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50 Cent
02/28/2013

"Klo-Vignette" bringt elf Millionen Euro, die WCs werden aber nicht besser geputzt

Die Hintergründe zu dem neuen Gutschein-System scheinen alles andere als sauber.

von Dominik Schreiber

Eine durchschnittliche Autobahn-Toilette kostet den Betreiber derzeit rund 100.000 Euro pro Jahr – für Klopapier, Reinigung und Seife. Das neue Gutscheinsystem bringt dem Betreiber im Schnitt fast 150.000 Euro jährlich. Wie berichtet, sollen ab April auf den meisten der 89 Raststationen (und Tankstellen) künftig 50 Cent pro WC-Besuch eingehoben werden. Am Mittwoch bestätigten Mineralölwirtschaft und Asfinag die entsprechenden KURIER-Recherchen. Für ihre 50 Cent erhalten Autofahrer einen Gutschein, den sie an der Tankstelle oder im Shop einlösen können.

Da aber nur etwa 60 Prozent der WC-Besucher ihren Bon einlösen, bleibt den Betreibern ein nettes Körberlgeld übrig. Eine Autobahn-Toilette wird damit künftig zu einem guten Geschäft. Jeder Tankstellen- und Raststättenbesitzer macht damit nun aus einem Verlustposten einen Gewinn, der durchaus im fünfstelligen Eurobereich liegen kann – auf Kosten der Autofahrer.

Nur „Kostenbeitrag“

Ob die Toiletten künftig wenigstens besser geputzt werden? „Das ist als Kostenbeitrag zu verstehen, wir haben schon hohe Hygienestandards“, sagt Christoph Capek vom Fachverband der Mineralölindustrie. Nach seinen Angaben werden die Klobesucher durch das neue System künftig pro Jahr 11 Millionen Euro zahlen müssen.

„Wir würden es gerne weiterhin gratis haben“, betonte Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl. Warum die Autobahngesellschaft, die für die Gratis-WCs sogar zwei Gerichtsurteile erkämpft hat, dennoch umgefallen ist, erklärt er so: „Nur bei einem Drittel der Raststationen steht in den Verträgen, dass der Zugang zur Toilette kostenlos sein muss, beim Rest steht nur ,allgemein zugänglich’. Wir wollten nicht mit Vignettengeldern lange Prozesse führen.“

Genau darauf konzentriert sich der Ärger in den Internetforen: „Erst müssen wir die Autobahn mit Steuergeldern finanzieren, dann dafür Vignettengeld abliefern und nun für die WCs noch einmal bezahlen“, ist oft zu lesen.

Die beiden Automobilclubs ARBÖ und ÖAMTC wollen die Lage genau beobachten. „Wir werden künftig in die Vergabe unseres Rast­stätten-Awards auch die WC-Sauberkeit aufnehmen“, sagt ARBÖ-Geschäftsführerin Lydia Ninz. „Wir haben aber geschafft, dass der 50-Cent-Bon fürs Tanken genutzt werden kann, das gibt es nirgends in Europa.“ Auch der ÖAMTC findet es zumindest positiv, dass die wichtigsten Forderungen (etwa 12 Monate Zeit zum Einlösen der Gutscheine) umgesetzt wurden.Weiterhin gratis bleibt der Besuch jedenfalls bei den Schwerpunktparkplätzen der Asfinag. Schierhackl verspricht: „Das wird auch künftig so bleiben.“

Keine Gebühr bei „Klo-Rebellen“

„Es gab immer wieder Versuche zur Einführung einer Gebühr. Wir waren früher dagegen und sind es auch jetzt noch. Es kann also keine Rede sein, dass das neue Zugangssystem überall an Autobahnen gilt“, sagt Franz Perner von der Raststation Guntramsdorf an der Südautobahn in Niederösterreich. Wie auch an den drei weiteren Standorten der „Oldtimer-Gruppe“ in Zöbern, auf der Pack und in Oed werden die WC-Anlagen auch weiterhin ohne Gebühr nutzbar sein.

„Wir sind gegen diese Abzocke. Die kostenlose Nutzung der WC-Anlagen gehört einfach zum Service dazu“, sagt Perner. Und das, obwohl an Spitzentagen tausende Gäste die Raststation in Guntramsdorf frequentieren. Ein guter Teil davon nutzt nur die WC-Anlage, ohne etwas zu konsumieren. „Deswegen entstehen uns aber auch keine höheren Kosten. Die WC-Anlagen müssen so und so jede Stunde gereinigt werden. Und der Einbau eines Drehkreuzes kostet schließlich auch Geld.“

Perner ist auch aus praktischen Gründen gegen die WC-Gebühr: „Schon jetzt pinkeln manche einfach neben dem Parkplatz. Es ist mir hundert Mal lieber, die Leute gehen gratis aufs Klo, bevor die Grünanlagen rund um die Raststation als Latrinen verwendet werden. Das ist einfach nur unhygienisch.“

Gut fürs Geschäfte sei die Pinkel-Gebühr auch nicht: „Schon die hohen Spritpreise auf Autobahnen sind nicht positiv. Man muss Kunden nicht noch weiter verärgern.“

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