Unterwegs mit Wolfgang Böck auf dem Motorrad im Burgenland am 19.06.2013

© KURIER/Gilbert Novy

Motorradunfälle
08/14/2013

Alarmierender Biker-Blutzoll

Vor allem ältere Lenker lassen die Unfallzahlen heuer in die Höhe schnellen

von Dominik Schreiber

Der Trend zum Motorrad ist ungebrochen. Die Zulassungszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Vor allem ältere Männer entdecken immer häufiger die Freude am Zweiradfahren in der Natur.

Das ist die schöne Seite.

Die hässliche findet sich in der Datei von Otmar Bruckner. Er ist Chef-Statistiker des Innenministeriums. Wer auf der Straße stirbt, bekommt eine Nummer verpasst und landet in seinem Dienst-Computer am Minoritenplatz. Der Nächste in dieser traurigen Datei wird die Nummer 62 tragen. Bis dato sind heuer bereits fast so viele Zweiradfahrer gestorben wie – jeweils in zwölf Monaten – in den vergangenen Jahren. Erst am Montag starben ein Biker und seine Beifahrerin.

39 Opfer im Sommer

„Allein in den Sommermonaten Juni, Juli und August mussten bereits 39 Opfer beklagt werden“, erklärt Bruckner gegenüber dem KURIER. Rund 42 Prozent der getöteten Motorradfahrer heuer waren über 45 Jahre alt. Es sind vor allem die Wieder- und Späteinsteiger, denen meist die Routine fehlt, die in der Todesdatei des Ministeriums landen.

„Derzeit sind knapp 430.000 Motorräder in Österreich zugelassen – um fast 50 Prozent mehr als noch 2002, damals waren es 292.000“, erklärt der Ober-Statistiker Bruckner.

Der erwartete Ansturm der 16-Jährigen, die seit Jänner Motorräder bis 125 ccm fahren dürfen, blieb allerdings aus. 340 Jugendliche meldeten sich bisher in den Fahrschulen an. „Der große Run ist ausgeblieben“, berichtet Alexander Seger von der Mödlinger Fahrschule Fürböck. Als Ursache nennt er den hohen Einstiegspreis: „5000 bis 6000 Euro für Ausbildung und Maschine, die man dann zwei Sommer benützt, das ist etwas viel.“ Dadurch dürfte der Blutzoll nicht noch weiter ansteigen, als er es ohnedies tut.

Viele Alleinunfälle

Etwa ein Drittel aller schweren Motorradunfälle sind Alleinunfälle ohne Zweitbeteiligten. Diese Crashs sind häufig auf überhöhte Geschwindigkeit oder Fahrfehler zurückzuführen sind. Viele Motorradfahrer werden laut Bruckner aber auch von anderen Verkehrsteilnehmern – meist bei Kreuzungsunfällen – einfach „übersehen“. Bei diesen Kollisionen sind die Pkw-Lenker in der Hälfte der Fälle zumindest mitschuldig, wobei vor allem der Vorrang missachtet wird, heißt es im Innenministerium. Die Polizei appelliert daher nicht nur an die Motorradlenker, sondern auch an alle anderen Verkehrsteilnehmer, sich an die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten zu halten, vorausschauend zu fahren und immer Rücksicht aufeinander zu nehmen.

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