Marihuana als Medizin: "Heilsverspre­chen ist unseriös"

Cannabis Zucht …
Foto: Kurier/Juerg Christandl Eine der Zuchtanlagen von Flowery Fields in Österreich

Ein Jurist ist mit seinen Hanf-Plantagen der Marktführer in Österreich.

Der Andrang beim Cannabis-Ausverkauf am Donnerstag in Wien-Neubau war groß. Der Shop Magu handelt mit Hanfkraut, das einen THC-Anteil von weniger als 0,3 Prozent hat und deshalb nicht berauschend wirkt. Der Verkauf ist dadurch legal. Auf diese Gesetzesgrundlage stützt sich auch Alexander Kristen.

45 Mitarbeiter

Der Jusrist ist mit seinem Unternehmen Flowery Field Marktführer beim Verkauf von Hanfpflanzen in Österreich. Kristen handelt mit 100 verschiedenen Sorten auf einer Pflanzfläche von 2000 Quadratmetern. Pro Woche verkauft Flowery Field 25.000 Hanfstecklinge in ganz Österreich. 45 Mitarbeiter kümmern sich um die Aufzucht und forschen auch mit der Hanfpflanze. Neben der Zentrale in Brunn am Gebirge (NÖ) gibt es drei Filialen in Wien, jeweils einen Shop in Klagenfurt und Linz und noch mehrere Produktionsstandorte.

"Wir verkaufen Hanfstecklinge im Rahmen des Handelsgewerbes als Hanfzierpflanzen. Wir legen viel Wert auf Sicherheit, halten uns an alle behördlichen Vorgaben und haben die höchsten Qualitäts- und Technologiestandards", sagt Kristen im KURIER-Gespräch. Der Grund, warum die Kunden das Kraut trotz des Ausbleibens der Berauschung kaufen, ist der natürlich enthaltene Wirkstoff CBD (Cannabidiol). Er soll unter anderem Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Rheuma lindern , krampflösend, entzündungs- und schmerzlindernd wirken.

Kritik an CBD

Den Hype um den Wirkstoff sieht der Betreiber der Hanfplantagen aber kritisch: "Derzeit fehlen Qualitätskontrollen und viele Anbieter werben mit Heilsversprechen. Das ist unseriös. In vielen CBD-Produkten ist nicht jene Wirkstoffzusammensetzung drin, die draufsteht und der THC-Gehalt liegt meist über der Legalitätsgrenze. Der Gesetzgeber wird hier handeln müssen, denn es sind unkontrollierte, mitunter verunreinigte Präparate im Umlauf, die häufig von nicht fachmännischer Hand an die Patienten weitergegeben werden", sagt Alexander Kristen.

In Deutschland hatte diese bedenkliche Entwicklung bereits rechtliche Folgen: Seit Oktober 2016 können CBD-Produkte nur noch in Apotheken mit Rezept gekauft werden.

Flowery Fields forscht selbst mit CBD und hat im Labor bereits zwei CBD-Sorten entwickelt. Dem Unternehmen ist es gelungen, Cannabispflanzen im Reagenzglas künstlich zu vermehren und diese damit ohne Einsatz von Pestiziden steril und virenfrei zu produzieren.

Legalisierung

Abgesehen vom momentanen CBD-Hype ist die Legalisierung von Marihuana in Österreich schon seit Jahren ein großes Thema. Dass es tatsächlich eines Tages erlaubt sein wird, Cannabis mit berauschender Wirkung zu konsumieren, glaubt Kristen allerdings nicht: "Eine Legalisierung ist in Österreich nicht realistisch, diese Diskussion ist müßig. Realistisch und notwendig ist aber die Legalisierung von Cannabis in der Medizin und die konsequente Entkriminalisierung von Freizeitkonsumenten ab 21 Jahren."

Cannabis Zucht … Foto: Kurier/Juerg Christandl Als Teil einer fanatischen Legalisierungscommunity sieht sich der Jurist nicht, aber: "Wir täten gut daran, Cannabis durch mehr Sachlichkeit aus der Schmuddelecke zu holen und auf den bewiesenen medizinischen Nutzen der Pflanze bei ärztlicher Anwendung zu fokussieren."

Wann Cannabis in Österreich legal ist:

Hanfstecklinge, wie sie Flowery Fields verkauft,  taugen   alleine nicht für einen Rausch, da der als Suchtgift verbotene Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) sich erst in den Blüten entfaltet. Wer aus den Pflanzen THC gewinnen will, müsste die Zierpflanzen erst zum Blühen bringen. Bestätigt wurde die Rechtsansicht 2014 durch einen Beschluss des Oberlandesgerichts Wien. Darin wurde festgehalten, dass der Verkauf von Hanfzierpflanzen in der vegetativen Phase legal ist, sofern keine Beratung „zu anderen Zwecken“ erfolgt.

(kurier) Erstellt am
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