Chronik | Österreich
21.08.2018

Krankenhaus Nord: Standort ist laut Experten „nicht optimal“

Der nötige Schallschutz und die Dämmung für das Spital verschlangen enorm hohe Summen

Viel Ärger hätte sich die Stadt Wien ersparen können, wenn sie für das Krankenhaus Nord einen anderen Standort gewählt hätte. Denn der gewählte Platz an der Brünner Straße (Floridsdorf) sei „nicht optimal“. Das erklärte Anton Plimon, Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT), am Dienstag in der U-Kommission zur Skandalbaustelle.

Das AIT hat 2007 die drei in Frage kommenden Standorte miteinander verglichen: Einen beim Heeresspital, einen an der Siemensstraße und eben jenen in der Brünner Straße.

Ein Standort, der sich wegen der (zunächst noch vorhandenen) ÖBB-Anlagen und der nahen S-Bahn als problematisch erwies. Um hier überhaupt ein Spital bauen zu können, waren umfassende Schallschutz-Maßnahmen erforderlich. Die Kosten schätzte das AIT mit elf Millionen Euro. Für Dämm-Einbauten gegen Vibrationen mussten weitere fünf bis zehn Millionen Euro ausgegeben werden.

Elektrosmog

Auch die Belastung durch elektromagnetische Felder war zum Zeitpunkt der Untersuchung exorbitant hoch – allerdings aufgrund der ÖBB-Geräte, deren Entfernung vom Grundstück ohnehin vorgesehen war. Trotzdem seien Erdströme auch nach Abbau dieser Quelle noch immer vorhanden, was in der Nähe von Eisenbahntrassen laut dem AIT-Chef allerdings normal sei.

Am letztendlich ausgewählten Gelände, dessen Kauf 2010 beschlossen wurde, dürften die Grenzwerte inzwischen eingehalten werden – „mit den Maßnahmen, die gesetzt wurden und wenn sie richtig gesetzt wurden“, wie Plimon betonte. Exakte Angaben dazu konnte er nicht machen.

Zumindest hinsichtlich Lärmschutz wäre der Stadt der Standort Siemensstraße günstiger gekommen. Die dort nötigen Maßnahmen hätten laut Schätzung nur acht Millionen Euro gekostet.

„Verantwortungslos“

Die ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec fühlt sich durch die Aussagen des Zeugen bestätigt: „Durch das AIT-Gutachten wurde der Krankenanstaltenverbund rechtzeitig vor Problemen mit elektromagnetischer Strahlung gewarnt. Dass das Spital trotzdem dort gebaut wurde – verbunden mit deshalb nötigen Gegenmaßnahmen in Millionenhöhe – ist gegenüber den Patienten verantwortungslos.“

Die SPÖ verteidigt die Wahl des Standortes: „Er wurde sehr bewusst gewählt“, sagt Gemeinderat Peter Florianschütz. „Die Infrastruktur der Umgebung und die gute Erreichbarkeit sind sehr wichtig. Auf Wald und Wiese errichtet man kein Krankenhaus. Das nützt niemanden“, betont der Gemeinderat und verweist darauf, dass 2010 der Grundstückskauf einstimmig – also auch mit der ÖVP – im Gemeinderat beschlossen wurde.