Stuntman Joe Tödtling bei seinem Weltrekord-Versuch "Longest-Duration-Full-Body-Burn".

© APA/BARBARA GINDL

Salzburg
11/23/2013

Neuer Weltrekord: Steirer stand 5:41 Minuten in Flammen

Joe Tödtling hat Stunt dank Spezialanzugs heil überstanden.

von Raffaela Lindorfer

Auf der Kinoleinwand ist Stuntman Joe Tödtling schon tausend Tode gestorben, am Samstag wurde es für den 34-Jährigen im echten Leben brenzlig. 5.41.40 Minuten lang brannte er am ganzen Leib – und schaffte damit einen neuen Weltrekord.

Angezündet hat ihn übrigens seine Ehefrau. „Ihr vertraue ich, sie hat mich schon oft entflammt“, scherzte er vor seinem Auftritt. Vermummt mit einem dicken Spezialanzug, Sturmhaube und Handschuhen spazierte Tödtling vor großem Publikum bei der Salzburger Hauptfeuerwache in Maxglan um 17 Uhr in der Dunkelheit als lebende Fackel auf und ab. Von Feuerwehrmännern flankiert, kontinuierlich mit Brandbeschleuniger besprüht und immer in Bewegung – „das ist wichtig“, erklärte er im Vorfeld, „weil mir sonst die Flammen ins Gesicht schlagen.“

Sechs Minuten Ruhm

Für diese knapp sechs Minuten Ruhm war der zweifache Vater bereit, ein großes Risiko einzugehen. Tödtling führte den Ganzkörperbrand wie schon sein Vorgänger, der Amerikaner Jayson Dumenigo – er schaffte 5.25 Minuten – ohne Sauerstoffgerät durch. Abgesehen von der enormen Belastung für den Kreislauf und die Atmung, hätten seine Lungen bei der Hitze verbrennen können, erklärte er. Seine Augen hätten austrocknen können, die Netzhaut sich ablösen – der 34-Jährige hätte erblinden können.

Mit einem Arzt habe er vorher aber nicht gesprochen – „ich muss eh nicht alles wissen“, sagte er lapidar. Warum tut man so etwas? „Ich habe mir das in den Kopf gesetzt und wollte einfach wissen, ob ich den Rekord brechen kann“, erklärt er. Finanziell habe es sich jedenfalls nicht ausgezahlt – keine Sponsoren, kein Preisgeld, bezahlt habe er alles selbst. Der Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde kostet ebenfalls.

Extra trainieren musste der sportliche Obersteirer nicht, der größte Aufwand sei die Ausrüstung gewesen, erklärt er. So wurde der feuerfeste Anzug speziell für seinen Auftritt entwickelt. Drei Lagen Nomax (Spezialfabrikat, das u.a. auch Formel-1-Fahrer tragen, Anm.), getränkt mit Hitzeschutzgel, sollten den Flammen über längere Zeit standzuhalten.

Prototypen abgefackelt

„Wir haben einige Prototypen abgefackelt, bis das Ergebnis endlich zufriedenstellend war“, erzählt er. Ein paar Mal habe er sich dabei den Arm verbrannt. Das Gel, um seine Haut vor der Hitze zu schützen, hat er selbst kreiiert. Der Haken dabei: „Als Stuntman brenne ich ja nicht zum ersten Mal. Nur, so lange habe ich es in den Filmen noch nie müssen.“ Im April wurde Tödtling mit dem „Hall of Honours Award“ als bester Stuntman ausgezeichnet, ab Dezember ist er als Soldat in einem Kriegsfilm mit George Clooney zu sehen.

Steirer als bester Stuntman ausgezeichnet

Wenn es großen Schauspielern zu riskant wird, kommt er ins Spiel: Der Steirer Joe Tödtling lässt sich verprügeln, anzünden, von der Klippe stoßen, surft auf Motorhauben - natürlich alles nur für eine gute Show. Im April wurde der 33-jährige Stuntman aus Anger bei Weiz für sein Können ausgezeichnet.

Tödtling wurde bei den "Hall of Honours Awards" in München als bester Stuntman geehrt. Die begehrte Trophäe durften vor ihm schon Branchengrößen wie Jackie Chan und Wesley Snipes in die Höhe stemmen, berichtet der ORF.

Nominiert war Tödtling für eine Szene in einem dänischen Film: "Vom Auto gegen die Betonsäule geschleudert zu werden, war natürlich auch sehr heavy. Das war dann 13 Stunden beinharter Dreh, bis es fertig im Kasten war“, wird der Stuntman in dem Bericht zitiert. Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, "weil es für einen Österreicher in dem Geschäft recht schwierig ist und bei Stunts natürlich noch schwieriger“.

Tödtlings nächste Projekte sind ein Film mit Hollywoodstar George Clooney und ein besonderer Weltrekordversuch: Der Steirer will länger als fünf Minuten und 45 Sekunden in Flammen stehen.

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