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© /ÖAMTC

Alpinunfälle
06/28/2014

Nur mit der Polizei ist der Flug ins Tal gratis

Neun von zehn Verletzten sind durch eine Versicherung geschützt.

von Christoph Weiermair

Der Große Pyhrgas zwischen OÖ und der Steiermark ist für trainierte Bergsteiger keine große Herausforderung. Ungeübte sollten den 2244 Meter hohen Gipfel in den Ennstaler Alpen aber nicht unterschätzen. So wie eine Familie aus Linz, die den Berg vor einer Woche mit zwei Kindern (ein und sieben Jahre ) in Angriff nahm. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel verließen die 21-jährige Mutter die Kräfte. Ihr Mann verständigte die Rettung, die Familie wurde mit einem Polizeihubschrauber ins Tal geflogen.

Der Einsatz kostete den Linzern keinen Cent, auch wenn sie ihre Bergtour nicht sonderlich gut geplant haben dürften. "Die Polizei verrechnet die Kosten nicht weiter, das ist bei jedem anderen Einsatz auch so. Außer es wird wirklich aus Jux und Tollerei Hilfe angefordert", erklärt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums (BMI). Etwa 10.000 Hubschrauberflüge absolviert das BMI pro Jahr, gut ein Drittel davon sind so genannte sicherheitspolizeiliche Einsätze, unter die auch die Rettung aus Bergnot fällt. In den meisten Fällen geht es um Gefahrenerforschung, verletzten Bergsteigern hingegen wird fast ausschließlich vom Notarzthubschrauber und der Bergrettung geholfen. Während man mit der Polizei gratis ins Tal fliegt, ist sind diese Leistungen kostenpflichtig.

80 Euro pro Flugminute

"Jeder Verunfallte erhält eine Rechnung. Eine Flugminute kostet 80 Euro, ein Einsatz am Berg summiert sich schnell auf 3000 Euro", schildert Ralph Schüller, Sprecher der ÖAMTC-Flugrettung, die mit ihren 18 Hubschraubern jedes Jahr zu mehr als 16.000 Einsätzen gerufen wird. Wer unversichert verunglückt, muss mit hohen Kosten rechnen. In der Regel kommt aber eine Versicherung für den Einsatz auf. "In 90 Prozent der Fälle gibt es einen Schutz. Entweder durch Mitgliedschaften bei alpinen Vereinen, beim ÖAMTC oder auch durch Kreditkarten. Oft wissen das die Leute gar nicht." Die Sozialversicherung hingegen zahlt nur bei einer Lebensbedrohung und steigt bei Extremsportarten prinzipiell aus.

"Ohne Versicherungsschutz in die Berge zu gehen, ist purer Leichtsinn", meint Willi Tillmann, Sprecher der oö. Bergrettung. Auch die Bergrettung reicht die Kosten für die jährlich etwa 360 Einsätze an den Verunfallten weiter. Auf 200 bis 400 Euro beläuft sich eine Stunde, ist jemand unversichert und knapp bei Kasse, zeigt sich die Bergrettung kulant. "Wir kommen nicht mit dem Inkassobüro", meint Tillmann.

Die Risikobereitschaft am Berg habe in den vergangenen Jahren zugenommen, Klettersteige oder Tourengehen würden immer populärer werden. "Die Leute sind meist sehr gut ausgerüstet, das schützt aber nicht vor Unerfahrenheit und Leichtsinn."

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