Chronik | Österreich
16.12.2018

Nachgefragt: Schulen als Labore der Zukunft

Bildungsexperte Michael Schratz von der Uni Innsbruck über die Schulautonomie.

Der Bildungsexperte von der Uni Innsbruck beschäftigt sich mit Lehrerbildung. Schulautonomie sei essenziell, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

KURIER: Wie sinnvoll ist die Schulautonomie?

Michael Schratz: Sie ist ganz zentral. Es gibt keine Möglichkeit, zentrale Vorgaben zu finden, die für alle Schulen vom Bregenzer Wald bis Wien passen. Wir wissen aus der Forschung, dass die Schule ihrem Umfeld, ihrem Kontext gerecht werden muss.

Und dieser Kontext wird von regionalen Gegebenheiten geprägt. Schulen brauchen möglichst viel Spielraum vor Ort, um diesen möglichst gut begegnen zu können.

Welche Arten von Autonomie gibt es?

Es gibt zum einen die pädagogische Autonomie. Welche Spielräume habe ich, um neue Fächer einzuführen? Dann gibt es die personelle Autonomie. Bei uns wird behördlich gesteuert, welche Lehrer an welche Schule kommen. In anderen Ländern suchen Schulleiter ihre Lehrer selbst aus.

Je weniger Autonomie, desto eher kann es passieren, Lehrer zu bekommen, die nicht zum Schulkonzept passen. Und es gibt die budgetäre Autonomie: Wie viele Geldmittel haben Schulen, um handlungsfähig zu sein?

Wie ist die Lage in Österreich?

Wir haben nicht die höchste Autonomie im pädagogischen Bereich, aber hinreichend, um schulinterne Lehrpläne zu gestalten. Da sind wir recht gut ausgestattet.

Es zeigt sich öfters, dass Schulen die vorhandenen Möglichkeiten gar nicht nutzen. Bei den anderen beiden Autonomiebereichen haben wir sehr wenig Spielraum.

Zuletzt gab es im Zuge der Bildungsreform 2017 ein Autonomiepaket. Reicht dies aus?

Die Forderung nach Autonomie ist nicht neu. Aber: Autonomie heißt auch mehr Verantwortung. Wir haben historisch bedingt sehr stark den Hang zum Verwalten statt zum Gestalten.

Bei den Schulleitern muss noch das Bewusstsein steigen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Es genügt nicht, nur die Strukturen zu schaffen.

Man muss erst Erfahrungen sammeln und die Menschen befähigen, sie auch wahrzunehmen. Je mehr Schulen diesbezüglich Labore der Zukunft werden, desto höher ist die Chance, dass sich die nächste Generation den künftigen Herausforderungen stellen kann.

Droht mit mehr Autonomie nicht Konkurrenz unter den Schulen?

Das ist eine Herausforderung, der sich die vorgesehenen Schulverbünde stellen sollten. Je mehr Schulen ihre Angebote diversifizieren, desto weniger kommt es zur Konkurrenz. Das geht nur durch gemeinsames Absprechen.