Mordverdächtiger mit Meißel: Spur führt zu Kidnapper-Bande

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Befragungen zeigen auf: Terry A. dürfte in Nigeria einer kriminellen Gruppierung angehört haben.

Ist Terry A. (25) aus Nigeria nicht nur ein Mordverdächtiger, sondern auch ein Mitglied einer kriminellen Organisation? Der Flüchtling, der vergangene Woche einen anderen Asylwerber in der Unterkunft St. Gabriel in Maria Enzersdorf (NÖ) mit einem Meißel getötet haben soll, dürfte in seinem Heimatland kein unbeschriebenes Blatt gewesen sein. Das zeigt eine KURIER-Recherche.

A. kam im Zuge der Flüchtlingswelle nach Österreich und stellte am 17. Februar 2016 einen Asylantrag. Gegenüber den Behörden erzählte A. einer Jugendgruppierung angehört zu haben und Angst vor der Regierung zu haben. Weiters führte der Flüchtling aus, aus der Stadt Kokori zu stammen. Das sind spannende Details, da Kokori in Nigeria durch eine kriminelle Bande bekannt wurde, die jahrelang ihr Unwesen trieb. Die Polizei nannte den Drahtzieher, Kelvin I., einer der „meistgesuchten Verbrecher“. Er soll für Dutzende Morde sowie Entführungen an Polizisten, Soldaten und bekannten Persönlichkeiten verantwortlich gewesen sein. I. hatte im Bundesstaat Delta eine eigene Armee aufgebaut. Am 25. September 2013 wurde Kelvin I. in einem Hotel verhaftet.

Falsch übersetzt?

Danach waren über 100 Uniformierte nach Kokori gestürmt, um die Stadt aus den Fesseln der Bande zu befreien. Laut Medienberichten sollen 13 Mitglieder erschossen worden sein, 25 junge Erwachsene konnten fliehen. War Terry A. einer von ihnen?

Darauf könnten Hinweise deuten, die aus seinen Befragungen stammen. Der Beschuldigte gab bei seiner Ankunft an, im Oktober 2013 aus Nigeria geflüchtet zu sein – wenige Tage nachdem Soldaten und Polizisten in Kokori einmarschierten. Außerdem war er erpicht darauf, zu erwähnen, dass er nie einer bewaffneten Bande angehört habe. Weiters sprach er von einem „Onkel Kevin“, den er als Anführer der Gruppe bezeichnete.

Bei einer weiteren Einvernahme durch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hatte er diesen nicht mehr als Onkel bezeichnet. Das Bundesverwaltungsgericht stellte später fest, dass es bei der Befragung zu sprachlichen Problemen gekommen sein dürfte. Deshalb könnte bei Onkel Kevin der Kriminelle Kelvin I. gemeint sein. Dazu passen würde, dass Terry A. erzählte, dass er von der Regierung verfolgt werde und das Gefängnis auf ihn warten würde.

Ultimatum an Präsident

Bei den Befragungen schilderte Terry A., wegen Ölförderung an einer Demonstration gegen die Regierung teilgenommen zu haben. Eine KURIER-Recherche zeigt, dass es sieben Tage vor der Verhaftung von Kelvin I. tatsächlich zu einem Protest gekommen sei.

Die Bande stellte dem nigerianischem Präsidenten ein 60 tägiges Ultimatum, sonst würde man die wichtigen Ölproduktionen in der Stadt stoppen. Und positionierte sich schwer bewaffnet und vermummt auf den Feldern. War Terry A. unter diesen Männern?

In Österreich fasste er wegen Drogendelikten zwei bedingte Haftstrafen aus. Im März wurde A. in Wien-Ottakring erneut mit Drogen erwischt und auf freiem Fuß angezeigt. Der Verdächtige befindet sich derzeit in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Einzelhaft und ist laut seinem Anwalt Wolfgang Blaschitz in „einem desaströsen Zustand“. „Er hat keinen klaren Satz herausgebracht. Wichtig ist jetzt, dass er psychiatrisch begutachtet wird“, sagt der Verteidiger.

Terry A. verhält sich in der Haft sehr aggressiv und hatte einen Mithäftling krankenhausreif geprügelt – der KURIER berichtete.

( kurier.at ) Erstellt am 10.05.2018