Dieter Zakel betreibt auf einer Wiener Tankstelle eine Praxis. Er hat täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet 

© KURIER/Gilbert Novy

Befragung
05/08/2014

Kritik an Öffnungszeit beim Doktor

Patienten würden Hausarzt der Spitalsambulanz vorziehen, wenn der entsprechend verfügbar wäre.

Das Problem der oft hoffnungslos überfüllten Spitalsambulanzen beschäftigt Patienten, Mediziner und politisch Verantwortliche seit vielen Jahren. Ideen zur Verbesserung der Situation gab es viele – auch die aktuell ausgerufene Gesundheitsreform hat wieder eine Umleitung der Patienten-Ströme im Visier. Eine positive Veränderung war allerdings bisher nicht spürbar. Gern wird den Patienten der Schwarze Peter zugeschoben, die nach Ansicht einiger Verantwortlicher lieber Spitalsambulanzen aufsuchen, statt zum Hausarzt zu gehen.

Jetzt melden sich die Patienten zu Wort. Und siehe da: Sie würden zum Praktiker vor Ort gehen, wenn der entsprechende Öffnungszeiten hätte. Das ergibt eine von Patientenanwaltschaft und Oekonsult österreichweit durchgeführte Befragung.

Knapp 70 Prozent der Befragten gaben an, nachts oder am Wochenende lieber zum praktischen Arzt als in die Spitalsambulanz gehen zu wollen – wenn der verfügbar wäre. Allerdings sagen 42 Prozent der rund 1100 Teilnehmer, dass sie mit den Öffnungszeiten ihres Hausarztes am Wochenende eher oder total unzufrieden sind. An Werktagen halten 37 Prozent die Öffnungszeiten für unpassend (Grafik).

Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger übt angesichts dieser Zahlen einmal mehr Kritik am aktuellen österreichischen Hausarztmodell. Er zitiert eine unveröffentlichte Analyse der Bundesgesundheitskommission: "Da ist auch von ungenügender Zugänglichkeit und zeitlicher Verfügbarkeit die Rede." Zur Kritik der Patienten an den Öffnungszeiten sagt er: "Jeder Wirtschaftsbetrieb, der mit solchen Zahlen konfrontiert wird, würde sofort reagieren."

Das würde auch die Ärztekammer gern. "Wenn die Politik den Ärzten endlich die Möglichkeit zeitgemäßer Kooperationen bieten würde", sagt Kammersprecher Martin Stickler. In Gruppenpraxen könnten mehrere Allgemeinmediziner auch an Wochenenden oder Tagesrandzeiten aktiv sein. Derzeit seien die Rahmenbedingen für solche Ärzte-Kooperationen aber nicht gegeben. Die Struktur der Ärzteschaft verschärfe das Problem noch: "55 Prozent der Allgemeinmediziner sind Frauen, die ein besonderes Interesse daran hätten, arbeitsteilig zu arbeiten." Bachinger geht noch einen Schritt weiter. Er will "multiprofessionelle Teams", die sich im niedergelassenen Bereich um die Patienten kümmern. Ärzte, Pflegekräfte und Apotheker sollten solche Kernteams bilden.

Tankstellen-Arzt

Einer, der zeigt, wie es jetzt schon gehen könnte, ist Dieter Zakel, 51, der derzeit als "Tankstellen-Arzt" für Schlagzeilen sorgt. Seine in einem Tankstellenshop in der Wiener Krottenbachstraße untergebrachte "dr.ive in"-Ordination misst gerade mal 10,72 Quadratmeter und hat von sechs bis 22 Uhr geöffnet – und zwar täglich. Der Allgemeinmediziner sperrte just an einem Feiertag vor rund einer Woche auf. "Es wird von Tag zu Tag besser", erzählt er. Durchschnittlich kämen sechs bis acht Patienten am Tag. "Die Menschen brauchen Hilfe – und keine Bürokratie."

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