Hannes Kartnig in seiner Zeit als Präsident von Sturm Graz.

© FREMD/Leodolter Markus-GEPA

Hannes Kartnig
11/01/2014

"Jeder hat ihm die Füße geküsst"

Mit gewohnten Ausflügen in die Öffentlichkeit samt Fußfessel überschritt Hannes Kartnig eine Grenze zu viel.

von Elisabeth Holzer

Er ist ein Wahnsinniger, ein Grenzüberschreiter. Im Grunde ist er sein Leben lang ein trotziges Kind geblieben", sinniert Gerhard Hirschmann, viele Jahre ÖVP-Politiker in der Steiermark und als Sportlandesrat ein Wegbegleiter Hannes Kartnigs.

Das "trotzige Kind" hat, wie berichtet, aber eine Grenze zu viel überschritten. Nach Opernbesuch und feinem Essen mit Fußfessel am Knöchel in einem Wiener Luxushotel wurde dem 63-Jährigen der Hausarrest gestrichen: Als Kartnig Mittwoch in die Justizanstalt Graz-Jakomini bestellt wurde, behielt man ihn gleich dort.

Die Grenzen erkennen, damit dürfte sich Kartnig oft schwergetan haben. Hirschmann erinnert sich, Kartnigs Auto nicht nur ein Mal im Parkverbot gesehen zu haben. "Ich hab’ ihn dann schon gefragt, Hannes, wieso parkst du ständig, wo du willst? Und er sagte: Ich zahl’ eh die Strafe."

15 Monate Haftstrafe setzte es bekanntlich rechtskräftig wegen Steuervergehens. Ursache: Eine Grenzüberschreitung als Präsident des SK Sturm kaufte Kartnig teure Spieler ein, zahlte Kicker zuweilen schwarz, also an der Finanz vorbei. "Die Spieler haben’s verlangt, bitte", gestand Kartnig im Prozess 2012 in Graz.

"Das mit der Steuer, den Blödsinn, hab’ ich g’macht. Soll ich mich jetzt erschießen?" Deshalb sei er doch "kein Verbrecher", sondern nur "ein Steuersünder", beteuerte er in Interviews, nachdem der Oberste Gerichtshof die rechtskräftige Haftstrafe festgelegt hatte.

Gerhard Hirschmann über Kartnigs Lebenshaltung: "Er anerkennt gesellschaftliche Normen nur bedingt."

In seinen Glanzzeiten war ihm aber die Öffentlichkeit besonders wichtig. Also jene Zeit, wo der damalige Sturm-Präsident zwei Mal strahlend den Meisterteller des Klubs in die Kameras hielt oder Hunderte Gäste zu seinem Fünfziger in den Park des Schloss Eggenbergs lud.

Da warb er auch für eine Kreditkartenfirma, dort posierte er vor seinem Rolls- Royce. Frank Stronach war sein Trauzeuge, Politiker, wie Landeshauptmann Erwin Pröll, drängten in sein Rampenlicht. "Vom Bundeskanzler abwärts hat ihm ja jeder die Füße geküsst und sich gebalgt darum, mit ihm ein Foto machen zu dürfen", erinnert sich Hirschmann.

Kameras schwenkten auf ihn – von der Fernsehsilvestershow bis zum Musikantenstadl. Im Casino soll er zuweilen simultan an mehreren Tischen gespielt haben. So steht es in seiner 2001 erschienen Biografie "Ein steirischer Traum". Im Prozess 2012 tauchten Zahlen auf: Jetons um 6,9 Millionen Euro habe Kartnig erworben, aber nur 4,2 Millionen Euro rückeingelöst.

"Ein Depp"

Journalisten baten um Homestorys und Kartnig öffnete bereitwillig Tür und Tor zur Villa mit Haifischbecken. In einem KURIER-Interview gestand er ein, diesbezüglich "ein Depp" gewesen zu sein. "Natürlich hat es mir getaugt, dass mich damals alle erkannt haben. Aber das brauche ich heute nicht mehr." Oder doch? Exakt wegen der Aufritte in der Öffentlichkeit trotz Fußfessel verlor Kartnig das Privileg, seine Haftstrafe im Hausarrest verbüßen zu dürfen: Er ging zur "Tosca"-Premiere, rund eine Woche später wurde er im Wiener Nobelhotel Park Hyatt gesehen. Ausgänge, die zwar an sich genehmigt waren, aber der Justiz ob ihres Umfelds zu öffentlich waren.

Sein nächster öffentlicher Auftritt wird der Prozess wegen Betrugsverdachts, der am 12. November startet. Es geht um 1,2 Millionen Euro, um die Kartnig das Land Steiermark und die Bundesliga betrogen haben soll. Im ersten Verfahren war er zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Doch der OGH lässt den Prozess neu starten.

Nach der Ära Kartnig musste auch der SK Sturm an den Start zurück. Der Verein ging pleite. "Zar Hannes" trat als Präsident zurück. Dabei soll Sturm durch die Champions League 1998 und 1999 gut 20 Millionen Euro brutto verdient haben.

So viel Ruhm musste gefeiert werden: Den ersten Meistertitel bejubelten Kartnig, die Sturm-Kicker und 50.000 Fans auf dem Grazer Hauptplatz. Das Fest soll 290.000 Euro gekostet haben. "Ich wollte nie Neid erzeugen", beteuerte Kartnig mehr als ein Jahrzehnt später. "Ich hab’ mich nur gefreut, was ich alles erreicht habe."

Der tiefe Fall des Hannes Kartnig:

STURM GRAZ FEIERT DEN MEISTERTITEL

Hannes Kartnig

Sonnwendschifffahrt

KRONE FUSSBALL GALA - STRONACH/WESTENTHALER/KARTNI

Hannes Kartnig, President of Sturm Graz, Austria, …

OEFB-TEAM IN ZYPERN

SCHUESSEL, KARTNIG UND RIESS-PASSER AM OPERNBALL

Kartnig-Prozess

Hannes Kartnig

Hannes Kartnig vor einer Anhörung im Gericht.

Es geht ins Finale: Kartnig vor Gericht.

FUSSBALL: PROZESS GEGEN HANNES KARTNIG

BERUFUNGSVERHANDLUNG IM IM FALL KARTNIG UND SK ST

FUSSBALL: PROZESSAUFTAKT GEGEN HANNES KARTNIG IN G

FUSSBALL: PROZESSAUFTAKT GEGEN HANNES KARTNIG IN G

gericht,katnik,18-11-2014

Unternehmer

Hannes Kartnig, geboren am 27. Oktober 1951, begann zunächst eine Lehre als Goldschmied, wechselte aber in die (Außen-)Werbung. 1971 gründete er seine erste Firma, etwas später folgte die "Kartnigs Perspektiven GmbH."

Sportfunktionär

1989 wurde er Präsident des Eishockeyclubs EC Graz, der in Konkurs ging. 1992 bis 2006 war Kartnig Präsident des SK Sturm, der in seiner Zeit zwei Mal den Meistertitel holte und in der Champions League kickte. 2006 musste Sturm Konkurs anmelden.


"Ich hab’ gewusst, dass das ein Finanzvergehen ist. Aber ich hab’ gedacht, wenn wir erwischt werden, setzen wir uns mit der Finanz zusammen und einigen uns."

Hannes Kartnig beim Prozess, 2011

"Ich brauche die Schickimickis und die Seitenblicke-Gesellschaft nicht mehr. Das sind alles nur oberflächliche Menschen. Heute weiß ich, dass die Gesundheit wichtiger ist als alles andere auf der Welt."

Nachdem bei ihm Darmkrebs diagnostiziert wurde, 2012

"Was ist dabei, wenn ich ins Theater gehe? Ich geh’ ja in kein Puff!"

Nach der "Tosca"-Premiere, vor der Belehrung im Gefängnis, 20. Oktober 2014

"Ich wurde belehrt und daran werde ich mich halten. Gesetzlich war es in Ordnung, aber nicht für die Optik."

Nach seiner Ermahnung in der Justizanstalt, 20. Oktober 2014

"Ich war mit meiner Frau essen. Darf ich das nicht, muss ich verhungern?"

Nachdem er im Wiener Nobel-hotel Park-Hyatt gesehen wurde, 28. Oktober 2014

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