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Chronik Österreich
08/15/2020

Kroatien: Zigtausende Österreicher brechen ihre Zelte ab

Meer geht nicht mehr: Am Samstag haben sich viele Urlauber auf dem Heimweg gemacht. Ungemach ist vorprogrammiert.

von Uwe Mauch

Besonders enttäuscht ist das Ehepaar aus Tirol. Die ganze Nacht sind die Beiden von Innsbruck zum Campingplatz Solaris bei Porec (Istrien) durchgefahren, um dann am Freitagvormittag zu erfahren: Reisewarnung für Kroatien! Zelt gleich wieder abbauen! Zurück zum Start!

Zigtausende Österreicher - die kroatischen Behörden sind gerade dabei, die genaue Zahl zu eruieren - sind seit Freitagmittag auf dem Weg in Richtung Norden.

Die Kritik des kroatischen Botschafters in Wien, Daniel Gluncic, in der Wochenendausgabe des KURIER an der Entscheidung der österreichischen Regierung wird auch hier auf dem Campinplatz Solaris mehrheitlich geteilt: "Warum haben sie sich nicht die Zahlen angesehen?" Fragt eine Wienerin, die schon am Freitagabend mit ihrem Wohnmobil die Grenze bei Spielfeld "problemlos" passieren konnte.

"Dann hätten sie gesehen, dass zum Beispiel in Istrien und in der Kvarner Bucht die Zahlen niedrig wie bei uns in Vorarlberg sind. Mir tun auch unsere kroatischen Gastgeber leid, die sich wirklich sehr viel Mühe gegeben haben und alle Hygienevorschriften mustergültig eingehalten haben."

Juristische Klage steht im Raum

Leidtragende an der eilig ausgesprochenen Reisewarnung sind auch österreichische Reiseveranstalter wie zum Beispiel der in Liezen beheimatete Wohnmobil-Anbieter Gebetsroither. Seit Freitagmittag sind die Mitarbeiter des Familienbetriebs mit der Beantwortung von Fragen, Stornos und Umbuchungswünschen konfrontiert.

Finanzchef Jürgen Anderle ballt zeitgleich seine Fäuste im Hosensack, und er kündigt an: "Als sorgfältig agierender Kaufmann werde ich am Montag unseren Anwalt treffen, um zu prüfen, ob unsere Regierung nach Recht und Gesetz handelt und ob wir nicht doch eine Schadenersatzklage gegen die Republik Österreich und im Speziellen gegen die Regierung einbringen müssen."

Die Firma Gebetsroither hat bereits im Frühjahr einen Millionenverlust verbuchen müssen, in den vergangenen Wochen war man mit der Buchungslage nicht unzufrieden. Das neuerliche Defacto-Sperren der Grenzen stellt auch diesen Reiseveranstalter vor ernsthafte Probleme.

Viele österreichische Urlauber verabschiedeten sich am Samstagvormittag vom Meer, was wenige Stunden später auch auf den Verkehrskameras des kroatischen Automobilklubs HAK zu sehen war: Die Autokolonne etwa beim kroatisch-slowenischen Grenzübergang wuchs zunehmend an.

Dazu ein Tipp aus der KURIER-Redaktion: Als mögliche Ausweichroute für Ostösterreicher bietet sich die Autobahn in Richtung Varazdin an, von dort gibt es gut ausgebaute Bundesstraßen durch Slowenien in Richtung Bad Radkersburg oder aber via Koprivnica durch Ungarn (Szombathely, Köszeg) nach Oberpullendorf.

Pünktlich am frühen Nachmittag hob von der dalmatinischen Insel Brac die letzte Chartermaschine in Richtung Linz ab, bis auf den letzten Platz besetzt. Mit an Bord waren auch die drei österreichischen Animateure des Hotels Bretanide.

Nur zwanzig Österreicher blieben in diesem Hotel zurück. Sie wollen sich ihren Urlaub nicht nehmen lassen, nehmen damit einen Covid-Test bzw. Heimquarantäne nach ihrer Rückkehr in Kauf.

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