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Chronik Österreich
09/03/2019

Landapotheken fürchten um ihre Existenz

Kammer sieht 577 Landapotheken gefährdet, falls die Beschränkungen für Ärzte-Hausapotheken fallen.

von Martin Gebhart

Die Debatte um Landärzte hat jetzt die Apotheken unter Zugzwang gesetzt. Vor allem die Forderung von Ärzte-Initiativen, die Beschränkungen für die Hausapotheke aufzuheben. Für die Kammervertretung ist klar: Mehr Ärzte-Hausapotheken gefährden die Existenz vieler Landapotheken. Einer internen Erhebung zufolge würde es 577 Betriebe treffen.

Heute trifft sich nun der Landapothekenausschuss, um über diese alarmierenden Zahlen zu diskutieren. Derzeit gibt es in Österreich 1.372 öffentliche Apotheken und weitere 29 Filialen. Fast die Hälfte davon findet sich in ländlichen Gemeinden. 577 plus 24 Filialen wären betroffen, falls das Apothekengesetz geändert wird.

„Das wird gravierende Auswirkungen auf die Versorgung der ländlichen Bevölkerung haben und das bewährte System der Arzneimittelversorgung prinzipiell in Frage stellen“, heißt es dazu in einer Aussendung der Österreichischen Apothekerkammer. Viele Gemeinden würden dadurch auch einen Gesundheits-Nahversorger verlieren, so die Warnung.

Initiative macht Druck

Anlass für die Erhebung war die Initiative „Plattform Einarztgemeinde“, die österreichweit Vorträge und Diskussionsrunden organisiert, um Druck auf die Politik zu machen. Derzeit ist ein Abstand von sechs Kilometern zur nächsten öffentlichen Apotheke vorgeschrieben, um als Landarzt eine Hausapotheke führen zu können.

Die Plattform fordert nun die Aufhebung dieses Abstands in Gemeinden mit nur einem Allgemeinmediziner (Einarztgemeinden). Der Druck wirkt, weil für die Politik die Lösung des Landarzt-Mangels ein entscheidender Punkt ist. Im niederösterreichischen Landtag wurde bereits mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ eine Forderung an die Bundesregierung beschlossen, diese Beschränkungen für Landärzte aufzuheben, weil die Hausapotheke vielfach als wichtiger Faktor angesehen wird, um für Ärzte den ländlichen Raum attraktiv zu machen.

Laut der Apotheker-Erhebung würde es aber ohne die derzeitige Regelung statt derzeit 887 in Zukunft 1.246 Hausapotheken in Österreich geben. Ein europäischer Spitzenwert.

Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Apothekerkammer, hält davon wenig. In einem KURIER-Gespräch hatte sie bereits vor einiger Zeit dazu bemerkt: „Ich habe überhaupt nichts gegen Hausapotheken. Sie dienen allerdings nur der Notversorgung. Es ist sicher nicht im Sinne des Patienten, sich flächendeckend auf eine Notversorgung zu beschränken.“

Die Apothekerkammer wehrt sich auch gegen das Argument der Ärzte-Plattform, dass ein Nebeneinander von Landapotheken und Ärzte-Hausapotheken in einer Gemeinde möglich sein muss. „Dabei wird übersehen, dass ein paralleler Betrieb von öffentlicher Apotheke und ärztlicher Hausapotheke schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist.

Öffentliche Apotheken erwirtschaften den Großteil ihrer Umsätze mit Kassenrezepten. Hausapotheken-führende Ärzte geben hingegen die verordneten Arzneimittel gleich direkt an ihre Patienten“, so die Apothekerkammer. Diese Kassenrezepte würden aber 80 Prozent des Umsatzes der Landapotheken ausmachen.

Gute Kooperation

Die Ärzte-Plattform hat zwar mit der Ärztekammer nichts zu tun, deren Forderungen finden dort aber Anklang (siehe Artikel unten). In der Apothekenkammer hofft man dennoch, mit den Ärzten eine gemeinsame Lösung zu finden. „Ärzte und Apotheker sind an einer guten Kooperation interessiert und leben diese auch. Vereinzelte Meinungsverschiedenheiten sind nicht repräsentativ“, heißt es aus der Apothekerkammer. Und wie soll dann das Landarztproblem gelöst werden?

Die Antwort der Apotheker: „Es sollte besondere Förderungen und Prämien für Landärzte geben, wie etwa in Deutschland.“ Da sei die Politik gefordert.