© Patrick Wammerl

Chronik | Österreich
05/22/2019

Nach Kickls Abgang: Ungewissheit für die berittene Polizei

Die beiden Pferde, die Orban dem einstigen FPÖ-Innenminister schenkte, sind krank und müssen vielleicht augetauscht werden.

Sie ist das Steckenpferd des entlassenen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ): die berittene Polizei. In Wiener Neustadt trainieren derzeit 19 Reiter und zwölf Pferde für ihren ersten Einsatz in der Bundeshauptstadt Wien. Ob die Pferdestaffel nun aber wie geplant überhaupt ihren Dienst antritt, ist seit Kickls Abgang  fraglich. In der Einheit wartet man gespannt auf die Entscheidung, die die Übergangsregierung mit Neo-Innenminister Eckart Ratz treffen wird.

Kosten und Tierschutz

Vor allem wegen der Kosten und aus Gründen des Tierschutzes war das Projekt "Berittene Polizei" von Anfang an umstritten. Nach anfänglichen Turbulenzen mit einem Bundesheer-Offizier als Ausbildungsleiter zogen die Verantwortlichen die Reißleine und unterstellten die Einheit der Direktion für Spezialeinheiten. Unter der Führung der „Cobra“ und deren staatlich geprüften Pferdewirten wurde die berittene Polizei dann professioneller aufgezogen.

Da mit Kickl nun der größte Befürworter der Pferde-Polizei das Innenministerium verlassen hat, blickt die Truppe in eine ungewisse Zukunft. In der Ausbildungsstätte in der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt erwartet man die Entscheidung der Übergangsregierung gespannt.

Auch, weil die Einheit in den kommenden Wochen in eine entscheidendende Phase kommt: „Ab Juni stehen die Prüfungen der reitenden Beamten sowie der Einsatzpferde auf dem Programm. Bevor wir in den Einsatz gehen, bedarf es einer Zertifizierung durch externe Experten“, sagt Cobra-Sprecher Gerald Haider.

Die Beamten hoffen, dass das Projekt wie geplant weiter geht. „Bisher haben wir keine anders lautende Entscheidung. Daher machen wir mit unserer Vorbereitungsarbeit und dem Training wie gewohnt weiter“, sagt Haider.

Zumindest, wenn die Pferde mitspielen. Denn nicht alle erfreuen sich bester Gesundheit.

Orbans Pferde noch immer krank

Die beiden Rappen „Zalan“ und „Zadar“, die der ungarische Premier Viktor Orban Kickl als Gastgeschenk übergeben hat, haben gesundheitliche Probleme und werden aktuell noch veterinärmedizinisch betreut. Sogar ein Austausch der beiden Pferde auf zwei gesunde Exemplare steht im Raum. Die beiden pechschwarzen ungarischen Wallache werden von Betreuern des ungarischen Staatsgestüts Mezöhegyes versorgt.

Wie eine parlamentarische Anfragenbeantwortung von Kickl an die SPÖ-Abgeordnete Agela Lueger zeigt, gab es von Juni 2018 bis Ende März 2019 insgesamt 16 veterinärmedizinische Vorfälle bei den zwölf Pferden, die eine Unterbrechung des Trainings nach sich zogen.

Die Ursachen für die Ausfälle der Pferde waren unterschiedlicher Natur: Lahmheit, Rückenprobleme, ein schlechter Allgemeinzustand aufgrund einer temporären deutlichen Gewichtsabnahme, Hautirritationen, lockere Kniebänder, ein Hufabszess, ein verletztes Saumband, eine Sehnenentzündung und Blutung aus der Nase.

 

Für die tierärztliche Behandlung und die Medikation aller zwölf Pferde wurden laut Anfragebeantwortung 4.758,19 Euro aufgewendet. Je nach Art und Schwere der Erkrankung konnten die betroffenen Pferde frühestens nach acht Tagen und längstens nach vier Monaten wieder zur Ausbildung herangezogen werden.