Mohamed Mahmoud in dem im August 2015 veröffentlichten Video

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Zeuge
06/20/2016

Mohamed Mahmoud ein neunfacher Mörder?

Sein Komplize enthüllt Details rund um das IS-Tötungsvideo.

von Dominik Schreiber

Im Sommer 2015 werden acht Kämpfer des Islamischen Staates in Rakka zusammengetrommelt. Unter ihnen ist auch der gebürtige Wiener Mohamed Mahmoud. Und der aus Bremen stammende Harry S. mit seinem Freund Adnan S. sowie Yamin A. aus Nordrhein-Westfalen. Sie alle sind keine 30 Jahre alt und besteigen gemeinsam zwei Pick-ups, um ein Mord-Video zu drehen. Im August 2015 wird dieser blutige Film in Österreich und Deutschland für enormes Aufsehen sorgen. Mahmoud und A. erschießen darin zwei Menschen in der vom IS besetzten syrischen Stadt Palmyra. Wie es dazu kam, war bisher unbekannt. Doch nun gibt es erstmals eine Zeugenaussage aus erster Hand.

Als Organisator des gesamten Videodrehs bezeichnet Kronzeuge Harry S. "den Österreicher". Mohamed Mahmoud habe das alles geplant. Und der Deutsche geht noch weiter, sie hatten insgesamt neun Geiseln abgeholt, offenbar syrische Soldaten. Diese wurden alle im Umfeld des Videodrehs erschossen. Am brutalsten von allen sei dabei Mahmoud vorgegangen, er habe die meisten Tötungen persönlich ausgeführt.

Neun Tote bei Videodreh in Palmyra

"Er hat danach sogar auf die Leiche gespuckt",erinnert sich Harry S., ihn erwartet ab morgen, Mittwoch, der Prozess in Hamburg. Es geht um die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Vor dem Verfahren durfte er – bewacht von deutschen Staatsschützern und flankiert von seinem Anwalt – Radio Bremen ein Interview geben. Darin berichtet er von dem bizarren Videodreh in Syrien. Von dem Mordvideo, mit dem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel unmittelbar bedroht wird. Und in dem Harry S. zwei Mal auftaucht, einmal bei der Fahrt zu den Geiseln im Pick-up und dann beim Schwenken der IS-Fahne in jener Runde, in der Mahmoud und Yamin A. die Motive für die Gräueltaten erklären.

Anschläge in Deutschland geplant

Danach wurde der IS-Terror Harry S. (27) jedenfalls zu viel. Er kehrte zurück und wurde, wie berichtet, im Oktober verhaftet. Bereits damals erzählte er davon, dass der IS versuchte, ihn zu Anschlägen in Deutschland zu überreden. In Frankreich habe man genügend Kämpfer sitzen, aber jene in England und Deutschland bekämen immer wieder kalte Füße. Zumindest dieser Teil seiner Aussage hat sich mit den späteren Anschlägen in Paris und Belgien offenbar bestätigt.

Seine "Karriere" verlief ähnlich wie bei jenen Terroristen, die in Molenbeek aufwuchsen. Er war Sohn einer Ghanesischen Frau und wurde katholisch erzogen. 2010 überfiel er mit Freunden einen Supermarkt und erbeutete 23.500 Euro. Mit seinem Anteil flog er nach Gran Canaria, machte Urlaub und wurde nach seiner Rückkehr festgenommen.

In Haft kam er in Kontakt mit einem Hass-Prediger, der ihn radikalisierte. Nach zwei Jahren Haft besuchte er radikale Moscheen und im Jahr 2014 reiste er via Wien und Budapest mit dem Zug nach Syrien.

Möglicher Kronzeuge

Als er dort ankam, merkte er, dass europäische Kämpfer längst nicht mehr so gerne gesehen waren wie früher. Zunächst gab es schwersten militärischen Drill, mit Auspeitschen und Wasserentzug als Strafmaßnahmen. Als Europäer hatte man zwei Optionen: Anschläge in der Heimat oder ein Selbstmordkommando hinter den feindlichen Linien. Nach dem Videodreh flüchtete Harry S. und schaffte es, nach Izmir zu gelangen. Nach einigen Tagen bei Freunden bestieg er ein Flugzeug nach Bremen – und wurde noch am Flughafen verhaftet. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Mit ihm gibt es nun erstmals einen Zeugen, falls es zu einem Prozess gegen Mohamed Mahmoud kommen sollte. Der Wiener hätte am vergangenen Samstag seinen 31. Geburtstag gefeiert. Ob er überhaupt noch am Leben ist, ist weiterhin unklar. Eine gesicherte Information über seinen Tod gibt es nicht.

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