Chronik | Österreich | Landlust
01.04.2017

Das Schloss, in dem alle mithelfen

17 Gemeinden funktionierten Komplex nach Landesausstellung um.

Im von Abwanderung geplagten niederösterreichischen Ötscherland ist ein junges Betriebsprojekt dabei, ein Vorzeigemodell zu werden. Das Schloss Neubruck, es gehörte einst dem Industriepionier Andreas Töpper, wurde nach der Landesausstellung "Ötscherreich" im Jahr 2015 von einer Gesellschaft aus 17 Gemeinden und drei Banken des Bezirks Scheibbs übernommen. Nach nicht einmal zwei Jahren sind die 2000 Quadratmeter Büroflächen im Schloss ausgebucht.

"Es ist eine Freude. Damit haben wir in dieser Zeit nicht gerechnet", meint Christine Dünwald. Die Scheibbser Bürgermeisterin teilt sich mit ihrer Kollegin aus St. Anton/Jeßnitz, Waltraud Stöckl, den Vorsitz in der Neubrucker Immobiliengesellschaft (NIG). Zwar wurde das großflächige Töpperschloss vom Land NÖ mit Millionenaufwand saniert, doch für die wirtschaftliche Nutzung und Auslastung haften die Kommunen ebenfalls mit einem Millionenbetrag selbst.

Ins Schloss Neubruck sei nachhaltiges Leben eingekehrt. "Viele helfen mit und bringen sich ein", schildert Geschäftsführer Andreas Hanger. Als Obmann der Leaderregion NÖ Eisenstraße und ÖVP-Nationalratsabgeordneter managt er die NIG ehrenamtlich. Noch vor einigen Wochen starteten die Neubrucker eine Crowdfunding-Aktion. Financiers sollten für ein Projekt gewonnen werden, im Schloss Touristenzimmer zu installieren. Im Gegenzug hätten sie Anspruch auf Urlaube im Schloss bekommen. "Jetzt haben wir hier keinen Platz mehr, aber die Idee lebt noch", sagt Hanger.

Imposant

Denn das imposante Schlossgebäude inmitten der voralpinen Landschaft lockt immer mehr Selbstständige an. So zog es den jungen Gastronomen Daniel Specht aus St. Pölten an. Er hat in der von der NIG selbst geführten "Gastwirtschaft" mit fünf Beschäftigten das Kommando übernommen. Ab Mai will er mit einem Heurigen für noch mehr Belebung sorgen. Im vergangenen Jahr wurde die Idee des Hochzeitsschlosses entwickelt. Die Eventfirma "Streets" hat für heuer bereits acht Hochzeiten eingebucht.

Außerdem ist das Gebäude Anlaufstelle für Ausflügler: Seit 2016 sind das Büro der Mostviertel Touristik mit 18 Beschäftigten und das Management der Eisenstraße mit fünf Mitarbeitern vier vertreten.

Für richtig Aufsehen sorgt der jüngste Zuzügler. Der in Asien ausgebildete Humanenergetiker und Allgemeinmediziner Wolfgang Müller und seine Partnerin Iris Spieler übersiedeln ihre mehrere Hundert Quadratmeter große Ordination vom oberösterreichischen Mühlviertel hierher. Mit durchschnittlich einem Dutzend Patienten aus nah und fern pro Tag ist zu rechnen.

Konditor

Dynamik herrscht auch im zum Betriebspark umfunktionierten Schlosspark. Aktuell errichtet dort die Scheibbser Traditions-Konditorei Reschinsky eine neue Produktionsstätte. Leckeres aus dem Töpperschloss, wie Lebkuchen oder die einzigartigen Scheibbser Kugeln süßen das Image weiter auf.

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