Chronik | Österreich
29.06.2017

Mordverdächtige verkaufte Auto des Toten im Internet

Die Frau bestreitet weiter, den 73-Jährigen getötet zu haben. Neue Erkenntnisse zu "Amokfahrt" in Leogang.

Der mutmaßliche Mordfall in Mattsee (Flachgau) ist nach einer weiteren Vernehmung der 60-jährigen Verdächtigen um einige Facetten reicher. Die Deutsche blieb laut Polizei bei ihrer Version: Der 73-Jährige sei nach der Einnahme von Schlaftabletten und eines Potenzmittels am nächsten Tag tot im Bett gelegen. Wie die Leiche im Müllcontainer in der Garage landete, beantwortete die Frau nicht. Der Tote dürfte dort seit Anfang Juni gelegen sein. Erst am Dienstag entdeckte ein Polizist die Leiche. Zuvor hatten die Ex-Frau und Nachbarn Alarm geschlagen.

Die Verdächtige soll laut Bewohnern der Siedlung Gegenstände aus dem Haus mitgenommen haben. Die 60-Jährige dürfte zudem den Wagen des Mannes im Internet versilbert haben. "Sie hat sein Auto – mit größter Wahrscheinlichkeit nach seinem Tod – auf eBay verkauft", sagte Polizeisprecherin Eva Wenzl. Für den in die Jahre gekommenen VW Passat habe sie demnach "wenige Tausend Euro" bekommen.

Festnahme bei Polizei

Dass die Frau noch am Dienstag geschnappt wurde, ist offenbar reiner Zufall. Gegen sie lagen nicht nur, wie berichtet, drei europäische Haftbefehle wegen Eigentumsdelikten in Deutschland vor. Sie könnte auch im Bezirk Vöcklabruck einen Diebstahl begangen haben. Laut Wenzl ist die Frau nämlich gerade in der Polizeiinspektion in Ampflwang im Hausruckwald für eine Befragung vorstellig geworden, als die Beamten auf die Fahndung aus Salzburg aufmerksam wurden.

In den kommenden Tagen wollen die Ermittler Zeugen einvernehmen. Auf dem Handy und dem Tablet der Frau sind außerdem zahlreiche Internetbekanntschaften nachgewiesen worden. Auf diesem Weg soll sie auch den 73-Jährigen aus Mattsee kennengelernt haben. Ob die Staatsanwaltschaft die U-Haft für die 60-Jährige beantragt, war am Donnerstagnachmittag noch unklar.

"Amoklenker" krank

Eine Wende zeichnet sich in einem weiteren Fall ab, in dem Mordermittlungen laufen. Ein 42-jähriger Norweger soll im Februar bei Leogang (Pinzgau) seinen Geländewagen mit rund 150 km/h absichtlich gegen das Auto eines 24-Jährigen gesteuert haben. Der junge Mann war auf der Gegenfahrbahn unterwegs. Er starb noch an der Unfallstelle. Der Norweger, der mit seiner Familie unterwegs war, ist einige Tage später wegen Mordverdachts in U-Haft genommen worden.

Ein erstes Gerichtsgutachten ging davon aus, dass der Mann zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war. Ein weiteres bescheinigt ihm nun das Gegenteil. Die Staatsanwaltschaft überlegt noch, ob eine weitere Expertise in Auftrag gegeben wird. Der Verdächtige wurde inzwischen von der Justizanstalt in eine Psychiatrie überstellt.