Dankbar für die Hebelkräfte der Kunstwelt: Albertina zeigt Schenkungen
Die XXXL-bertina: Was die alles hat! Mehr jedenfalls, als sie zu irgendeinem Zeitpunkt in ihren mittlerweile drei Standorten auf einer Ausstellungsfläche von 8.861 Quadratmetern zeigen kann. Insbesondere die Sammlung der Kunst nach 1945 ist in den vergangenen Dekaden immens angewachsen, und anders als bei Werken auf Papier nehmen Gemälde, Großdrucke und Skulpturen auch gehörigen Raum ein.
Verantwortlich für diesen Zuwachs ist neben Dauerleihgaben eine große Menge von Schenkungen: Die 1.323 Werke, die die Familie Essl 2019 der Albertina überantwortete, stellt davon einen zentralen Teil (der Rest der Essl-Sammlung ist als „Familiensammlung Haselsteiner“ auf Dauer ans Haus gebunden).
Geschenk
Der Fokus der Schau „Donated With Love“, die den Albertina-Standort Klosterneuburg (das ehemalige Essl Museum) bis zum 15. 11. bespielt, geht aber über dieses Arrangement hinaus.
Zu sehen sind Werkblöcke, die das Museum in jüngerer Vergangenheit von Sammlern, Künstlerinnen und Künstlern oder von deren Nachlassverwaltern akquirieren konnte. Prominent darunter etwa die Stiftung des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein, die der Albertina – als einzigem Museum in Kontinentaleuropa – seit 2023 insgesamt 144 Skulpturen, Teppiche und Studien übergab. Künstler Sean Scully, dem Haus seit Langem verbunden, schenkte ebenfalls Gemälde, darunter eine rare Arbeit von 1975.
Verpackung
Angela Stief, Chefkuratorin für die Kunst nach 1945, oblag nun die Aufgabe, in den Klosterneuburger Räumen ein schlüssiges Ganzes zu schaffen (ein dritter Trakt eröffnet im August).
Eine durchgehende Erzählung lässt sich aus der Schau nicht ableiten, es geht eher um Werk-Konvolute und ästhetische Schwerpunkte: Die Pop Art und Comic-Ästhetik ist von Lichtenstein und Warhol bis zum Illustrator Saul Steinberg und der Österreicherin Michaela Konrad stark vertreten; die Werke ergänzen teils die Präsentation „Art & Comix“ in der Albertina Modern.
Expressive Malerei und der Grenzbereich von Tafelbild und Skulptur sind weitere Fokuspunkte, ein Raum zum Künstler Rudolf Polanszky ist besonders gelungen.
Liebe – und Strategie
Was das Museum durchaus transparenter darlegen könnte, sind die Mechanismen, durch die Kunstwerke zu Sammlungsstücken werden. Denn neben „Liebe“ steckt in Schenkungen stets auch Strategie: Wer ein Werk im Museum platziert, schlägt damit einen Nagel ein, an dem der Marktwert eines künstlerischen Werks festgemacht wird. Galerien verkaufen begehrte Werke daher teilweise nur an Sammler, die eine weitere Arbeit für ein Museum erstehen.
Steuervorteile sind eine weitere Motivation für Schenkungen – neben dem Wunsch, Kunst sichtbar und in guten Händen zu wissen. Wie Stief sagt, wäre eine Sammlungserweiterung ohne derlei Mechanismen schlicht nicht möglich. „Es sind Millionenwerte, die wir hier jedes Jahr einsammeln“, erklärt sie.
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