Krimiautor Thomas Eppensteiner

© /Katharina Zach

Porträt
05/21/2016

Mit „Schirmer“, Charme und Pistole

Ist Polizist Thomas Eppensteiner nicht im Dienst, schreibt er Krimis rund um einen ruppigen Antihelden.

von Katharina Zach

Düster hängen die Wolken über dem Bahnhof Mödling. Unheilvoll. Ein Ort wie aus einem Krimi. Und eigentlich ist er das ja auch – zumindest in den Büchern des Wiener Kriminalisten Thomas Eppensteiner. Vor vier Jahren veröffentlichte er den ersten Roman rund um den grantigen Chefinspektor Harald Schirmer der Mödlinger Kripo. Alkoholiker, Kollegenschwein, Ekel. Und hervorragender Ermittler – egal, ob Fahrraddiebstähle am Bahnhof oder grausame Morde. Die Geschichte des Beamten aus dem Bundeskriminalamt schlug ein. Zwei weitere Wienerwald-Krimis rund um Schirmer folgten. Am vierten Roman, ein in Wien beheimateter Thriller, arbeitet Eppensteiner gerade. „Ich bin selbst überrascht, dass ich jedes Jahr ein Buch raushaue“, meint er dazu. Immerhin sei er Vollzeit-Kriminalist mit Familie. Wenn Eppensteiner dann jedoch erzählt, wie er des nächtens bis drei Uhr Früh an seinen Geschichten schreibt, wird es ein bisschen nachvollziehbar. „Den Drang zu schreiben, hatte ich schon immer“, erinnert sich der Neo-Autor. Bereits als Bub habe er Lyrik und Gedichte verfasst. Bis zum Autor, ja selbst bis zum erfolgreichen Polizisten, war es dann aber doch ein weiter Weg. Und der führte den gelernten Kaufmann aus Floridsdorf – Sohn einer klassischen Arbeiterfamilie, wie er sagt – über Jobs als Möbelpacker, bei der Post und sogar als UNO-Soldat in Zypern zur blauen Uniform.

Eingenistet

2006 startete er mit Kollegen Thomas Angerer das Online-Portal „Das Polizeicafé“, bei dem Beamte Kurzgeschichten oder Gedichte veröffentlichen konnten – als Ausgleich zum stressigen Job, den viele Beamte im Kreativen suchen. Vor zehn Jahren nistete sich schließlich Chefinspektor Harald Schirmer, Leiter der Kripo Mödling, im Kopf Eppensteiners ein. „Aber er hat nirgends hineingepasst“, erinnert sich der Autor. Nach seinem Umzug nach Münchendorf war die Zeit für einen Krimi dann endlich reif. „Der Schirmer ist viel grauslicher geworden, als ich gedacht habe“, sagt der Autor lachend. „Er ist Alkoholiker, Chauvinist und gemein zu seinen Kollegen.“ Dazu muss man wissen, dass Eppensteiner, wenn er ein Buch zu schreiben beginnt, nie weiß, wie es ausgehen wird. Reales Vorbild für Schirmer gibt es also nicht. Wobei – auch Eppensteiner, seit 20 Jahren bei der Exekutive, kennt noch diese Art von ruppigen Vorgesetzten, die Untergebenen nicht einmal die Hand geben. Dennoch liefern manche Kollegen Ideen für seine Figuren. Braucht er Inspiration, streift Eppensteiner durch Mödling. Vor allem die Fußgängerzone ist beliebtes Jagdrevier für Ideen. „Ich beobachte einfach gerne Menschen“, verrät der bekennende Polt-Fan. Auch die Locations und Tatorte, wie die Goldene Stiege oder der Esoterik-Shop von – Achtung, Spoiler! – Schirmers Freundin, entdeckte er auf diese Weise. Als Vorlage für Schirmers Lieblingslokal „Alis Kebabhouse“ dient etwa die Imbissbude „Pizza Mega“ auf der Hauptstraße.

Realität als Vorlage

Seit zehn Jahren ist der 44-Jährige mittlerweile beim Erkennungsdienst des Bundeskriminalamts tätig. Logischerweise liefert seine Arbeit die Vorlagen für die Fälle in seinen Büchern. „Die Schlepperkriminalität ist ein boomender Faktor. Mit Menschen kann man gut Geschäfte machen“ erklärt er. In seinem 2014 veröffentlichten Roman „Blutige Reben“ ersticken sieben Afghanen in einem Lkw. Vorigen Sommer starben dann tatsächlich 70 Menschen in einem Kühlwagen. „Ich war schockiert. Aber ich habe befürchtet, dass so etwas einmal passiert.“ Im aktuellen Schirmer-Krimi geht es um Kinderhandel. „In Rumänien kann man Babys um 20.000 bis 30.000 Euro kaufen“, sagt Eppensteiner. Von seinen Kollegen hat er übrigens durchaus positives Feedback bekommen – auch von den „echten“ Schirmers. Denn, ja, die gibt es. „Dabei habe ich extra im Outlook und bei Google recherchiert, aber offenbar die Namen übersehen“, gibt der Autor zu. „Einer der Kollegen hat mich sogar angeschrieben: ,Lieber Kollege, mir hat Ihr Buch sehr gefallen. Nur bin ich in Wirklichkeit viel netter‘.“

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