Chronik | Österreich
25.01.2018

Millionen-Pleite: Auf Finanz-Razzia folgt Konkurs

Fragwürdige Fassadenbaufirma verlor nicht nur namhafte Auftraggeber, sondern auch die Subunternehmer wollen nicht mehr für sie arbeiten.

Vor vier Monaten stand die ARA Bau GmbH mit Sitz im Wilfersdorf, Bezirk Mistelbach, im Mittelpunkt einer groß angelegten Razzia der Finanzpolizei und der Kripo. Seit gestern, Mittwoch, ist das Unternehmen pleite.

Laut Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform wurde am Landesgericht Korneuburg ein Konkursverfahren eröffnet. Der Schuldenberg wird mit 1,147 Millionen Euro beziffert, davon fallen 600.000 Euro auf die Hausbank, 245 auf die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) und 220.000 Euro auf Lieferanten. Dazu kommen noch 42.000 Euro offene Kommunalabgaben, 25.000 Euro sind bei der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖ GKK) offen und 15.000 Euro bei der Finanz.

Das Vermögen besteht vor allem aus offenen Forderungen (700.000 Euro) gegen Kunden, die aber erst eingebracht werden müssen. 32.000 Euro hat die Finanzpolizei bzw. die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.

Das Verfahren ist laut KSV1870 bereits eröffnet worden, Masseverwalter ist der Anwalt Stefan Tiefenbacher.

In der Hochsaison beschäftigt die ARA Bau etwa 100 Mitarbeiter. Derzeit ist der Betrieb aufgrund der Winterpause geschlossen.

Die Auftragsspitzen deckt die ARA Bau in der Regel mit "mit Subunternehmen" und deren Mitarbeitern ab. Hier schließt sich der Kreis zur Finanzpolizei. Für diese ist die ARA Bau mittlerweile ein rotes Tuch. Grund für die Hausdurchsuchung war der Verdacht, so die Firma, "dass die ARA Bau in betrügerische Machenschaften ausländischer Unternehmen verwickelt sei".

Schwere Vorwürfe

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ( WKStA) führt seit Monaten akribisch Ermittlungen gegen insgesamt 70 Personen durch, darunter auch gegen die beiden Geschäftsführer von ARA-Bau. Sie stehen im Verdacht der Organisierten Schwarzarbeit und der Beitragstäterschaft zum gewerbsmäßigen Betrug.

Alles bestritten

Laut Aktenlage soll die ARA Bau über zwei Drahtzieher vom Balkan, die mittlerweile in U-Haft sitzen, Arbeitspartien bei slowakischen Scheinfirmen bestellt und eingesetzt haben. Den mutmaßlichen Schaden beziffert die WKStA mit rund 5,585 Millionen Euro.

Geschädigt wurden angeblich die Gebietskrankenkasse und die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK). Gegen die ARA Bau selbst wird auch nach dem Unternehmensstrafrecht (Verbandsverantwortlichkeitsgesetz) ermittelt.

Die Vorwürfe werden bestritten. Für die ARA Bau, die bisher jährlich acht Millionen Euro umsetzte, hatten die Ermittlungen Folgen.

Rechnung erhalten

"Kein Subunternehmer traut sich mehr, für die ARA zu arbeiten", sagt Firmenanwalt Thomas Stenitzer zum KURIER. "Mit eigenen Arbeitskräften haben wir es nicht geschafft, einen entsprechenden Umsatz im zweiten Halbjahr zu erreichen." Der zweite Grund ist, dass die Aufträge ausblieben. Namhafte Baukonzerne wollen mit ARA Bau nicht mehr zusammenarbeiten.

Nichts damit zu tun?

Dabei will ARA-Bau-Chef Emir C. mit illegalen Machenschaften nichts zu tun haben. Demnach durfte er darauf vertrauen, dass die Entsendung der Arbeiter durch die slowakischen Subunternehmen, mit denen seine ARA Bau Werkverträge abschloss, korrekt erfolgte. Emir C. sei auch "bei all diesen Vorgängen davon ausgegangen, dass ein neuer Subunternehmer die frei werdenden Arbeitskräfte (Anmerkung: des alten Subunternmers) mit sämtlichen Gesetzen übernimmt und er hat das auch im zumutbaren Umfang selbst geprüft bzw. durch die subunternehmer bestätigen lassen", teilte der Strafverteidiger von Emir C. der Justiz mit.

Emir C. dokumentierte alle Vorgänge, die Subunternehmen betreffen, penibel. Außerdem bestreitet er, nach Bezahlung der Rechnungen Kickback-Zahlungen von den Balkan-Zampanos erhalten zu haben.

Der gewiefte Drahtzieher

Den mutmaßlichen Kopf der Balkan-Zampanos kenne er daher, räumt Emir C. ein, weil dieser "auch als externe Fassadenbau-Aufsicht und Kontrolle für einige der Subunternehmer fungiere, die für ihn tätig waren". Dieser kontrolliere, "ob das Personal des Subunternehmers den österreichischen Standards entsprechende Leistungen erbringt und sei auf vielen Baustellen präsent und schöpft seine Informationen".

Detail am Rande: In einem ersten Strafprozess hat dieser umtriebige "Fassadenzampano" und mutmaßlicher Schwarzarbeits-Boss vom Balkan mit den überaus guten Branchenkenntnissen und dem weitverzweigten Netzwerk an Scheinfirmen viereinhalb Jahre Haft ausgefasst. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.