Demo in Innsbruck

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Chronik Österreich
09/20/2019

Klimademo: Aktionen in rund 720 Gemeinden in Österreich

Ausrufung des nationalen Klimanotstandes als zentrale Forderung

von Markus Strohmayer

Beim Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche "Week for Future" haben sich in Österreich am Freitag rund 720 Gemeinden mit Aktionen beteiligt. "Es ist die größte dezentrale Klimaaktion, die es jemals gegeben hat", sagte Mitorganisator Johannes Stangl der APA.

Ab 18.00 Uhr ist noch eine Kundgebung am Wiener Heldenplatz geplant. Die Teilnehmerzahlen bei den einzelnen Aktionen abzuschätzen war schwierig, da die beteiligten Gemeinden oder Bezirke ihre Beiträge dezentral und autonom veranstalteten. Als verbindendes Element sollten alle involvierten Gemeinden unter ihr Ortsschild den Zusatz "Für die Zukunft" anbringen, fotografieren und auf der Homepage von "FridaysForFuture" hochladen.

"Furth bei Göttweg hat sich heute als erste Gemeinde bereits um 6.45 Uhr zur Kundgebung bei der Ortstafel versammelt, an der zahlreiche Schülerinnen und Schüler noch vor der Schule teilnahmen", sagte Stangl.

Die zentrale Forderung des österreichischen Ablegers der "FridaysForFuture"-Bewegung war die Ausrufung des nationalen Klimanotstands. Am kommenden Mittwoch wird ein Entschließungsantrag, der von ÖVP, SPÖ, Jetzt und NEOS eingebracht wurde, im Parlament abgestimmt. Laut Stangl sei man optimistisch, dass der Klimanotstand kommende Woche ausgerufen wird. Am gestrigen Donnerstag zeigten sich die Klimaschützer noch enttäuscht, als ÖVP und FPÖ im Parlament gegen eine Aufstockung des nationalen Beitrag zum UNO-Klimafonds stimmten.

Demonstrieren und Müll sammeln

Die angemeldeten Aktionen waren vielseitig: In Wien standen neben Demos am Heldenplatz, beim Haus des Meeres und am Schuhmaierplatz auch Müllsammelaktionen auf der Rossauer Lände und in Hütteldorf sowie ein Picknick vor der Karlskirche und ein Flashmob am Handelskai an. Auch in den Bundesländern gab es Veranstaltungen: In Niederösterreich wurde unter anderem in Krems und Bruck an der Leitha demonstriert, in Henndorf am Wallersee haben sich Musikmittelschule und Volksschule Henndorf zum Protest zusammengeschlossen und in Villach in Kärnten wurde ebenfalls protestiert.

Orte der Gemeinde Fucking in Oberösterreich haben für ihre Aktionen eine eigene Homepage dasfuckingklima.at kreiert. In Linz erwarteten Klimaaktivisten um 13.00 Uhr vor dem neuen Dom Maturanten zu einem Fotoshooting. Schüler aller Maturaklassen in Oberösterreich waren zu einem Gottesdienst in Linz. Anschließend solidarisierte sich ein Großteil von ihnen mit den "FridaysforFuture"-Aktivisten auf dem Domplatz.


Stangl betonte, dass alle Aktionen angemeldet waren. "Unser Protest ist wie immer vollkommen friedlich und bunt", unterstrich der Mitorganisator. Verkehrsbehinderungen waren nicht befürchtet worden. Laut Polizei waren auch keine Straßensperren geplant gewesen, ab 13.00 Uhr wurden allerdings Verkehrsbeeinträchtigungen in Wien-Ottakring in der Wattgasse, der Ottakringer Straße und am Yppenplatz befürchtet. Dort fand einer der größeren Demo-Veranstaltungen des heutigen Tages statt. Laut ÖMATC kam es schlussendlich aber zu keinen Verzögerungen.

Die Stimmung war laut Mitorganisatorin Lena Schilling dafür umso besser. Sie schätzte die Teilnehmerzahl auf 100-200 Aktivisten. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Rede des Politikwissenschaftler Ulrich Brand

Die Veranstaltungen sind Teil der internationalen "Week for Future", an der sich Aktivisten in über 100 Ländern beteiligen. Vor allem im englischsprachigen Raum waren bereits am Freitag Großdemonstrationen angesetzt. In Österreich werden die größten Proteste aber erst bei Demos am 27. September stattfinden - auch angesichts der zeitnahen Nationalratswahl.

Beim ersten großen Klimastreik am 15. März gingen in Österreich mehr als 20.000 Schüler und Studenten auf die Straße. An einem Streik mit der "FridaysForFuture"-Bewegung und der jugendlichen Aktivistin Greta Thunberg am 31. Mai beteiligten sich in Wien 10.000 Personen.

Schüler dürfen doch streiken

Die freitäglichen Demos beschäftigten auch schon Übergangs-Bildungsministerin Iris Rauskala. Sie bezeichnete die Streiks als eine Verletzung der Schulpflicht bezeichnete, lenkte nun aber ein.

Zum Auftakt der "Week for Future" gab das Bildungsministerium einen Erlass heraus, der Schülerinnen und Schülern ermöglicht, zumindest am "Earth Strike" kommenden Freitag teilzunehmen.