Mehr Gehalt für Spitalsärzte

Ein Arzt laeuft ueber einen Gang in der Notaufnahme.
Foto: AP Die steirischen Spitalsärzte bekommen höhere Grundgehälter.

Maximale Arbeitszeit von 60 auf 48 Wochenstunden reduziert

Auf der Warteliste für Turnusärzte wartet niemand mehr. Zu  meiner Zeit waren da noch 600 Namen drauf“, erinnert sich Herwig Lindner, Präsident der Ärztekammer. Ärztemangel an steirischen Spitälern einerseits, aber auch das ab Jänner geltende Arbeitszeitgesetz beschleunigten die Verhandlungen rund um Gehälter und Dienstzeiten in der steirischen Spitalsholding: Mit Jänner werden die Gagen deutlich erhöht, die Wochenarbeitszeiten aber  reduziert.
Derzeit leisten die rund 2000 Mediziner der Krankenanstaltengesellschaft (KAGES) überdurchschnittlich viele (Journal-)Dienste monatlich, bis zu sechs nämlich. Erlaubt sind laut EU aber nur 3,5 Dienste und Wochenarbeitszeiten von maximal 48 Stunden, derzeit sind bis zu 60 Stunden in Spitälern üblich. Diese Mehrleistungen fetten aber das Grundgehalt auf, ein Drittel der Gage kommt aus diesem Bereich.

Weil ein großer Teil davon künftig wegfällt, mussten die Gehaltstabellen neu geschrieben werden, berichtet Kurienobmann Martin Wehrschütz. So erhält ein Turnusarzt künftig 2861 Euro (bisher 2400 Euro Grundgehalt), ein Assistenzarzt 2800 Euro (bisher 2200 Euro plus 400 Euro Ärztezulage). Noch deutlicher sind die Sprünge bei Fach- und Oberärzten: 4800 Euro statt 4280  Euro gibt es für einen Facharzt,  ein Oberarzt erhält statt 4743 Euro künftig 6300 Euro.

400 bis 500 neue StellenSatte Steigerungen, die aber auch die steirischen Spitäler als Dienstort attraktiver machen sollen, erläutert Landesrat Christopher Drexler, ÖVP. „Bei den Ärztegehältern war die Steiermark ja bisher im österreichweiten Vergleich im letzten Drittel.“ 400 bis 500 zusätzliche Dienstposten sind laut KAGES nötig, um generelle 48-Stunden-Wochen durchziehen zu können. Samt höherer Gehälter kostet dies das Unternehmen kommendes Jahr 28 Millionen Euro zusätzlich, in jedem weiteren Jahr 35 Millionen Euro. Bis 2021 erlaubt die EU eine Übergangsphase; Mediziner können sich auch freiwillig verpflichten, wöchentlich länger Dienst zu machen.
Doch Geld allein sei nicht alles, betont Ärztechef Lindner. „Die jungen Kollegen wollen eine gute Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen.“ Die finden sie offensichtlich nicht in Österreich: 2800 österreichische Ärzte arbeiten derzeit allein in Deutschland, im Gegenzug jedoch nur 1000 deutsche Mediziner in Österreich. Von den jährlich 1400 Absolventen der Med Unis gehen 600 ins Ausland. „Diesen Luxus leistet sich kein Privater: 300.000 bis 400.000 Euro in die Ausbildung zu investieren, aber dann Absolventen nicht im Land halten zu können.“
 

(KURIER) Erstellt am
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