Chronik | Österreich
21.02.2018

Niki Lauda fliegt mit Leiharbeitern

Die neuen Dienstverträge sorgen für Kritik der Gewerkschaft. Die Flugbegleiter werden unter anderem nach dem Kollektivvertrag der Handwerker angestellt.

Dass Formel-1-Legende und Airliner Niki Lauda nichts zu verschenken hat, ist bekannt. Dass er den Junior-Flugbegleitern bei seiner neuen Fluglinie Laudamotion aber nur ein Grundgehalt von 959,20 Euro brutto bezahlen möchte, sorgt für Ärger bei den langjährigen NIKI-Mitarbeitern. Denn es handelt sich dabei um das ursprüngliche Einstiegsgehalt der insolventen Billigairline, deren Vermögenswerte an Lauda verkauft wurden.

Niki-Mitarbeiter verunsichert

Lauda bietet den künftigen Mitarbeiter zwei Verträge zur Wahl an – einen direkten Dienstvertrag mit der Airline Laudamotion und einen Leihpersonalvertrag mit der Firma Laudamotion Operations. Letzterer sorgt bei der Gewerkschaft für massiven Unmut. Denn mehrere Mitarbeiter der Vorgängerfluglinie flyniki, die übernommen werden sollen, haben sich deshalb an die Gewerkschaft Vida gewendet.

Völliges Unverständnis

"Wir verstehen nicht, warum Herr Lauda erneut ein Leihpersonal-Konstrukt aufsetzt, mit Laudamotion Operations als hausinternem Arbeitskräfteüberlasser. Mit solchen Modellen werden die Arbeitnehmerrechte ausgehebelt", sagt Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Vida, im Gespräch mit dem KURIER. "Wir empfehlen den Leuten, solche Verträge nicht zu unterschreiben."

Laut den Verträgen, die dem KURIER in Kopie vorliegen, ist der Dienstgeber zwar die Firma Laudamotion Operations, der Beschäftiger ist aber "im Rahmen des Linien- und Bedarfsflugverkehrs" die Airline Laudamotion.

Handwerk und Gewerbe?

Eine umstrittene Leihpersonal-Konstruktion nutzte Lauda auch ursprünglich bei der Niki Luftfahrt GmbH. "Nur wird hier der Kollektivvertrag für Angestellte im Handwerk und Gewerbe angewendet", erklärt Schwarcz. "Auch das ist eine Katastrophe. Dabei handelt es sich um den Kollektivvertrag mit der geringsten geregelten Arbeitszeit."

Tatsächlich heißt es im Dienstvertrag: "Auf das vorliegende Dienstverhältnis ist der Rahmenkollektivvertrag für Angestellte im Handwerk und Gewerbe, in der Dienstleistung, in Information und Consulting anzuwenden. Dieser liegt im Büro der Geschäftsleitung zur Einsichtnahme auf."

Neuer Dienstort?

Dazu kommt, dass die künftigen Lauda-Mitarbeiter mit einer Vorlaufzeit von drei Monaten von Wien an einen anderen Dienstort verlegt werden können. Dafür erhalten sie 2500 Euro brutto Umzugspauschale. "Was macht da aber jemand, der Familie hat", fragt sich Schwarcz. Das war aber auch bei NIKI schon so; NIKI-Mitarbeiter weisen aber darauf hin, dass etwa mit der Condor oder Eurowings eine Zusammenarbeit geplant ist – diese starten vielfach ihre Flüge von Deutschland aus. Mitarbeiter sollen künftig offensichtlich vermehrt pendeln oder umziehen.

Dem KURIER liegen beide angebotenen Verträge vor. Im ersten mit der Direktbeschäftigung bei der Airline gibt es den expliziten Hinweis, dass "kein Kollektivvertrag anzuwenden" ist, beim Leihvertrag aber der besagte Handwerker-KV. NIKI-Mitarbeiter behaupten, dass die Airline-Führung bei internen Sitzungen angeblich darauf drängen soll, bei der Leiharbeiterfirma anzuheuern.

Einige Rechenbeispiele

"Die Einstiegsgehälter sind eine Katastrophe", meint Schwarcz. Bei der AUA liege das Grundgehalt für einen Flugbegleiter bei 1550 Euro brutto. Im aktuellen Lauda-Angebot sind es 959,20, wobei 360 Euro davon als Zulage für Gefahren sowie Sonn- und Feiertagsdienste gedacht sind. Nicht restlos geklärt ist, ob etwa bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes und der Pensionsversicherung diese Zulage mitgerechnet wird oder nicht.

Dazu muss man aber auch wissen, dass das fliegende Personal zusätzlich die sogenannten Blockstunden, sprich die Flugzeit, vergütet bekommt wie schon bei der Niki. Bei 71 Blockstunden macht das 424,58 Euro brutto. Unterm Strich beträgt das hochgerechnet Vollzeit-Gehalt dann insgesamt 1383,78 Euro brutto im Monat.

Mit und ohne Mindestgrundgehalt

Im direkten Vertrag mit der Airline erhalten die Flugbegleiter kein Mindestgrundgehalt, im Leiharbeitsvertrag gibt es ein Mindestgrundgehalt in Höhe von 1480,55 Euro, das Basis für die weiteren Gehaltberechnungen sein soll.

Lauda beruhigt

Niki Lauda versteht die Aufregung nicht. "Wir haben die NIKI-Mitarbeiter mit dem NIKI-Kollektivvertrag übernommen. Diese Gehälter sind 1:1 die NIKI-Gehälter. Und wir haben ihnen angeboten, bei der Laudamotion Operations einen Vertrag zu unterschreiben, weil dann zahlen sie für die Diäten und Zulagen keine Steuern", sagt Lauda zum KURIER. "Das sind 300 bis 400 Euro im Monat. Gleichzeitig haben wir ihnen eine Direktanstellung angeboten, wenn das gewünscht ist." Lauda ist laut eigenen Angaben gerade dabei, sich einen Termin für Kollektivvertragsverhandlungen auszumachen. Die Verträge mit der Laudamotion Operations GmbH seien laut dem Ex-Rennfahrer eine Übergangslösung, bis ein neuer Kollektivvertrag vorliegt.

Die Vida ist zwar die Fachgewerkschaft in Sachen Luftfahrt, aber NIKI gehört aufgrund der Historie zur Gewerkschaft der Privatangestellten GPA. Am Dienstag tagte der NIKI-Betriebsrat um Stefan Tankovits. Laut Insidern dürften die umstrittenen Vertragsangebote von Lauda im Mittelpunkt gestanden sein.