Chronik | Österreich
23.05.2017

Mehr getötete und verletzte Radler

Zahl der Radfahrer steigt an. 48 kamen 2016 bei Unfällen ums Leben, im Jahr 2015 waren es 39.

"Eine Trendumkehr" habe man geschafft, verkündete Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) gestern, Montag. Denn die Zahl der Verkehrstoten sinke – 2016 starben um 47 Personen weniger auf Österreichs Straßen als im Jahr zuvor. Und auch heuer sei die Zahl der Getöteten weiter rückläufig. Dennoch gibt es weiterhin Problemfelder: Junge Männer sind nach wie vor die Risikogruppe Nummer eins. Ebenso gab es im Vorjahr wieder mehr Alko-Unfälle. Und auch die Anzahl der verletzten Kinder und Radfahrer stieg an.

Insgesamt gab es im Vorjahr 38.466 Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden. Das entspricht einem leichten Anstieg von 1,3 Prozent gegenüber 2015 – gleichzeitig sank aber die Zahl der Todesopfer: Starben 2015 bei Verkehrsunfällen 479 Menschen, waren es im Vorjahr 432 Personen. Dies entspricht zwar einem Minus von 9,8 Prozent – dennoch heißt das, dass nach wie vor im Schnitt alle 20 Stunden ein Mensch im Straßenverkehr zu Tode kommt.

Lkw: Gefahr für Radler

Auch die Zahl der verletzten und getöteten Radfahrer stieg an: Starben 2015 in Österreich 39 Radfahrer bei Unfällen, waren es im Vorjahr 48. Das entspricht einem Plus von 23,1 Prozent. Im Jahr 2015 gab es insgesamt 6847 Verletzte bei Radunfällen – 2016 waren es bereits 7331 Personen. "Das zeigt einen kontinuierlichen, bedauernswerten Aufwärtstrend über die vergangenen vier Jahre hinweg, der aber mit der stetigen Zunahme des Radverkehrs erklärbar ist", sagt Alec Hager, Sprecher der Radlobby.

Eine besondere Gefahr für Radfahrer sind laut der Radfahrer-Organisation Lkw. In diesem Bereich habe die Politik noch nicht ausreichend reagiert, kritisiert Hager: "Es braucht niedrigere Tempolimits in Stadt und Land, breitere Radwege , radfreundliche Ampelschaltungen und generell deutliche Budgeterhöhungen, die eine rasche Umsetzung dieser Maßnahmen ermöglichen."

Es gibt aber auch gute Nachrichten für Radler: Vergleicht man die Zahlen von Langzeit-Studien, nimmt die Sicherheit für Radfahrer – anders als man vermuten könnte – zu. Laut der Mobilitätserhebung "Österreich unterwegs" des Verkehrsministeriums gab es bei den Radlern eine 126-prozentige Zunahme, während die Zahl der verletzten Radfahrenden um 20 Prozent zunahm.

Immer beliebter werden Räder in urbanen Gebieten, wie eine Studie des Verkehrsclub Österreich belegt: In Wien im Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus kommen auf 1000 Einwohner nur 276 Autos, 2015 waren es noch 280. Zum Vergleich: Im Bezirk Waidhofen an der Thaya kommen auf 1000 Einwohner 703 Autos.

Mehr tote Männer

Was Verkehrsunfälle im Allgemeinen betrifft, sterben mehr Männer als Frauen: Drei von vier Verunglückten im Jahr 2016 waren Männer – bei den 20- bis 24-Jährigen waren es sogar neun von zehn. Daher habe man die Probezeit für junge Fahrzeuglenker von zwei auf drei Jahre verlängert, erklärte Leichtfried. Diese Regelung wird mit 1. Juli in Kraft treten. Auch die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, stieg gegenüber 2015 um 6,1 Prozent auf 2361. Hier setzt der Verkehrsminister auf Alkolocks: Ab kommendem September sollen diese verhindern, dass Betrunkene erneut ein Fahrzeug in Betrieb nehmen.

Um 10,4 Prozent stieg auch die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Kinder (bis 14 Jahre, Anm.) auf 2858. Meist verunglücken die Kleinen als Mitfahrer im Auto. Daher betonte Leichtfried: "Ein paar Handgriffe reichen oft, um Kinder richtig zu sichern: Der passende Sitz, eine aufrechte Position und ein gut angezogener Gut können Leben retten."