Chronik | Österreich
28.08.2015

Oberrang bis 2017 gesperrt

Rückbau des Wörthersee-Stadions ist wieder Thema/Länderspiele und Events werden gestrichen.

Das Klagenfurter Wörthersee-Stadion ist um eine Posse reicher und um zahlreiche Veranstaltungen ärmer. Nachdem der Verwaltungsgerichtshof (VwGH), wie berichtet, die Baubewilligung für die oberen Ränge aufgehoben hat, müssen für 2016 und 2017 geplante Konzerte und Fußballspiele auf Eis gelegt werden. Sogar ein Rückbau des Stadions ist nicht mehr auszuschließen.

Mehr als 100 Millionen Euro hat die öffentliche Hand insgesamt in das "Ufo" gepumpt. Sollte es ursprünglich nach der EURO 2008 auf 12.000 Zuschauer rückgebaut werden, so entschloss man sich 2011 für die "Permanentmachung", die 23,5 Millionen verschlang (8 Mio. bezahlte die Stadt Klagenfurt, 15,5 Millionen der Bund). Die Behörde hielt laut VwGH die Einbindung der Anrainer beim Feststellungsverfahren für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für nicht erforderlich.

Landesjurist Albert Kreiner war während des Stadionbaus Leiter dieser Behörde. "Damals wurde eine umfassende Beurteilung der UVP-Pflicht durchgeführt. Wir haben Lärmmessungen bei den Nachbarn gemacht, die Anrainerbedenken wurden berücksichtigt", sagt er.

Der VwGH sah die Sache anders und hob am Donnerstag die Baubewilligung des Oberranges auf.

Die Folgen sind fatal: statt 32.000 Fans fasst das Stadion jetzt 12.000. Statt Konzerten und Events dürfen nur mehr Sportveranstaltungen stattfinden, weil die Multifunktionalität der Arena nicht mehr gegeben ist.

"Endlosschleife"

Die Causa geht nun ans Landesverwaltungsgericht. Dieses dürfte den Ball wieder zum Land weiterspielen, vermutet Kreiner: "Es gibt stets die Möglichkeit von Einsprüchen. Bis ein endgültiger Beschluss erteilt wird, ist es definitiv 2017. Und der Oberrang ist bis dahin tabu."

"Ich befürchte eine Endlosschleife in dieser Sache. Und bei Gerichtsentscheidungen ist leider alles möglich. Auch dass das Stadion letztendlich wieder rückgebaut werden muss", droht laut Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz eine Fortsetzung der Vernichtung von Steuergeldern. Sie sagt: "Ich werde prüfen, wie die Juristen der Behörden solche Verfahrensmängel zulassen konnten."

Der wirtschaftliche Schaden kann vorerst nicht abgeschätzt werden. So war für 2016 wieder ein Fußball-Länderspiel in Klagenfurt geplant, das Cup-Finale findet laut Vertrag im Mai 2016 im Wörthersee-Stadion statt. "Spiele dieser Größenordnung werden an eine andere Stadt vergeben, wenn in Klagenfurt nicht Unter- und Oberrang zur Verfügung stehen", betont Wolfgang Gramann, Pressesprecher des Österreichischen Fußballbundes.

Thomas Semmler, der heuer das Motorrad-Freestyle-Event "Masters of Dirt" in Klagenfurt vor 28.000 Fans veranstaltete, winkt ebenfalls ab: "Unsere beiden für 2016 angedachten Eventproduktionen, die einen siebenstelligen Eurobetrag verschlingen würden, sind auf ein volles Stadion kalkuliert. Jetzt heißt es Stopp. Als Unternehmer ist Risiko dein ständiger Begleiter, aber in Kärnten zu investieren gleicht einem Bankrott."

Auch Eishockey-Freiluftspiele im Stadion liegen auf Eis. "Derartige Veranstaltungen machen nur Sinn, wenn eine Genehmigung fürs gesamte Stadion vorliegt", betont Oliver Pilloni, Manager des KAC.