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Chronik Österreich
08/23/2019

Neuer Taxidienst: Frauen lenken nur für Frauen

Eine neue App vermittelt außschließlich weibliche Taxilenkerinnen. Die Idee soll für mehr Sicherheit sorgen.

von Birgit Seiser

Seit knapp einem Jahr sitzt ein 38-jähriger Wiener Taxifahrer in Haft, weil er eine damals 18-Jährige auf einer Fahrt sexuell missbraucht hat. Von Fällen wie diesem wird immer wieder medial berichtet. Genauso oft hört man von aggressiven Fahrgästen, die ihre Rechnung nicht bezahlen wollen und die Taxler sogar attackieren.

Beides ist ein Grund dafür, warum viele Frauen nicht in ein Taxi einsteigen wollen – weder als Passagierin im Fond, noch als Lenkerin auf dem Fahrersitz.

Eden Biniaurishvili will das ändern. Der Jungunternehmer brachte am Mittwoch die App WOTA (Woman Taxi, Anm.) auf den Markt, die sich speziell an weibliche Kunden in Wien richtet: „Bei uns fahren Frauen für Frauen. Ich hatte die Idee, weil ich meine jüngere Schwester oft nachts von Freunden abholen musste. Sie wollte nicht alleine mit einem Mann mit dem Taxi fahren.“

Konkurrenzfähig

Wichtig ist für Biniaurishvili, dass die Kundinnen keine Nachteile haben. Preis und Wartezeit sollen Anbietern wie Uber Konkurrenz machen. „Das Schwierigste ist, Fahrerinnen zu finden. Wir haben sehr viel Geld in die Werbung gesteckt“, sagt der Unternehmer.

Die Anforderungen sind durchaus erfüllbar: Die Frauen dürfen nicht mehr in der Führerschein-Probezeit sein und brauchen ein einwandfreies Leumundszeugnis. Die Autos werden ihnen zur Verfügung gestellt.

Übrigens: Männer dürfen nur in Begleitung einer Frau in ein WOTA-Taxi einsteigen.

Anrufen
Braucht man ein Taxi, ist es sinnvoll, es nicht einfach an der Straße anzuhalten, sondern bei einer Funkzentrale zu bestellen. So kann später nachvollzogen werden, welcher Taxler die Fahrt angenommen hat.

Ausweis fotografieren
Taxifahrer müssen ihren Lenkerausweis per Gesetz deutlich sichtbar am Armaturenbrett des Kraftfahrzeuges anbringen. Ein schnelles Foto mit dem Handy kann bei späteren Problemen helfen, den Fahrer zu finden. Auch ein Foto der Autonummer hilft.

„Erwartet“ werden
Sollte man sich während der Fahrt durch den Fahrer bedroht oder auch nur unsicher fühlen, hilft es so zu tun, als würde man an der Ankunftsadresse von jemandem erwartet werden. Ein „falsches“ Telefonat mit dem Handy kann dabei helfen.

Als Zielgruppe sieht der Gründer auch Musliminnen oder Jüdinnen. „Teilweise dürfen diese Frauen aus religiösen Gründen nicht mit einem Mann alleine im Taxi fahren, oder es ist in ihrer Kultur einfach nicht angebracht. Diesen Frauen wollen wir helfen“, sagt Unternehmer Biniaurishvili.

Konzepte wie dieses gibt es schon länger. In Linz fährt etwa seit 2015 die Tochterfirma des Wiener Taxiunternehmen 40100 mit dem „Ladytaxi“. Laut einer Sprecherin des Unternehmens ist die Nachfrage aber eher mau. Insgesamt wären 15 Prozent der Taxifahrer in der oberösterreichischen Landeshauptstadt weiblich. In Wien sind es laut Schätzung der Wirtschaftskammer Wien (WKW) weniger als zehn Prozent.

Derzeit nur drei Frauen im Nachtdienst

Extra eine Fahrerin zu rufen, kann laut 40100 schwierig sein. Vor allem nachts sind laut Schätzungen nur durchschnittlich drei Fahrerinnen in Wien unterwegs – da kann es dauern, bis die Taxlerin am Wunschort ankommt. WOTA will mit mindestens vierzig Frauen hinterm Steuer auch in der Nacht fahren.

Anklang findet die neue Idee beim Chef der Taxiinnung der WKW Wien, Gökhan Keskin. „Wir begrüßen jede Idee, bei der sich unsere Kunden wohlfühlen. Ich möchte aber auch betonen, dass alle unsere Fahrer in Wien überprüft werden und man deshalb keine Angst haben braucht, auch wenn ein Mann am Steuer sitzt.“

Prinzipiell sei es vor allem wichtig, dass die Anbieter alles im gesetzlichen Rahmen machen, betont Keskin angesichts des aktuellen Rechtsstreits zwischen Uber und Taxiunternehmen.

Etwas skeptisch sieht die neue Taxi-App Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt: „Ich möchte sie nicht direkt negativ beurteilen, aber so etwas kann auf lange Sicht gesehen nicht die Strategie sein, um Frauen Sicherheit in der Stadt zu garantieren.“ Die Behörden müssten sicherstellen, dass alle öffentlichen Verkehrsmittel und auch die Taxis sicher sind. „Ich kann aber verstehen, dass Frauen, die bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, nun lieber mit einer Frau im Taxi unterwegs sind.“

Die App WOTA steht für Woman Taxi und ist ein Fahrdienstanbieter, bei dem ausschließlich weibliche Fahrerinnen für weibliche Fahrgäste unterwegs sind. Männer dürfen nur mitfahren, wenn sie in Begleitung einer Frau sind. So soll die Sicherheit der Lenkerinnen gewährleistet werden.

Die App ist seit Mittwoch in den verschiedenen App-Stores über das Smartphone kostenlos erhältlich. Starten wird WOTA am 28. August in Wien. Später sollen auch noch andere Städte dazukommen.  Anders als bei vielen anderen Fahrdienstanbietern muss keine Kreditkartennummer angegeben werden. Man kann die Fahrt direkt im Taxi bezahlen - in Bar, mit Bankomat oder Kreditkarte.

Die App sucht nach wie vor Fahrerinnen. WOTA vermittelt die Frauen zu verschiedenen Mietwagenanbietern, die ihnen dann ein Auto zur Verfügung stellen. Interessierte Frauen können sich bei der E-Mail Adresse jobs@wotaapp.com informieren.