Chronik | Österreich
05.02.2016

Kein Kandidat: Tiroler Dorf sagt Gemeinderatswahlen ab

In einigen Orten konnten nur mit Mühe Listen für die Gemeinderatswahl erstellt werden. In Gramais gar nicht.

Es war die Aufnahme einer fünfköpfigen Flüchtlingsfamilie aus Syrien, die Gramais im Bezirk Reutte zuletzt einen für die Verhältnisse des Bergdorfs massiven Wachstumsschub versetzt hat. Die Zahl der Einwohner konnte in der kleinsten Gemeinde Österreichs auf 51 gesteigert werden. Stimmrecht haben die Neuankömmlinge freilich keines. "Wir haben genau 40 Wahlberechtigte", sagt Vizebürgermeisterin Silvia Schöpf. Unter ihnen Kandidaten für die Gemeinderatswahlen zu finden, hat sich dieses Mal als unlösbare Aufgabe erwiesen.

"Der Bürgermeister hat kurzfristig gesagt, dass er keine Liste machen will", erzählt Schöpf. Wenn am 28. Februar in ganz Tirol (außer Innsbruck) Gemeinderäte und Bürgermeister gewählt werden, können die Bürger von Gramais zu Hause bleiben.

Schöpf hofft, dass sich in den kommenden Monaten jemand findet, der den Bürgermeisterposten übernehmen möchte. "Aber das ist ein verantwortungsvoller und aufwendiger Job", erklärt die Vize-Dorfchefin die Schwierigkeit. Vorerst werde der Gemeinderat einfach weiter im Amt bleiben und die Geschäfte fortführen.

In Gramais zeigt sich ein Dilemma, in dem immer mehr Tiroler Kleinstgemeinden stecken. Die Suche nach Kandidaten wird, angefeuert durch die Abwanderung aus der Peripherie, immer schwieriger. Die Mindestzahl an Gemeinderäten liegt in Tirol bei neun. In Gramais müsste somit jeder vierte Bewohner im Dorfparlament sitzen. Immerhin ein Drittel der Tiroler Gemeinden hat weniger als 1000 Einwohner.

Am gestrigen Freitag um 17 Uhr lief die Frist für die Einreichung von Listen für die Kommunalwahlen ab. In den Tagen davor herrschte in mehreren Dörfern noch große Hektik. So etwa in Spiss, einer 124-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Landeck. Am letzten Tag der Frist waren dann doch genug Kandidaten gefunden. David Jäger, der bisherige Bürgermeister von Spiss (ÖVP), tritt nicht mehr an. Nach nur einer Legislaturperiode hat der 39-Jährige genug von dem Amt. "Es ist zu arbeitsintensiv, um es als Nebenjob zu machen", erklärt Jäger.

Seit 2010 war er nicht nur Dorfchef, sondern als Gemeindearbeiter auch für den Wald und die Kläranlage verantwortlich. Jäger sieht noch ein Problem: "In so einer kleinen Gemeinde gibt es oft die Gefahr von Befangenheit."

Rücktritt vor Wahl

Seinen Rücktritt hat am Freitag Stefan Moisi, der Bürgermeister von Natters – einer von 25 SPÖ-Ortschefs in Tirol –, erklärt. Er war zuletzt wegen umstrittener Barabhebungen von Konten, die er verwaltet hat, unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt indes bereits wegen des Verdachts der Untreue. Moisi verteidigt sich damit, dass "keinerlei Schaden entstanden" sei.