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Chronik Österreich
03/15/2019

Klimaschutz: Warum wir uns mehr anstrengen müssen

Fakten und Daten. Auf allen Kontinenten an fast 1700 Orten finden heute Demonstrationen für mehr Klimaschutz-Aktivitäten statt, auch in Österreich. Ausgelöst hat das ein schwedischer Teenager. Worum es den Jugendlichen geht.

Skolstrejk för klimatet – Schulstreik für das Klima: Vor einem knappen Jahr hat die schwedische Schülerin Greta Thunberg (siehe unten) aufgrund der Hitzewelle im Sommer 2018 begonnen, die Schulbank gegen die Straßen zu tauschen. Aus Protest platzierte sie sich mit einem Transparent am ersten Freitag nach Schulbeginn vor dem schwedischen Reichstag und hat damit eine weltweite Protestwelle ausgelöst.

Auch in Österreich werden heute Tausende Schüler den Unterricht schwänzen und in sieben Städten für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Was sind ihre Anliegen? Wie sieht die Situation bei uns aus, und was sollte die Politik und jeder Einzelne tun? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Worum geht es den Schülern, die heute streiken?

Ihnen geht es um nichts weniger als den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, denn die jetzigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen nicht aus. Das bestätigt die europäische Wissenschaftselite, die sich unter dem Titel #Scientists4future zusammengeschlossen hat und die Anliegen der Jugend unterstützt (www.scientists4future.org).

Wie steht es um den weltweiten Klimaschutz?

Die vom Menschen verursachte Erderwärmung seit den 1850er-Jahren beträgt ein Grad Celsius. Im Jahr 2015 haben 193 Staaten bei der Pariser Klimaschutzkonferenz eine maximale Erwärmung von 2 °C bis zum Ende dieses Jahrhunderts vereinbart, besser noch wären 1,5 °C. Tatsache ist, dass weltweit viel zu wenig unternommen wird, um diese Ziele auch nur annähernd zu erreichen.

Wie viel dürften die Österreicher verbrauchen und wie viel verbrauchen sie tatsächlich?

„Global ist klar, wie viel Treibhausgase noch an die Atmosphäre abgegeben werden dürfen, damit die Temperatur nicht mehr als 2°Celsius steigt“, erklärt der Klimaforscher Karl Steininger von der Uni Graz. „Das sind 1000 Gigatonnen , die weltweit bis 2050 noch emittiert werden dürfen. Dieses Kohlenstoff-Budget kann man auf jedes Land runterrechnen. In der für Österreich günstigsten Variante heißt das, wir dürfen bis 2050 noch maximal 1500 Millionen Tonnen ausstoßen. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, haben wir 2035 unser Budget ausgeschöpft und dürfen bis 2050 gar nichts mehr emittieren.“

Die Regierung will bis 2030 Strom nur mehr aus erneuerbaren Energieträgern produzieren – wie stehen wir da?

Um das Ziel zu erreichen, bräuchte es eine Verdreifachung der heutigen Windkraftleistung, sagt die IG Windkraft, zuletzt sei beim Ausbau kaum etwas weitergegangen. Dennoch bleibt das Problem, dass in Österreich rund zwei Drittel der Gesamtenergie nach wie vor fossil (Öl, Gas, Kohle) sind. Diese Energieträger müssten bis 2050 zur Gänze verschwinden.

Was sind die Folgen des Klimawandels für die Menschen in Österreich?

In Österreich ist die Temperatur seit 1980 bereits um 2 °C gestiegen. Die Prognose für die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts sind weitere 1,4 °C. Zu erwarten sind heiße, trockenere Sommer mit doppelt so vielen Tagen über 30 Grad Celsius wie bisher. Heißt: mehr Niederschläge im Winter und weniger im Sommer, mehr Muren und Steinschläge, Waldbrände. Land- und Forstwirtschaft werden mit mehr Schädlingen zu kämpfen haben. Bereits heute kosten die wetter- und klimabedingten Schäden in Österreich etwa eine Milliarde Euro. Diese Summen werden bis Mitte des Jahrhunderts auf bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen.

Wer sind die schlimmsten Klimasünder?

Wer für weniger - Emissionen sorgen will, sollte beim Energieverbrauch ansetzen – weltweit der größten Klimasünder. Die Energiegewinnung macht rund 30 % der -Emissionen aus, weil sie vornehmlich noch auf fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Erdgas basiert. Der Transportsektor ist für rund 14 % der - Emissionen verantwortlich. Beim Personenverkehr sind Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge die größten Klimakiller. Lebensmittel sind für weiter rund 20 % verantwortlich.

 

Wie sieht ein klimaneutraler Verkehr aus ?

Die Zersiedlung führt zu mehr Autoverkehr, weshalb sie gestoppt werden müsste. Gestärkte Ortszentren und eine bessere Nahversorgung gelten als weitere Lösung. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren müssten verboten , Öffis und Bahn besser und billiger werden.

Was kann Österreich tun, um das Wohnen klimafreundlicher zu machen?

Öl und Gas sollten durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Im Neubau muss sich der Passivhausstandard durchsetzen.

Wie muss sich unser Konsumverhalten ändern?

Die Kreislaufwirtschaft sollte angekurbelt werden und Produkte zu 100 Prozent recycelt werden. Langlebigkeit und Möglichkeiten, Dinge zu reparieren, gehören verbessert.

Müssen wir uns anders ernähren?

Die aktuelle Formel lautet derzeit: Weniger Fleisch und Milchprodukte, dafür mehr regionales Obst und Gemüse. Experten fordern zudem die Stärkung der biologischen Landwirtschaft, denn die gilt als klimafreundlicher.