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Chronik Österreich
09/03/2019

Ärzte-Forderung nach Hausapotheken

Laut NÖ Ärztekammerpräsident Reisner seien Hausapotheken für Jobzufriedenheit wichtig.

von Katharina Zach

Dass Ärzte in Gemeinden, in denen es nur einen Hausarzt gibt, eine ärztliche Hausapotheke führen dürfen sollen, hält Christoph Reisner, Präsident der nö. Ärztekammer für eine „sinnvolle Forderung“. „Es macht ja keinen Sinn, wenn es am weiten Land Apotheken gibt, aber die Ärzte kommen abhanden“, sagt er in Hinblick auf das zuletzt vielfach thematisierte Landarztsterben. In den kommenden zehn Jahren sollen laut Statistik nämlich rund die Hälfte der Kassen-Ärzte das Pensionsalter erreicht haben.

Die Hausapotheken, meint Reisner, seien ein Faktor, um den Job des Hausarztes potenziellen Nachfolgern attraktiv zu machen. Nicht nur finanziell – auch wenn das durchaus eine Rolle spiele. „Es ist ein Grund, der das Arbeiten angenehm macht, wenn ich dem Patienten nicht nur ein Rezept in die Hand drücken muss“, meint der Ärztekammer-Präsident. Gerade am Land seien viele Menschen nicht so mobil und die nächste Apotheke nicht leicht erreichbar, um das Rezept rasch einzulösen zu können“, sagt Reisner.

Derzeit gilt: Nur wenn eine öffentliche Apotheke mehr als sechs Straßenkilometer entfernt liegt, kann ein Arzt den Betrieb einer Hausapotheke in seiner Gemeinde bewilligen lassen. Bei der Übernahme einer Kassenstelle mit Hausapotheke muss die Entfernung mindestens vier Kilometer betragen. Gibt es im Ort bereits eine Apotheke, dann ist keine Hausapotheke erlaubt. Die Regelung führe, laut Reisner, zu Situationen, dass Bürgermeister Einbahnen umdrehen lassen, um den Kilometerabstand zu erhöhen.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit ist für Niederösterreichs oberstem Mediziner ebenfalls ein Grund für eine aktuelle Forderung der Kammer. Reisner: „Darum fordern wir, dass jeder Arzt, auch Fachärzte, ein gewisses Grundsortiment an Medikamenten abgeben dürfen.“ Dazu seien die Fachgruppen gefragt worden, welche Arzneien sie häufig verschreiben – je nach Fachrichtung umfasse das wenige Medikamente, etwa Schmerzmittel oder Antibiotika. Reisner betont, dass das kein Ersatz für eine Apotheke sein soll.

Die Patienten jedenfalls dürften die Ärzte auf ihrer Seite haben. Laut einer aktuellen Umfrage der Ärztekammer Wien (Sample: 737) finden 54 Prozent‚ dass man Medikamente auch beim Arzt erhalten sollte. Laut Reisner sei die Zustimmung am Land noch höher.Katharina zach