Chronik | Österreich
22.08.2017

Von Polizisten gestoßen: Niemand glaubte Verletzter

Frau soll von Polizisten gestoßen worden sein. Video untermauert den Vorwurf.

Die Staatsanwaltschaft Leoben hatte den Fall bereits zu den Akten gelegt. "Es stand Aussage gegen Aussage", begründet Sprecherin Carolin Weißenbacher.

Auf der einen Seite die Aussagen zweier Polizisten, auf der anderen jene von Monika R.: Die 47-Jährige beteuerte, in Leoben von einem der beiden Beamten grundlos niedergestoßen worden zu sein - außerdem hätte sie beide danach verletzt auf der Straße liegengelassen.

Eine Platzwunde am Kopf diagnostizierte der Notarzt im Spital später und versorgte sie ambulant. Die 47-Jährige zeigte den Vorfall kurz darauf an, doch geglaubt haben ihr die Behörden nicht. Die Dame sei betrunken gewesen, sollen die Beamten vor der Justiz ausgesagt haben. Da sei sie halt gestürzt.

Verfahren eingestellt.

Das war im Mai. Ende Juli nahm die Justiz die Ermittlungen aber wieder auf. Ein Handyvideo, das mehrere Minuten lang ist, untermauert R.s Vorwürfe: Es zeigt, wie die Frau mehrmals auf die Beamten zugeht und sie immer wieder anspricht. Es zeigt, wie sie ein Beamter plötzlich wegstößt. Es zeigt, wie sie fällt und liegenbleibt. Und es zeigt, wie der Beamte und sein Kollege einfach weggehen.

Unterlassene Hilfe

Das Video stammt aus einer privaten Quelle und wurde den Behörden erst jetzt zugesandt. "Auch wenn die Dame vielleicht betrunken gewesen sein sollte die Reaktion der Polizisten rechtfertigt das noch lange nicht", betont Walter Reiter, Gemeinderat in Leoben (Bürgerliste). Er hat das Video vor kurzem publik gemacht. "Ich bin froh, dass die Justiz da wieder ermittelt."

Tatsächlich wurde jetzt aber nicht nur das Verfahren gegen den Beamten, der Monika R. gestoßen haben soll, wieder aufgenommen. Auch gegen seinen Kollegen wird ermittelt, allerdings erstmals: Bei ihm geht es um den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung und Falschaussage, beim anderen Beamten um den Verdacht der Körperverletzung.

Die 47-jährige Steirerin erinnert sich, dass sie die beiden Beamten in der Nacht zum 6. Mai angesprochen hat. Es ging um einen Vorfall in einem Lokal, bei dem die Beamten eingegriffen haben. "Ich habe höherrangige Polizisten angerufen, weil ich geglaubt hab’, einer der beiden ist betrunken", begründet R. "Den beiden hab’ ich gesagt, bleibt’s stehen, bis die anderen kommen. Sonst stehe ich ja als die Dumme da." Weil die Polizisten aber nicht reagiert hätten, sei sie ihnen bis zu deren Dienstauto gefolgt. "Dann hat der eine zu mir gesagt, ich soll mich schleichen und dann war ich am Boden", erinnert sich R. "Das war wie ein Blitz, ich war ein paar Sekunden lang weg."

Doch suspendiert

Ein Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark bestätigt den mutmaßlichen Übergriff und betont: Sollte es zu so einem Verhalten gekommen sein, stimme dies "mit keiner Vorschrift" überein. Suspendiert seien die Verdächtigen aber vorerst nicht. Man warte die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ab, hieß es Dienstagnachmittag. Dienstagabend änderte die Behörde dann ihre Ansicht: Beide Betroffene "wurden mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Dienst suspendiert", wurde in einer Presseaussendung mitgeteilt.

Monika R. hat unterdessen aber bereits eine nicht rechtskräftige Geldstrafe bekommen: Sie soll 250 Euro zahlen - weil sie fälschlich behauptet habe, ein Beamter sei alkoholisiert gewesen.