Chronik | Österreich
20.09.2017

Nachwuchstrainer sollen Strafregister vorweisen

Im Volleyballverband wird ein Auszug verlangt. Kinderanwältin fordert Maßnahme in allen Vereinen.

Es ist ein Fall, der durch die Medien ging: Ein 60-jähriger Volleyballtrainer soll 57 Mädchen missbraucht haben. Publik wurde das im vergangenen Juni. Seither ist viel geschehen. So müssen nun alle Volleyball-Nachwuchsbetreuer einen Strafregister-Auszug vorweisen. Ein Modell, das Schule machen soll – wenn es nach Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits geht. "Das sollte in allen Vereinen und Organisationen, wo mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, verpflichtend sein", fordert sie.

Einer deutschen Studie mit Kaderathleten zufolge wird jede(r) dritte Athlet(in) mit sexualisierter Gewalt konfrontiert war, jeder neunte Befragte hat schwerwiegende Gewalterfahrungen gemacht.

Zahlen, die auch auf Österreich umlegbar sind, meint Rosa Diketmüller, Leiterin des Präventions-Projekts "Voice". "Wir wollen Betroffenen Mut machen, sich zu äußern", sagt sie. Trainer und Betreuer sollen sensibilisiert, Vertrauenspersonen in jedem Verein etabliert werden.

Schwieriges Thema

Einen Ansprechpartner zu finden, ist nicht immer leicht. Pinterits selbst erinnert sich an einen Fall: Als sich ein junges Mädchen endlich der Mutter anvertraute, hörte die vom Verbandsleiter: "Das Kind pubertiert, für den Trainer lege ich die Hand ins Feuer." Bei Ermittlungen stellte sich heraus, dass fünf Kinder von dem Mann missbraucht worden waren. Er wurde zu 18 Monaten Haft (sechs davon unbedingt) verurteilt.

"Der Sport ist keine Insel der Seligen. Auch hier passieren Missbrauchsfälle", sagt Rudolf Hundstorfer, Präsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation. Man dürfte derartige Vorfälle nicht vertuschen, sondern aufarbeiten und daraus lernen. "Wir brauchen ein offenes Klima in den Vereinen."

Schon jetzt arbeiten Psychologen mit einigen Verbänden zusammen, um die Trainer entsprechend zu schulen, berichtet Christa Prets, Vorsitzende vom Kompetenzzentrum "100% Sport". "Hier geht es nicht um Anschuldigungen, sondern um Prävention", macht sie deutlich.

Der Volleyballverband geht einen Schritt weiter. Man arbeitet künftig mit der Opferschutz-Organisation Möwe zusammen. "Um eine Beratungsstelle zu haben, wenn wir sie brauchen. Wir hoffen, dass so etwas nicht mehr passiert. Aber der Sport ist ein Abbild der Gesellschaft", meint Sportdirektor Gottfried Rath.