Chronik | Österreich
02.07.2018

Nach Fünffachmord: Haus des Schreckens steht zum Verkauf

In dem Gebäude in Böheimkirchen tötete eine Mutter ihre Familie und sich selbst. Die Polizei fand sechs Leichen.

Es ist ein kleiner Beisatz im Inserat, der etwas Unbehagen auslöst. Die Firma Immobilien Mörtl GmbH weist darauf hin, dass diese Immobilie Schauplatz eines Gewaltverbrechens war. Ein Gewaltverbrechen, das in Österreichs Kriminalgeschichte bisher einzigartig ist.

In Schildberg in der nö. Gemeinde Böheimkirchen steht seit einigen Tagen ein Haus mit Vorgeschichte zum Verkauf. In dem ehemaligen Gasthaus hat im November 2016 die 35-jährige Baumarktangestellte Martina R. ihre gesamte Familie ausgelöscht. Die Frau erschoss ihre Mutter, den Bruder und ihre drei kleinen Kinder. Tage später nahm sie sich selbst das Leben. Nach der Bluttat hat der St. Pöltener Notar Michael Billeth im Zuge des Verlassenschaftsverfahrens die Aufgabe, das Anwesen zu veräußern. Mit dem Verkaufserlös soll ein Teil der von Martina R. angehäuften Schulden abgedeckt werden. Für Immobilienmakler Wolfgang Mörtl keine leichte Aufgabe: „Die Liegenschaft hat leider drei grobe Nachteile. Die Lage, das Haus ist sanierungsbedürftig und dazu kommt noch die Vorgeschichte.“ Um von vorne herein mit offenen Karten zu spielen, hat der Makler deshalb auch im Inserat auf das Gewaltverbrechen hingewiesen. Nachfrage von Interessenten gäbe es bereits, ein Angebot habe allerdings noch niemand gelegt. Der Kaufpreis liegt bei 135.000 Euro.

Das ehemalige Gasthaus wurde im Jahr 1920 errichtet und 1970 um- und ausgebaut. Es verfügt über eine Wohnfläche von 300 . Beheizt werden die zehn Zimmer und zwei Bäder mit einer Öl-Zentralheizung. Die Spuren des Verbrechens sind alle längst beseitigt, eine Spezialfirma hat jeden Winkel des Tatortes penibel gereinigt.

Urnen

Als Herausforderung nach der Bluttat erwiesen sich auch die Modalitäten rund um die Beisetzung. Nachdem seine Ex-Frau das Leben der drei gemeinsamen Kinder Sebastian (10), Fabian (9) und Michelle (7) beendet hatte, bestattete der Vater die Urnen seiner Kinder in der Nähe seines Wohnortes in Wien.

Weil es niemanden gab, der sich um die letzte Ruhestätte der Fünffach-Mörderin, ihrer Mutter Mathilde (59) und ihrem Bruder Peter (41) kümmerte, zeichnete sich letzten Endes die Gemeinde Böheimkirchen dafür verantwortlich, bestätigt Bürgermeister Johann Hell im Gespräch mit dem KURIER. „Es war eine schwierige Angelegenheit. Wir haben zunächst alles übernommen, zuerst die Aufbahrung und die Einäscherung. Die drei Urnen wurden schließlich in einem Gemeindegrab beigesetzt“, sagt Hell.

Verfahren

Obwohl man weiß, dass finanziell nichts zu holen ist, hat sich die Gemeinde formell mit den Kosten am Verlassenschaftsverfahren angeschlossen. „Im Ort ist nach der Tat wieder Ruhe eingekehrt. Am meisten betroffen waren die Schulkollegen der getöteten Kinder“, erklärt Hell.