Lost Place: Neue Pläne für das Mittersteigtheater
Der Verein "Unter Wien" hat das ehemalige Kino vor Jahren fotografiert
Das Theater um das unterirdische Jugendstil-Theater in Wien-Wieden geht nun in den nächsten Akt. Mittlerweile war die Baupolizei vor Ort und es gibt neue Informationen über die Nutzung des Areals für 600 Besucher, die für manche allerdings enttäuschend sein werden.
Wie berichtet, wird seit Wochen an der denkmalgeschützten Adresse gebaut. Das 1911 unter einem großen Wohnblock fertiggestellte Theater am Mittersteig, der heutigen Bezirksgrenze zwischen Wieden und Margareten, hat eine mehr als wechselvolle Geschichte. Kein Besitzer des Ferdinand-Saals blieb hier länger als ein paar Jahre. Er diente als Kino, Außenstelle der Stadthalle, Bordell, Möbellager oder Sportstätte.
Das Mittersteig-Theater wird saniert
2025 wurde das mittlerweile „Athletik-Center“ genannte Theater von der BUWOG an die neu gegründete ZKS RABELLI GmbH verkauft. Die Immobilien-Firma hat den offiziellen Zweck „An- und Verkauf, Entwicklung und Verwertung von Immobilien sowie Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, insbesondere im Bereich Kunst und Kultur“.
Hinter der GmbH steht Mohammed Reza Akhavan Aghdam, schweigsamer Multimillionär mit iranischen Wurzeln. Der 56-Jährige ist aktuell an 89 Firmen beteiligt, von JP-Immobilien gehören ihm 45 Prozent. JP sorgte vor Jahren für Aufsehen, weil sie 20 Zinshäuser an noblen Innenstadt-Adressen für 220 Millionen Euro an die Karl-Wlaschek-Stiftung verkaufte.
Der neue Bauplan
30 Jahre Leerstand
Das beeindruckende ehemalige Kino, das seit 30 Jahren unbenutzt ist, steht unter Denkmalschutz. „Die Unterschutzstellung aus dem Jahr 2012 umfasst den Saal sowie dessen Erschließung von Straße, Parterre und Untergeschoss“, erklärte das Denkmalamt. Obwohl gebaut wird, wurden noch keine Pläne für den Umbau des Theaters eingereicht.
„Grundsätzlich wurde im Jahr 2025 bei uns eine Bauanzeige eingebracht für bauliche Änderungen im Empfangsbereich und in den Nebenräumen“, heißt es bei der Baupolizei. „Die Änderungen betreffen nur das Erdgeschoss – genauer gesagt die Kassenbereiche ebenso wie die Garderoben und Sauna, das Versetzen von Zwischenwänden oder den Abbruch einer Zwischendecke.“
Anfang Mai - kurz nachdem der KURIER über möglicherweise illegale Bautätigkeiten berichtet hatte - wurde eine weitere Bauanzeige für den Tausch der Fenster eingebracht. „Laut einer Stellungnahme der MA 19 werden die Materialien und Proportionen der Fenster analog zur ursprünglichen Fassade von 1911 ausgeführt und in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt gestaltet. Somit haben wir auch diese Bauanzeige zur Kenntnis genommen“, heißt es bei der Baupolizei.
Mittlerweile war ein Mitarbeiter der Bauinspektion vor Ort, um eine Kontrolle durchzuführen. „Die Bauarbeiten entsprechen der Bauanzeige, somit ist von unserer Seite alles rechtens. Im Übrigen bleibt der denkmalgeschützte Saal im Kellergeschoss unverändert. Grundsätzlich gilt: Etwaige Bewilligungen für die Veranstaltungsstätte und den Denkmalschutz betreffend sind vom Bauwerber kumulativ und unabhängig von den eingangs erwähnten Bauanzeigen eigenständig zu erwirken“, erklärt Nicole Nestler von der Baupolizei.
Klarheit: Die wichtigsten Begriffe
Margareten, seit 1850 Teil von Wien, ist ein klassischer Wiener Arbeiterbezirk. Hier wurde 1919 der erste Wiener Gemeindebau, der Metzleinsthalerhof, eröffnet. 54.400 Menschen leben in dem 2 km² großen Margareten, das macht ihn zu einem der am dichtesten besiedelten Bezirke der Stadt. Die Zeichen stehen derzeit auf Veränderung: Es wird an der Verlängerung der Linie U2 bis Favoriten gearbeitet, mit der Station Reinprechtsdorfer Straße erhält Margareten die erste U-Bahn-Station im Herzen des Bezirks. Bezirksvorsteherin ist Silvia Jankovic (SPÖ).
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