Chronik | Österreich
22.09.2017

Nach langem Warten: Tiroler bekommen einen Steirer als neuen Bischof

Die Wahl des Vatikans soll auf Hermann Glettler gefallen sein. Er war zuletzt Bischofsvikar in Graz.

Seit dem Wechsel von Manfred Scheuer nach Linz im Jänner 2016 wartet die Diözese Innsbruck auf einen neuen Bischof. Nun soll das lange Warten ein Ende haben. Die Tiroler Tageszeitung will unter Berufung auf "Kreise in Rom" den designierten Nachfolger Scheuers in Erfahrung gebracht haben. Demnach soll der bisherige Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau, Hermann Glettler, nach Innsbruck wechseln. Die Diözese wollte den Bericht am Freitag nicht bestätigen. Man habe dazu keine Informationen aus Rom erhalten, hieß es in einer Stellungnahme.

Formell wird nämlich zunächst die Bundesregierung, deren Zustimmung erforderlich ist, vom Vatikan über die Personalentscheidung informiert. Obwohl vor der Nationalratswahl am 15. Oktober womöglich kein Ministerrat mehr stattfinden wird, kann die Regierung durch einen sogenannten Rundlaufbeschluss die Nachfolge von Manfred Scheuer absegnen.

Vielseitiger Oberhirte

Sollte Hermann Glettler tatsächlich Bischof in Innsbruck werden, bekommen die Tiroler Katholiken einen sehr vielseitigen steirischen Oberhirten: Der 52-Jährige förderte nicht nur zeitgenössische Kunst in seiner (barocken) Pfarre, sondern ist auch selbst Künstler.

Im Vorjahr erhielt er den höchsten Kulturpreis des Landes Steiermark für ein Projekt in seiner Pfarre: Damit habe er "beispielgebend verstanden, Menschen aus seiner multikulturellen Pfarre und weit darüber hinaus mit zeitgenössischer bildender Kunst zu konfrontieren", begründete die Jury damals.

"Multikulti" ist auch das zweite Stichwort, mit dem der gebürtige Oststeirer gerne umschrieben wird. Glettler ist in der Integration höchst bemüht. Bedingt wohl auch durch seine 14 Jahre als Pfarrer von St. Andrä, einer Kirche mitten in Graz-Gries, dem Bezirk mit dem höchsten Migrantenanteil der Stadt.

St. Andrä wurde unter seiner Leitung ein offenes Haus, Glettler selbst nannte es einmal "Experimentierfeld". Er brachte Flüchtlinge und Grazer zusammen. Bei Abschiebungen von Asylwerbern mahnte er zu "mehr Augenmaß", so setzte er sich zuletzt auch für eine gut integrierte irakische Familie in Kumberg, Graz-Umgebung, ein.

Bereits vor zwei Jahren schien es, dass Glettler zum Bischof avancieren würde. Er galt als Favorit in der Diözese Graz-Seckau, letztlich wählte Rom aber Wilhelm Krautwaschl als steirischen Bischof. Der wiederum machte Glettler zum Bischofsvikar.