Chronik | Österreich
15.03.2017

Nach Kletteraktion im Stadion: Urban Monkeys müssen zahlen

31-Jähriger war während eines Fußballspiels auf einen Lichtmast gestiegen – er wurde geklagt.

Es war nur eine von vielen Aktionen, mit denen die "Urban Monkeys" für Aufsehen sorgten: Die jungen Männer kletterten im April des Vorjahres auf den Lichtmast der Grazer Merkur Arena – zu diesem Zeitpunkt fand dort vor rund 9000 Besuchern gerade das Fußballspiel Sturm gegen den WAC statt.

Besitzstörung

Viele Monate später hatte der Kletterausflug nun ein gerichtliches Nachspiel. Zwei der "Roofer", also der Kletterer, mussten sich wegen Besitzstörung verantworten – und wurden zu einer Geldstrafe verurteilt. Erstmalig.

Ein "unsportliches Verhalten", wie Urban Monkey Tom, 31, findet. "Ursprünglich wollte man mich auch wegen der Gefährdung von Menschenleben anklagen. Zumindest dieser Unfug ist eingestellt worden." Bei der Besitzstörung allerdings blieben die Betreiber der Merkur Arena hartnäckig. "Wir haben eine Unterlassungserklärung vorgeschlagen, in der wir versprechen, das nicht mehr zu machen."

Das schildert eine Sprecherin der Messe Graz anders: "Wir haben eine außergerichtliche Lösung angeboten, aber die ist nicht zustande gekommen – das Angebot wurde nicht einmal beantwortet." Deshalb habe man vor Gericht gehen müssen. "Als Betriebsstättenbetreiber sind wir für die Sicherheit verantwortlich. Was wäre gewesen, wenn der Täter auf die Tribüne gefallen wäre?" Für Roofer Tom ist die Angelenheit dennoch erledigt: "Jetzt haben wir eben ein paar Hunderter zahlen müssen", schildert der Niederösterreicher.

Es sei einfach gewesen, auf den Lichtmast zu kommen. "Deppeneinfach", macht der Kletterer klar. "Es war nichts abgesichert. Mein Freund hat die Securities abgelenkt, ich konnte hinaufsteigen." Beim Abstieg nahm ihn allerdings die Polizei in Empfang.

Anzeigen haben sich die jungen Männer schon öfters eingehandelt. Einmal verbrachten sie sogar eine Nacht hinter Gittern. Als sie auf das Wiener Rathaus geklettert waren, hielt man sie für Einbrecher.

Und auch der Ausflug auf den Kamin des ehemaligen AKWs in Zwentendorf, brachte eine Anzeige mit sich. Damals einigte man sich aber außergerichtlich bei einer Tasse Kaffee. "Das sind nette, leicht verrückte Burschen mit einem großen Gottvertrauen – wenn man sich die Aktionen anschaut", sagt EVN-Sprecher Stefan Zach. "Wir hätten nichts davon gehabt, wenn wir sie verklagt hätten."

Über eine 40 Jahre alte Aluleiter waren sie auf den Kamin des Kraftwerks geklettert. "Saugefährlich", sagt Zach dazu. Trotzdem: "Die Aktionen sind spannend. Sie hätten auch einfach bei uns anfragen können." Mit Sachschäden, die an diesem Wochenende verursacht wurden, hätten sie trotz anfänglichem Verdacht nicht zu tun gehabt. Konkret ging es um eine runierte Tür, ein Graffity und eine defekte Flugsicherungsleuchte.