Die asiatische Tigermücke kommt aus Kroatien und gilt als besonders aggressiv

© /CDC

Eingeschleppt
06/09/2015

Neue Quälgeister im Vormarsch

Krankheitsübertragende Busch- und Tigergelsen haben Südösterreich erreicht.

von Michael Berger

Die lästigen Hochwasser- und Hausgelsen bekommen jetzt gefährliche Verstärkung. Experten warnen vor der exotischen japanischen Busch- sowie der asiatischen Tigermücke. Vor allem die japanische Buschmücke hat sich in Österreich über die vergangenen drei Jahre etabliert.

"Der Nachteil dieser neuen Art ist, dass sie auch am Tag sticht. Die bei uns heimischen Plagegeister sind dagegen in der Dämmerung aktiv", erklärt Humanmediziner Franz Allerberger von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages).

Die neuen Gelsenarten könnten auch zum Gesundheitsproblem werden. Denn sie übertragen auch das West-Nil-Virus. "Wir konnten bei Menschen in Wien und Umgebung bis dato vier Fälle feststellen", sagt Prof. Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Uni Wien. Nachsatz: "Bei älteren und/oder geschwächten Personen kann dieser Virus über eine Gehirnhautentzündung auch zum Tod führen." In der Regel treten aber nur harmlose grippeähnliche Symptome auf, die spätestens nach einer Woche überwunden sein sollten.

Der Überträger wurde 2012 über Slowenien in die Südsteiermark – wahrscheinlich im Lkw – eingeschleppt. Der Weg der japanischen Buschmücke führte weiter in das östliche Kärnten bis nach Graz.

"Sich mit West-Nil-Fieber in Wien anzustecken ist theoretisch möglich, die Chancen sind aktuell aber gering. In spätestens drei Jahren wird aber die Buschmücke auch Wien erreicht haben."

Die noch aggressivere asiatische Tigermücke gelangte von Kroatien in das südliche Burgenland und das Inntal (siehe Grafik). "Diese Art konnte sich in Österreich bis dato noch nicht so etablieren. Die exotische Buschmücke jedoch ist bei uns auch angekommen", bestätigen beide Experten.

Flächendeckend

Die neuen aggressiven Gelsen-Populationen werden noch für flächendeckenden Ärger sorgen. Prof. Nowotny erklärt: "Denken sie an Kindergärten, Schulausflüge, Wanderungen, Sportveranstaltungen und jegliches Vergnügen in der freien Natur. Die lästigen Quälgeister stechen am helllichten Tag."

Humanmediziner Allerberger sieht das Gelsen-Problem, abseits der neuen Arten, zu einem Teil als hausgemacht: "Regentonnen, mit Wasser gefüllte Hundeschüsserl, Blumentopf-Untertassen, also Behältnisse mit Wasser sind ideale Brutstätten für Mücken. Werden diese Vermehrungs-Plätze nicht geboten, wachsen auch die Populationen nicht so stark."

Ob 2015 ein starkes Gelsenjahr wird, können die Experten noch nicht seriös prognostizieren. Allerdings bringen die Regenfälle Ende Mai und das heiße Sommerwetter in den ersten beide Juniwochen ideale Rahmenbedingungen mit sich.

Bleibt die Frage, welchen Stellenwert Mücken in der Evolution haben? Allerberger lächelt: "In der Nahrungskette sind sie nicht wichtig. Und besondere Aufgaben erfüllen sie auch keine. Wir wissen es ganz einfach nicht."

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