Oberndorf bei Salzburg: Karola und Stefan Becker aus Bonn vor der Stille-Nacht Kapelle Bild: Walter Schweinöster

© Walter Schweinöster

Urlaubsserie
07/02/2013

Wo „Stille Nacht“ erstmals erklang

Nach dem Hochwasser hofft man im Salzburger Oberndorf auf möglichst viele Tagesgäste

von Niki Nussbaumer

Kapellen, überall Kapellen. Die Stille-Nacht-Kapelle auf Kerzen und Knirpsen, auf Aschenbechern und Anhängern, auf Schnapsgläsern und in Schneekugeln.

Touristen, die nach Oberndorf im Salzburger Flachgau reisen, haben meist nur ein Ziel: Die Stille-Nacht-Kapelle, in der das weltberühmte Weihnachtslied 1818 erstmals erklang – sowie der gegenüberliegende Souvenirshop. 50.000 bis 60.000 Besucher kommen jeden Advent, und am 24. Dezember werden die sechs Strophen per Webcam in die ganze Welt übertragen.

Die Menschen, die zuletzt in die 5700-Einwohner-Stadt kamen, waren aber hauptsächlich Feuerwehrleute, Bundesheer-Soldaten – und Schaulustige. Oberndorf war der vom Hochwasser am stärksten betroffene Ort im Flachgau, hier überschwemmte die Salzach in einer einzigen Straße 50 Häuser. Teilweise stand das Wasser 1,50 bis 1,80 Meter hoch in den Gebäuden. Bürgermeister Peter Schröder schätzt die Schadenshöhe auf ca. 1,2 Millionen Euro.

Zentrum verlegt

Besonders schlimm erwischte es den sogenannten Stille-Nacht-Bezirk am rechten Ufer der Salzach. Das Stille-Nacht-Museum und das Standesamt sind noch immer geschlossen. Auch das Stille-Nacht-Café daneben ist zu – und bleibt es auch. Die Pächterin hat nach dem zweiten Hochwasser genug.

Das findet nicht nur der Bürgermeister schade. „Damit fehlt dem Areal ein gastronomischer Mittelpunkt“, sagt Schröder. Einst befand sich hier das Stadtzentrum; doch nach dem Hochwasser 1899 entschloss man sich, den Ort 800 Meter flussaufwärts neu zu errichten.

Dort spielt sich das Leben der Oberndorfer ab, dort gehen sie zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen. Die knapp 100.000 Gäste, die jährlich auf Besuch kommen, bleiben meist im Stille-Nacht-Bezirk – und sie bleiben meist nicht lange. Es sind Tagestouristen, die einen Stop bei der berühmten Kapelle einlegen, oder Biker, die sich am Tauern-Radweg abstrampeln. „Wir haben leider auch gar kein Hotel für größere Reisegruppen“, sagt Bürgermeister Peter Schröder. Der einzige Gasthof im Ort, das Bauernbräu, vermietet 25 Zimmer, und die sind meist mit Geschäftsreisenden und Arbeitern belegt.

Auch Stefan und Karola Becker sind nur auf der Durchreise. Das deutsche Ehepaar aus Bonn radelt in sechs Tagen 350 Kilometer um zehn heimische Seen – und Oberndorf liegt auf dem Weg. In ihrer Routenbeschreibung steht über den Ort geschrieben Sehenswert: Stille-Nacht-Kapelle. Punkt.

Vielleicht hätte ja der Tourismusverband mehr zu erzählen gewusst; doch dort hatte man keine Zeit und vom Obmann keine Nummer.

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