Für jeden dritten Lebenslangen endet die Strafe mit dem Tod, für andere dauert sie zwischen 16 und 37 Jahre. (Im Bild: Der Hochsicherheitstrakt der Justizanstalt Stein in Krems)

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Bedingte Entlassung
08/09/2015

Lebenslang dauert in Österreich im Schnitt 21 Jahre

532 Mörder kamen seit 2000 vorzeitig aus dem Gefängnis, Perspektive dämpft Gewaltpotenzial.

von Ricardo Peyerl

532 Mörder wurden in den vergangenen 15 Jahren in Österreich vorzeitig bedingt aus der Strafhaft entlassen. Viele von ihnen aus lebenslangem Freiheitsentzug. Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Christian Lausch durch das Justizministerium hervor.

Wie lange ist lebenslang? Jeder dritte zur Höchststrafe Verurteilte stirbt hinter Gittern.

So wie der zur Tatzeit 86-jährige Wiener, der 2011 seine 90-jährige Frau mit einem Kopfschuss ermordet hatte und mit einem Suizidversuch gescheitert war; er starb kürzlich im Gefängnis. Oder Franz Xaver Pfaffenbichler, der 2009 die Krankenschwester Helga L. in der Tiefgarage des Wiener Hanusch-Krankenhauses beim Kampf um ihr Auto erschossen hatte; der 53-Jährige erlag 2013 in Haft seinem Krebsleiden.

Vergiftet

Ausländische Straftäter können zur Verbüßung ihrer (auch lebenslangen) Strafe ins Heimatland überstellt werden. Wie die Putzfrau Bogumila Wojtas, die zwei Pensionisten mit Arsen vergiftet hatte, nachdem sie sich deren Vermögens bemächtigt hatte. Die 54-jährige Polin verbüßte die ersten drei Jahre ihrer lebenslangen Haftstrafe in Österreich und wurde kürzlich in ihre Heimat transferiert, wo sie den Rest absitzen soll. Wie lange auch immer der in Polen dauern mag.

Bei uns dauert Lebenslang im Schnitt 21 Jahre. Nach frühestens 15 Jahren können zu lebenslangem Freiheitsentzug verurteilte Straftäter vorzeitig auf Bewährung entlassen werden, wenn sie nicht mehr als gefährlich gelten. Man müsse Häftlingen diese Perspektive geben, sagt Erich Huber-Günsthofer von der Strafvollzugs-Verwaltung. Die Gewaltbereitschaft im Gefängnis wäre nicht mehr beherrschbar, wenn Gefangene absolut keine Chance mehr hätten, jemals wieder in Freiheit zu kommen.

Laut dem langjährigen Leiter der Strafvollzugsakademie, Wolfgang Gratz, wirkt die Aussicht auf bedingte Entlassung als Motivation zu Deliktaufarbeitung und Teilnahme an einer Therapie. Man könne damit die Rückfallquote senken.

Zwar kamen 91 der seit dem Jahr 2000 bedingt entlassenen 532 Mörder wieder mit dem Gesetz in Konflikt, bei den Delikten handelte es sich aber überwiegend um Kleinkriminalität.

Knapp nach der Mindestzeit entlassen zu werden gelang dem heute 55-jährigen Celal B., der als türkischer Pate galt. 1988 war seine Tochter in der Türkei von deren Ehemann mit dem Jagdgewehr erschossen worden. Der Vater hatte dazu den Auftrag gegeben, weil die Tochter "Schande über die Familie" gebracht habe. Nicht ganz 16 Jahre nach Haftantritt wurde Celal B. 2013 aus der lebenslangen Haft bedingt entlassen. Die in solchen Fällen übliche Bewährungshilfe wurde nicht angeordnet, weil der Türke in seine alte Heimat zurückging.
Angeblich zurückging, muss man sagen. Amyn Radwan Gindia saß fast 25 Jahre im Gefängnis. Der 47-Jährige hatte 1987 einen Drogendealer und zwei Jahre später bei einer Verkehrskontrolle in Maria Lanzendorf, NÖ, einen Gendarmen ermordet. Ende 2014 hatte er alle Therapien abgeschlossen und wurde aus der lebenslangen Haft entlassen. Weil er nach Ägypten in die Heimat seines Vaters übersiedelte, entfiel die Probezeit mit Bewährungshilfe. Doch der Doppelmörder kam zurück, brach im März in eine Drogerie ein, wurde bei einem Schusswechsel mit der Polizei getroffen, bevor er eine Handgranate zünden konnte. Jetzt sitzt er wieder.
2014 kamen 58 Mörder vorzeitig frei. Darunter zwei Taxlermörder. Siegfried G. hatte aus Hass auf Ausländer einen ägyptischen Taxilenker erschossen. Der Richter hielt ihn für eine "tickende Zeitbombe" beziehungsweise für "ein Monster". Nach 17 Jahren wurde G. auf Bewährung entlassen.

Kurt G., der ebenfalls einen Taxifahrer mit Kopfschuss ermordet und ausgeraubt hatte, durfte das Gefängnis nach 16 Jahren verlassen.

Postraub

18 Jahre seiner lebenslangen Freiheitsstrafe musste ein Sportschütze aus NÖ absitzen, der 1996 den Leiter des Postamtes Loosdorf im Weinviertel erschossen hatte.

"Ich musste sie töten, kein anderer sollte sie bekommen": So begründete der damals 26-jährige Johann A., weshalb er 1994 seine 44-jährige Lebensgefährtin mit einem erst kurz zuvor gekauften Winchestergewehr ermordet hatte. Sein Lebenslang dauerte 21 Jahre.

Ebenso lang wie für den eifersüchtigen Wiener Karl S., der seine Ex-Lebensgefährtin (Mutter zweier Kinder) auf einem Spielplatz erschossen hatte.

Der "längstdienende" Häftling Österreichs ist der Raubmörder und Häfenausbrecher Juan Carlos Chmelir. Der 65-Jährige sitzt seit 37 Jahren hinter Gittern.