© Büro LH

Chronik Österreich
03/28/2019

Kein Laptop, keine Mails, kein Schreibtisch: So arbeitet Doskozil

Wie Burgenlands neuer Landeshauptmann arbeitet und warum er auf drei Themen setzt.

von Thomas Orovits

Wer das Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betritt, hält erst einmal inne. Nicht aus schierer Ergriffenheit, sondern weil etwas anders ist als in den fast zwei Jahrzehnten zuvor.

Dort, wo früher Hans Niessl am Schreibtisch saß, sitzt jetzt Melitta Thaller, Chefsekretärin des neuen Landeshauptmannes und mit ihm aus dem Verteidigungsministerium ins Burgenland zurückgekehrt. Doskozil selbst hat gar keinen Schreibtisch und verschmäht auch PC und Laptop. Schon als er 2010 Büroleiter Niessls wurde, habe er „keine eMail beantwortet“, hat Doskozil vor Monaten bei einer launigen Diskussion verraten. Das Smartphone benütze er für SMS und WhatsApp und natürlich fürs Telefonieren.

Oft und gerne auch im Dienstauto – mit Freisprecheinrichtung –, weil der gelernte Polizist, der berufsbegleitend Jus studiert hat, am liebsten selbst am Steuer des dunkelblauen 7er BMW sitzt. Auch zum Parteitag der Tiroler SPÖ ließ er sich nicht chauffieren. Das hat vermutlich weniger damit zu tun, dass Doskozil „sich nicht vom Politiker-Sein vereinnahmen lässt“, wie sein Umfeld gern kommuniziert, sondern mit automobilen Stärken und Schwächen: „Dosko ist ein sehr guter Autofahrer – und ein sehr schlechter Beifahrer“, lautet die lapidare Analyse eines Mitarbeiters.

Die Erinnerung an seinen Vor-Vorgänger Karl Stix, der 1999 nach einem überlangen Arbeitstag selbst heimfuhr, verunglückte und schwer verletzt wurde, schreckt den 48-jährigen Neo-Landeschef nicht. Autofahren entspanne ihn, zudem habe er als Nachtmensch kein Problem mit späten Heimfahrten – oder Umwegen. So ist er jüngst nach einem Abendtermin noch ins Südburgenland gefahren, um seiner Jus studierenden Tochter Laura ein Fachbuch vorbeizubringen, ehe es zurück nach Eisenstadt ging. Für den Ex-Landespolizeidirektor gilt das eherne Gesetz: Kein Tropfen Alkohol am Steuer.

Kleiner Kreis mit Breitenwirkung

Eigenwillig, aber bedeutend weniger beratungsresistent ist Doskozil auch, wenn es um das Zuspitzen und Einschlagen politischer Leitpflöcke geht. Doskozil stellt im kleinen Kreis einen Gedanken zur Diskussion, der zerpflückt oder für tauglich befunden wird, ausgefeilt zu werden. Büroleiter Andreas Leitner gehört ebenso zur Fixbesetzung der handverlesenen Truppe wie Sprecher Herbert Oschep. Dazu werden Fachexperten beigezogen und fallweise eine Wiener Agentur, die sich mit „Kommunikation komplexer Aufgaben“ befasst.

Schon bei seiner Wahl zum SPÖ-Chef im Herbst hat Doskozil den Mindestlohn von 1.700 Euro netto im Landesdienst und die Biowende angekündigt. Später kam die Pflege dazu. Alle drei Themen sorgten für heftige Kontroversen, zuletzt die Pflege auch bundesweit. Für Doskozil kein Beinbruch, denn politische Infights scheut er keineswegs.

Warum aber hat er genau diese Themen forciert?

Als Sicherheitspolitiker, so der Ansatz der Roten, habe Doskozil über Österreich hinaus einen Namen. Ein Landeshauptmann müsse aber breiter aufgestellt sein als ein Minister und für relevante Themen Lösungen anbieten. Mindestlohn, Pflege und Biowende sind für Doskozil Chiffren für die soziale und die ökologische Frage. Dass er Antworten nicht auf die Zeit nach der Landtagswahl 2020 verschiebt, sondern bis dahin zumindest das Fundament legen will, soll Ausdruck von Doskozils Unbehagen mit „Ankündigungspolitik“ sein – auch die seiner eigenen Partei. Die Bundes-SPÖ habe in Wahlprogrammen vollmundige Versprechen gemacht, um sie dann nicht oder halbherzig einzulösen. Die ÖVP lege sich leider quer, hieß es dann aus der früheren Kanzlerpartei. Die Ansage des burgenländischen Landeschefs, er wolle zeigen, wozu eine rot-geführte Regierung fähig sei, wird deshalb in der Wiener Löwelstraße nicht bloß als Verheißung verstanden.

Wie ist das Verhältnis zu SPÖ-Bundeschefin Pamela Rendi-Wagner? „Nicht so schlecht, wie da und dort dargestellt“, heißt es aus Doskozils Umfeld. Was, wenn die EU-Wahl für die SPÖ, die derzeit wie die ÖVP fünf Mandatare stellt, schlecht ausgeht; ist Rendi-Wagner dann angezählt? „Fürs Ergebnis ist in erster Linie Spitzenkandidat Andreas Schieder verantwortlich“.

Ein Vertrauensvorschuss hört sich anders an.