Eudard Lopatka vor Gericht

© /elmar gubisch

Chronik Österreich
04/02/2019

Lopatka-Prozess: "Ich hab gedacht, jetzt erschießt er uns"

Am dritten Prozesstag in Graz schildern zwei Töchter des Angeklagten ihre Kindheit.

von Elisabeth Holzer

Wie ihr jüngerer Bruder wollen die Schwestern ihren Vater nicht sehen. Richter Oliver Graf befragt sie hintereinander in einem weit entfernten Raum. Durch eine Videoübertragung kann Eduard Lopatka in Gerichtssaal hören, wie seine Töchter ihre Kindheit schildern.

Am Vormittag ist Miriam an der Reihe. Der 25-Jährigen stockt immer wieder die Stimme, wenn sie schildert, dass sie "von klein auf" gequält worden sei: "Er hat uns beleidigt, gegeneinander aufgehetzt."

 

Der Mediziner aus der Oststeiermark ist angeklagt, weil er seine vier mittlerweile erwachsenen Kinder seelisch gequält haben soll. Und das zwölf Jahre lang: Ständige Suiziddrohungen, Warnungen, die Familie werde verarmen, Selbstverletzungen. Am ersten Prozesstag am 26. Februar merkte Richter Oliver Graf an, das sei ja wohl „schlimm für eine Kinderseele“.

Miriam erzählt von "laufenden" Suizid-Androhungen ihres Vaters. Als sie vier Jahre alt gewesen sei, habe sie ihn mit einer Waffe an der Schläfe gesehen. Mit Suizid habe er ständig gedroht. "Aus Nichtigkeiten. Am Esstisch meistens, wenn wir nicht aufgegessen haben. Und manchmal hat's gar keinen Grund gegeben."

Ob sie das alles ernst genommen habe, will der Richter wissen. Ja, sagt Miriam. "Als ich älter geworden bin, habe ich gehofft, dass er es wirklich tut. Ich wollte einfach, dass er weg ist. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. "

Der Richter hält kurz inne. Es gäbe doch auch andere Möglichkeiten, Distanz zu schaffen, betont er. Da platzt es aus Miriam heraus: "Ich hab Angst gehabt, dass er uns was antut. Dass er auszuckt", erinnert sie sich und beschreibt eine Szene: Da habe ihr Vater so getan, als zöge er eine Waffe hinter dem Rücken hervor. " Ganz langsam war das. Er hat uns mit einem wirren Blick angeschaut. Da hab' ich gedacht, er erschießt uns."

 

Richter Graf hat mindestens fünf Verhandlungstage eingeplant und will auch Zeugen hören, die sein Kollege Andreas Rom im ersten Prozess 2017 nicht zuließ. In zwei Wochen sagen die Ex-Frau und eine weitere Tochter aus, danach soll das psychiatrische Gutachten erörtert werden. Auch eine Sachverständige wird geladen: Adelheid Kastner bewertete Lopatka in ihrer Expertise als manipulativ und theatralisch, aber als zurechnungsfähig.

Dennoch könnte das Urteil noch im April fallen. Im ersten Prozess 2017 sprach Richter Rom Lopatka frei: Er sah in den Vorwürfen bloß einen „verspäteten Rosenkrieg“ nach der Scheidung. Das Oberlandesgericht Graz hob den Freispruch auf, deshalb muss neu verhandelt werden.

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