nur des Geldes wegen entstehen.
Die ersten Tage nach einem Millionengewinn sind psychologisch besonders heikel. „Die Herausforderung besteht darin, dass die plötzlichen Glücksgefühle nicht unser Handeln bestimmen“, sagt Thomashoff. „Damit liegt es an uns, wie wir mit einem Lottogewinn umgehen, ob er dazu beiträgt, dass wir uns zufriedener fühlen. Von allein geht das nicht.“
Das Geld sollte so angelegt werden, dass es ein verlässliches Zusatzeinkommen ermöglicht. „Was dann noch übrig ist, darf auch verprasst werden.“ Julia Pfligl
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