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Chronik Österreich
02/26/2019

Nach Kuh-Urteil: „Müssen über Hundeverbote nachdenken“

Wegen rechtlicher Unsicherheiten für Bauern könnte heuer jede dritte Alm für Wanderer gesperrt werden.

von Christian Willim

Thomas Seebacher bewirtschaftet 300 Hektar Weideflächen, durch die mehrere Wanderwege führen. Auf denen könnte es im heurigen Sommer sehr ruhig werden. „Ab sofort gilt auf meinen Almflächen im Nockgebiet für Jedermann/Frau und Hund ein absolutes Betretungsverbot!“, erklärte der Kärntner auf Facebook.

 

„Es kann nicht sein, dass wir unsere Flächen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und dann vielleicht solche Strafen zahlen müssen“, sagt er zum KURIER. Seebacher ist einer jener Landwirte in mehreren Bundesländern, die bereits auf den Tiroler Kuh-Entscheid reagieren und ihre Almen sperren. Wie berichtet, wurde ein Tiroler Bauer (noch nicht rechtskräftig) nach einer tödlichen Attacke einer Mutterkuh-Herde auf eine deutsche Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war, zu einer Strafe von 490.000 Euro verurteilt.

Krisentreffen

„Wenn es zu keiner Lösung kommt, könnte im heurigen Sommer jede dritte Alm in Österreich von solchen Sperren betroffen sein“, befürchtet Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Gemeinsam mit mehreren Kammer-Präsidenten aus den Bundesländern und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger wurde am Montag in Wien beim VP-Bauernbund-Präsidium über das heiße Eisen diskutiert.

Geht es nach Vorarlbergs LK-Präsident Josef Moosbrugger „muss die öffentliche Hand bereit sein, Landwirte von der Haftung zu entlasten“. Die Nutzung des Naturraumes werde heute als selbstverständlich betrachtet „Gleichzeitig nimmt die Eigenverantwortung ab und die Haftungsfragen für Grundeigentümer werden mehr.“ Wie die meisten seiner Kollegen, hält Moosbrugger nichts davon, Wanderer generell von Almen auszusperren. „In sensiblen Gebieten muss man aber über Hundeverbote nachdenken“, fordert der Vorarlberger, der auf eine gesetzliche Regelung drängt, die solche Verbote etwa während des Weidebetriebs ermöglicht.

Es sind vor allem die Begegnungen zwischen Hunden und Mutterkühen, die zu Kuhattacken geführt haben. „Wenn sich gar keine andere Lösung findet, müssen wir die Hunde aussperren“, sagt auch Salzburgs LK-Präsident Rupert Quehenberger. Die Begeisterung hält sich ob der touristischen Bedeutung der Almen – auch für die Bauern – jedoch in Grenzen.

Runder Tisch in Tirol

In Tirol wird am Mittwochvormittag ein von der Landwirtschaftskammer angekündigter Runde Tisch stattfinden, bei dem alle relevanten Interessengruppen dabei sind. Eingeladen sind unter anderem Vertreter der Landesregierung, des Tourismus, des Alpenvereins und der Tirol Werbung.

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