© APA/BARBARA GINDL

Salzburg
09/22/2019

Picknick-Verbot im Salzburger Paradies wirkt

Mittersill verbot am Hintersee Tee und Grillen für arabische Gäste. Die Situation hat sich seither gebessert.

von Matthias Nagl

Wolfgang Viertler nimmt den Koran zu Hilfe, um die Schönheit des Hintersees in Mittersill zu beschreiben. „Laut Beschreibung des Korans müsste das Paradies ungefähr so ausschauen wie die Gegend am Hintersee“, sagt der Bürgermeister von Mittersill. Vielleicht deshalb hat sich das Gewässer im Nationalpark Hohe Tauern in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot bei arabischen Touristen entwickelt.

Diese hätten das Seeufer immer stärker in Beschlag genommen. „Sie haben Tee gekocht und gegrillt. Vom Müll reden wir noch gar nicht“, erklärt Viertler. Die Beschwerden von Einheimischen und europäischen Gästen häuften sich – bis die Gemeinde im Sommer kurzerhand ein Picknick-Verbot am See erließ. „Es ist ein Notschrei gewesen“, sagt Viertler.

Der Hilferuf war offenbar erfolgreich. „Es hat sich positiv entwickelt. Der Müll landet jetzt im Container, auch das wilde Pferdefüttern hat sich aufgehört“, erzählt Viertler. Im Übrigen musste keine Tee trinkende arabische Familie und auch kein Apfel essender deutscher Tourist von der Polizei abgeführt werden.

„Es ist niemand gestraft worden. Die Nationalpark-Ranger haben auf das Verbot hingewiesen“, sagt der Bürgermeister. Das Jausenbrot und das Apferl des Wanderers würden ohnehin nicht unter das Verbot fallen. Am stärksten gewirkt hätten aber wohl die sozialen Medien, die den Hintersee erst zum Hotspot gemacht haben. „So wie sie vom Hintersee erfahren haben, haben sich die Gäste auch informiert, dass es so nicht mehr geht“, glaubt Viertler.

Bauliche Maßnahmen

Für den kommenden Sommer bleibt das Picknick-Verbot aufrecht. Um die Situation weiter zu entspannen, sind auch bauliche Maßnahmen geplant. Der Parkplatz soll erweitert werden und einen Schranken bekommen, außerdem sollen sanitäre Anlagen errichtet werden. Insgesamt geht Viertler von Investitionen in der Höhe von bis zu 700.000 Euro aus, die sich die betroffenen Gemeinden und der Nationalpark noch aufteilen müssen.

Auch Gespräche mit Grundeigentümern sind noch zu führen. „Der Interessensausgleich ist nicht ganz einfach. Einerseits leben wir gut von unseren Gästen und wollen, dass es ihnen hier gut geht. Andererseits wollen wir, dass unsere sozialen Gepflogenheiten gewahrt werden“, erklärt Viertler.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.