© Birgit Seiser

Chronik Österreich
10/09/2019

Neue Blockaden angekündigt: Klima-Protestbewegung legt Straßen lahm

Durch Besetzen dem System widersetzen – das ist das Ziel einer neuen Klima-Protestbewegung.

von Birgit Seiser

Extinction Rebellion – zu Deutsch, Rebellion gegen das Aussterben – ist Motto und Name der neuen Klimabewegung. Seit Montag läuft eine Aktionswoche in mehreren Großstädten weltweit.

In Wien startete man mit einer Besetzung der Babenbergerstraße. Es wurde zu „zivilem Ungehorsam“ aufgerufen, was im Klartext heißt, dass man die Demonstration nicht mehr behördlich anmeldet, sondern die Polizei erst Minuten vor der Aktion informiert.

Die Extinction Rebellion will mit lautem und friedlichem Protest punkten, ihre Anhänger nehmen Anzeigen und hohe Geldstrafen in Kauf. „Leider haben wir gesehen, dass angemeldete Demonstrationen nicht viel bringen und die Politik diese Art von Protest übersieht. Daher haben wir uns für einen anderen Weg entschieden“, sagt ein Sprecher der Organisation.

Was genau die Aktivisten damit meinen, zeigten sie bei der Protestaktion am Montag. Kurzerhand wurde über Facebook aufgerufen, die Kreuzung Babenberger Straße-Getreidemarkt zu blockieren. An die 200 Menschen folgten. Die Polizei wies mehrmals daraufhin, dass sie die Versammlung auflösen wird. Ein harter Kern von zirka 40 Leuten blieb unter Applaus der Mitstreiter sitzen. Teilweise hatten sich die Aktivisten mit Superkleber an eine riesige Weltkarte aus Aluminium und an die Straße geklebt.

Jeder muss selbst zahlen

Die Polizei rückte mit immer mehr Beamten an und trug die Demonstranten nach und nach zur Überprüfung ihrer Personalien in die Einsatzfahrzeuge. Den Aktivisten drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 720 Euro. „Wir haben keine zentrale Kasse, jeder muss die Kosten selbst tragen“, heißt es aus dem Team der Aktivisten.

Auffällig ist, dass man sich nicht in ein politisches Lager drängen lassen will. Bei der Rebellion fürs Klima seien alle willkommen, egal wie die politische Einstellung ausschaut. Anders als bei deklariert linksradikalen Gruppen, wie etwa den Antifa-Aktivisten, vermummt man sich nicht und leistet auch keinen Widerstand bei der Überprüfung der Personalien – was Linksextremen gegen den Strich gehen soll. Überhaupt erinnert der Protest eher an die Hippie-Bewegung als an teils gewalttätige Demonstrationen gegen bestimmte politische Gruppierungen. „Bei uns ist das zentrale Element, dass wir gewaltfrei bleiben“, sagt der Sprecher.

So soll es auch am Mittwoch sein, wenn laut KURIER-Informationen die nächste Aktion in Wien stattfinden wird. Wo und wann man den Verkehr lahmlegen will, bleibt vorerst geheim. Superkleber wird es aber vermutlich wieder geben.