Chronik | Österreich
07.12.2018

Kritik an unnötigen Anrufen: „144 ist keine Service-Hotline“

Die Wiener Berufsrettung weist auf unnötige Anrufe hin und startet deshalb eine Social-Media-Kampagne.

25.000 Einsätze verzeichnen die Rettungsorganisationen monatlich in Wien. Neben kleinen Erkältungssymptomen, wie Husten und Schnupfen, ist die Leitstelle der Wiener Berufsrettung auch mit kuriosen Anrufen konfrontiert. Besonders in Erinnerung behalten haben die Sanitäter einen Betrunkenen, der auf einem Baugerüst Klimmzüge machte und sich dabei an der Unterlippe verletzte. Bis zu zehn Prozent der Anrufe seien laut Leiter Rainer Gottwald solcher Natur. „Wo ist die nächste Apotheke? Ich habe Kreuzschmerzen, komme ich in der Ambulanz schneller dran, wenn ich mit der Rettung fahre?“, seien ebenfalls keine Seltenheiten.

„Natürlich wollen wir, dass die Leute 144 rufen, aber nur wenn es sich um einen Notfall handelt. 144 ist keine Servicehotline, wo ich alles Mögliche erfragen kann, sondern eine Notrufnummer, wo es um Leben und Tod geht“, appelliert er an die Bevölkerung. Mit Beispielbildern wird die Wiener Berufsrettung deshalb ab Freitag auf Facebook und Instagram auf das Problem hinweisen. „Jeder Notruf, der nicht abgesetzt wird, wenn er nicht notwendig ist, ist eine gewonnen Ressource“, sagt Gottwald. Laut Berechnungen könnten so bis zu 2000 Notrufe im Monat weniger verzeichnet werden.

Denn die Patienten würden oftmals unterschätzen, was bei einem einzigen Anruf in Gang gesetzt werde. „Da ist wenigen bewusst, was hier passiert“, sagt er. Die Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung klären innerhalb weniger Fragen ab, wie kritisch die Lage ist. Falls eine lebensbedrohliche Situation vorliege, wird während des Gespräches schon der Rettungswagen zum Patienten geschickt. „Es wird dadurch eine Kette in Gang gesetzt, wo es nur mehr darum geht, so rasch wie möglich, beim Patienten zu sein und lebensrettende Maßnahmen zu setzen“, erklärt Gottwald.

Hausarzt aufsuchen

Er rät den Menschen, zuerst einen Arzt aufzusuchen. „Die erste Anlaufstelle sollte der Hausarzt sein. Ist dieser nicht zugegen, dann gibt es einen Hausarztersatz – und zwar den Ärztefunkdienst 141“, sagt er. Bei dem Funkdienst würden auch direkt Ärzte das Gespräch entgegennehmen. Außerdem gäbe es noch die Gesundheitsline 1450 der Stadt Wien.

Innerhalb der vergangenen fünf Jahren sind die Einsatzzahlen um 25 Prozent gestiegen. Der Grund sei laut Gottwald auf mehrer Faktoren zurückzuführen. „Erstens weil Wien wächst und zweitens, weil der Notruf zur Service-Hotline mutiert“, schildert er. Auch die Polizei würde laut ihm mit diesen Problemen kämpfen.

Laut dem Leiter der Berufsrettung gäbe es nun mal in einer Stadt eine geringere Hemmschwelle den Notruf zu wählen, als auf dem Land. Die Situation sehe in ländlichen Regionen ganz anders aus. Denn Anonymität gebe es dort nicht.