Chronik | Österreich
03.12.2018

Mordprozess: Er wollte zu viel Sex, sie gab ihm Schlaftabletten

Salzburger starb nach Einnahme von Potenzmittel, Alkohol und Schlafmitteln. Angeklagte bekannte sich nicht schuldig.

„Ich wollte ganz einfach nur, dass er fest schläft.“ Das sagt die 62-jährige Angeklagte in einem Mordprozess über eine verhängnisvolle Nacht im Juni 2017. Ihr damaliger Freund war nach der Einnahme eines Potenzmittels, einem Cocktail und Wein sowie mehrerer Schlaftabletten gestorben.

Sechs davon soll die Frau dem damals 73-Jährigen gegeben haben, nachdem ihr die Sexspiele mit dem Salzburger zu viel wurden. Anstatt Rettung und Polizei zu rufen, wollte sie das Problem selbst lösen. „Ich habe die falsche Entscheidung getroffen“, sagt die Frau am Montag vor Gericht. Seine Leiche wurde von einem Polizisten in einer Mülltonne Wochen später in der Garage seines Hauses in Mattsee gefunden. Nun muss sich die Deutsche wegen Mordes in Salzburg verantworten.

Neuauflage wegen Unzuständigkeit

Die ganz in Schwarz gekleidete Angeklagte steht wegen der Angelegenheit zum zweiten Mal vor Gericht. Im Mai hatte sich ein Schöffengericht in diesem Fall für unzuständig erklärt. Die ursprüngliche Anklage der Frau lautete auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Das Gericht sah aber aufgrund ihrer Aussagen den Verdacht eines Mordes und fällte ein Unzuständigkeitsurteil.

Auch im neuerlichen Prozess bekennt sich die Deutsche des Mordes nicht schuldig. Sie fühle sich im Nachhinein aber der fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Die Krankenschwester habe den Tod ihres Freundes in Kauf genommen, lautet der Vorwurf der Anklage.

Angst vor der Polizei

Der Frau werden zudem die Störung der Totenruhe, zwölf Betrugsfakten, Diebstahl und Urkundenunterdrückung vorgeworfen. In der verhängnisvollen Nacht habe sie ihm zwei bis vier Schlaftabletten gegeben. Ihr Freund habe die Tabletten widerwillig eingenommen. „Er war beleidigt“, sagt die Deutsche beim Prozess.

Als sie am nächsten Tag zu Mittag den Tod feststellte, habe sie nicht gewusst, was sie tun solle. „Mit der Polizei wollte ich nichts zu tun haben“, sagt die Frau. Grund dafür war ein anhängiges Verfahren in Deutschland. Nach zwei Tagen habe sie den Toten in die Garage geschafft, da es dort kühler war, und in einer Mülltonne verstaut. „Ich wollte, dass niemand weiß , dass er tot war“, erklärt die Frau. Dann habe sie nicht mehr weitergewusst. Verteidiger Johann Eder sagt, es gebe kein Motiv für einen Mord, die Frau sei nicht erbberechtigt gewesen.

Ein Urteil wird für Mittwoch erwartet.

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