Marcel Mild baut ausrangierte Frachtcontainer zu Wohnungen um.
 

© /Living Container

Kärnten
05/12/2016

Ministerium legt prämiertes Projekt auf Eis

Im Herbst sollten Wohncontainer für Studenten bezogen werden. Plötzlich will die BIG den Baugrund kaufen.

von Thomas Martinz

Ein Studentendorf, bestehend aus 32 ausrangierten Schiffscontainern, sollte im Herbst rund um die Klagenfurter Universität entstehen. "Living Container" nennt sich das mehrfach angekündigte und prämierte Projekt, das aber nun zu platzen droht, weil das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) sein Veto einlegt. Eingeschalten hat sich überdies die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die die entsprechenden Liegenschaften der Klagenfurter Stadtwerke plötzlich kaufen will.

Marcel Milds Idee, ausrangierte Schiffscontainer zu Wohnungen umzubauen, ist gleich mehrfach preisgekrönt: Es gab den Wirtschaftspreis "Primus", den "Energy Globe Award" und erst vergangene Woche 50.000 Euro Investitionsförderung – ausgerechnet vom BMWFW. 25 Quadratmeter groß sind die Wohneinheiten, die Schlaf-, Küchen- und Sanitärbereiche bieten. Die Kosten für einen bezugsfertigen Container liegen bei 35.000 Euro, die Monatsmiete beträgt 400 Euro .

Es gab grünes Licht

Die Stadt Klagenfurt sowie die Universität wurden auf die Innovation aufmerksam und sahen in den Einheiten ideale Studentenbuden. "Man hat angefragt, ob ich ein Studentendorf neben der Uni aufbauen könnte", sagt Mild. Grundbesitzer sind die Stadtwerke Klagenfurt, die die Liegenschaft in Absprache mit der Stadt und der Abteilung Stadtplanung bereitstellen. Die Politik sowie die Uni selbst waren ebenfalls an Bord, mit der Umwidmung des Grundstücks auf Bauland erhielt das Projekt grünes Licht.

"Plötzlich ließen Ministerium und BIG ausrichten, dass sie gegen das Bauverfahren vorgehen würden. Und jetzt legt die Uni, mit der Forschungsprojekte vereinbart waren, das Projekt still – da wurde von höchster Stelle interveniert", betont Mild.

Tatsächlich gab es einen Anruf aus Wien. "Die Uni kann autonom entscheiden, wir verbieten nichts. Aber es gibt von Seiten des Ministeriums eine Empfehlung, dieses Projekt auf einem für universitäre Zwecke gewidmeten Grundstück nicht zuzulassen. Ein Präzedenzfall könnte entstehen, andere potenzielle Investoren könnten Begehrlichkeiten anmelden, wenn eine Uni einen solchen Container-Bau unterstützt", sagt Felix Lamezan-Salins, Sprecher von Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

"Prüfen Ankauf"

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass nun die Bundesimmobiliengesellschaft Interesse am Kauf des entsprechenden Grundstücks bekundet. "Derzeit prüfen wir den potenziellen Ankauf mehrerer Liegenschaften, die zu einem späteren Zeitpunkt der Uni-Erweiterung dienen könnten", bestätigt BIG-Pressesprecher Ernst Eichinger.

Mild versucht, auch mit dem möglichen künftigen Grundeigentümer ins Gespräch zu kommen: "Ich kann mir ein temporäres Containerdorf vorstellen. Sollte die Uni die Flächen in zehn oder 15 Jahren für etwaige Erweiterungen benötigen, können wir die gesamte Anlage problemlos übersiedeln."

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