Chronik | Österreich
22.08.2013

Tragischer Ballonunfall in Tirol

Helfer wurde von Ballon nach Landung in die Höhe gezogen und stürzte 100 Meter in die Tiefe

Mario Slanoutz hatte ein schönes Motiv vor Augen, als er am Donnerstag in Oberndorf bei Kitzbühel einen Heißluftballon im Sinkflug fotografierte. Doch der Kärntner Urlauber und seine Frau wurden kurz darauf zu Zeugen eines Dramas mit tödlichem Ausgang. „Wir wollten uns die Landung anschauen“, erzählt der 46-Jährige. Die ersten vier von fünf Passagieren waren schon ausgestiegen, als der Ballon plötzlich wieder in die Höhe gerissen wird. „Ein Helfer hat versucht, den Korb an einer Seilschlaufe am Boden zu halten. Aber der Ballon ist mit ihm aufgestiegen. Der war gleich drei bis fünf Meter hoch und ist immer weiter gestiegen.“

In etwa 100 Meter Höhe versagen Johann B., einem 66-jährigen Pensionisten aus St. Johann in Tirol, die Kräfte. „Die Pilotin hat sich noch so weit aus dem Korb gehängt, dass ich gedacht habe, sie fällt selber heraus, und hat dem Mann ein Seil zugeworfen“, berichtet Bauer Josef Hofer, vor dessen Hof sich das Unglück ereignete, von verzweifelten Rettungsversuchen. „Aber der Mann hat sich nicht halten können und ist in freiem Fall auf den Asphalt der Straße darunter gestürzt.“ Der 66-Jährige erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen.

Windböe oder Thermik

Tief betroffen zeigt sich Walter Seibl, der Geschäftsführer des Heißluftballonunternehmens: „Wir machen das jetzt seit 20 Jahren und ich habe mir nicht gedacht, dass so etwas passieren kann.“ Dass der Ballon nach der Landung noch einmal aufgestiegen ist, dürfte seiner Ansicht nach mit einer Windböe oder einer plötzlich aufkommenden Thermik zu tun gehabt haben. „Unsere Pilotin hat anscheinend noch gerufen, dass alle loslassen sollen. Aber unser Mann hat es gut gemeint und weiter gehalten“, glaubt Seibl.

Johann B. war kein fester Angestellter, sondern habe nur zum Spaß immer wieder einmal ausgeholfen. Als Verfolger fuhr der Pensionist dann dem Ballon zu seinem Landepunkt nach, um ihn und die Passagiere aufnehmen zu können. Die Pilotin von Seibl war an diesem Tag am Morgen in Elmau mit einem deutschen Ehepaar, ihren zwei erwachsenen Töchtern und deren Großmutter gestartet. Eineinhalb Stunden dauerte die Fahrt mit Blick auf das Kaisergebirge. Die Urlauberfamilie überstand den Zwischenfall unverletzt, musste aber von einem Kriseninterventionsteam betreut werden.

Als der Ballon wieder in die Höhe gestiegen ist, war von den Passagieren nur noch die Großmutter in der Kabine. Der Pilotin gelang es, rund 100 Meter weiter sicher zu landen, sie musste jedoch mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Wir konnten sie noch nicht befragen, da sie sich in stationärer Behandlung befindet“, sagt Martin Reisenzein von der Polizei Kitzbühel. Wie es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte, werde letztlich aber ein Sachverständiger ermitteln müssen.